Aycicek: "Ich bin ein anderer Spielertyp geworden"

Bei 1860 München lief es für Levent Aycicek im zweiten Halbjahr immer besser (Foto: nordphoto).
Interview
Dienstag, 27.12.2016 // 12:24 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Vor knapp einem Jahr wechselte Levent Aycicek auf Leihbasis von der Weser zu 1860 München. Zunächst für die Rückrunde 2015/16 ehe im Sommer die Leihe um ein ganzes Jahr verlängert wurde. Bei den Löwen bekommt das wuselige Spielmachertalent Spielpraxis und die Chance, sich in einer körperbetonten Liga durchzusetzen. Trotz zahlreicher Trainerwechsel und Unruhe rund um den Verein hat Aycicek einen großen Entwicklungsschritt gemacht.

Für WERDER.DE nahm sich der 22-Jährige Zeit, um über sein Jahr in München, wertvolle Erfahrungen und seine Verbindung zu den Grün-Weißen zu sprechen. 

Hat bei 1860 einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht: Levent Aycicek (Foto: nph).

WERDER.DE: Levent, bei dir persönlich liefen die letzten Wochen der Hinrunde ja recht erfolgreich. Mit vier Toren und zwei Assists aus den letzten acht Partien zeigt deine Formkurve nach oben. Wie geht’s dir in München?

Levent Aycicek: „Am Anfang war es für mich bei Sechzig echt schwierig. Das Trainerteam hat leider nicht so auf mich gesetzt und ich habe wenig Spielanteile bekommen. Erst mit dem Spiel in Stuttgart habe ich mich durchsetzen können. Seitdem habe ich abgesehen von einem Spiel alle Partien bestritten. Ich bin sehr froh darüber, dass es gegen Jahresende jetzt so gut hinhaut und ich meine Einsätze bekomme.“

WERDER.DE: Hast du das Gefühl, dass du ein fester Bestandteil der Startformation bist?

Levent Aycicek: „Das ist von Woche zu Woche unterschiedlich. Ich habe von den letzten acht Spielen sieben von Beginn an gemacht, aber im Fußball kann das alles so schnell gehen. Man darf sich nie ausruhen.“

WERDER.DE: Bist du für den Moment zufrieden?

Levent Aycicek: „Für mich persönlich schon. Ich freue mich über meine Tore und Vorlagen, aber mit dem Tabellenplatz kann man nicht zufrieden sein. Da hoffen wir alle, dass es in der Rückrunde besser läuft. Wir haben eine gute Mannschaft zusammen, aber in der zweiten Liga geht es häufig über den Kampf. Wir müssen uns weiter reinkämpfen.“

WERDER.DE: Oftmals wird Zweitligafußball als deutlich robuster, vielleicht auch dreckiger, bezeichnet. Ist das so?

Levent Aycicek: „In der Bundesliga wird man sofort unter Druck gesetzt, wenn man den Ball bekommt. Man muss sehr schnell im Kopf sein. Das Spiel ist gleichzeitig deutlich taktischer geprägt. In der zweiten Liga hat man dagegen einen Moment mehr Zeit, dafür ist fast jedes Spiel sehr zweikampflastig. Der Unterschied zur ersten Bundesliga ist groß, das ist mir direkt zu Beginn klar geworden. Ich weiß gar nicht, in wie viel mehr Zweikämpfe pro Spiel ich da verwickelt werde...“

Zweikampfhärte war genau das, was mir noch gefehlt hat
Levent Aycicek

WERDER.DE: Hättest du gedacht, dass du dich in München so wohlfühlst?

Levent Aycicek: „Es ging alles so schnell, da blieb keine Zeit für Vorüberlegungen. Alles war in einem Tag durch, drei Tage später stand ich in München auf dem Platz. Ich hatte aber von vielen gehört, dass München eine tolle Stadt sei. Wenn wir mal im Hotel waren, haben Mitspieler wie Claudio vor mir davon geschwärmt. Das hat sich auf jeden Fall bestätigt. Ein paar Tipps, was man hier machen kann, gab’s auch (lacht). Was ich allerdings nicht gedacht hätte ist, dass ich hier auf Anhieb so viele Freundschaften schließe. Ich wurde sofort gut integriert und wir unternehmen als Team sehr viel. Der Zusammenhalt ist, wie bei Werder, auch echt groß.“

WERDER.DE: Ist das für dich als kleiner gewachsener Spieler, dessen größte Stärke eher das Spiel mit Ball ist, schwieriger?

Levent Aycicek: „Zweikampfhärte war genau das, was mir noch gefehlt hat. Mein Plus war immer meine Technik. An die etwas robustere Gangart in der zweiten Liga musste ich mich erstmal gewöhnen. Jetzt bin ich aber körperlich fit und stabil genug. Ich bin ein ganz anderer Spielertyp geworden. Ich versuche nicht mehr alles über meine Technik zu lösen, sondern haue mich in die Duelle und gewinne mittlerweile auch viele davon. Diesbezüglich hat mich der Schritt in Liga zwei auf jeden Fall weitergebracht.“

Im Sommer-Trainingslager traf Aycicek zuletzt auf die Ex-Werder-Kollegen (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: 1860 München bestimmt immer wieder die Schlagzeilen. Wie schwer fällt es dir als Spieler, sich da nur auf das Sportliche zu konzentrieren?

Levent Aycicek: „Ich muss zugeben, dass ich das aus Bremen nicht kenne (schmunzelt). Da hatte ich nicht so oft einen neuen Trainer. Vítor Pereira ist mein sechster Trainer in zehn Monaten. Aber als Fußballer muss man das ausblenden. Das kriege ich gut hin. Natürlich weiß man, was im Verein abgeht, aber wenn man sich darüber auch noch Gedanken machen würde, ginge das auf dem Platz komplett in die Hose. Da braucht man einen freien Kopf. Das musste ich aber nicht lernen, das ist einem schon sehr früh bewusst.“

WERDER.DE: Trotz deiner türkischen Wurzeln könnte man dich als waschechten Norddeutschen bezeichnen…

Levent Aycicek: „… definitiv!“

WERDER.DE: Wie unterscheidet sich denn das Leben in der bayrischen Landeshauptstadt von dem in der Hansestadt?

Levent Aycicek: „München ist eine sehr schöne Stadt. Ich fühle mich pudelwohl, eigentlich genau wie in Bremen. Die Mentalität der Leute hier im Süden, der Verein, das tägliche Leben unterscheiden sich schon sehr von Bremen und Werder, ohne, dass ich das genauer beschreiben könnte. Aber es gefällt mir sehr gut hier.“

WERDER.DE: Die Rückrunde verbringst du auf jeden Fall noch im Trikot der Löwen, aber wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Levent Aycicek: „Die Zukunft ist offen. Ich bin noch ein halbes Jahr hier und werde alles dafür tun, dass wir ins gesicherte Mittelfeld klettern und etwas Ruhe einkehren kann. Darüber, wie es danach weitergeht, habe ich mir ganz ehrlich noch keine Gedanken gemacht. Ich lasse das alles auf mich zukommen. Im Sommer wird die Situation ohnehin neu bewertet.“

WERDER.DE: Wie intensiv verfolgst du Werder aus dem Süden?

Levent Aycicek: „Wenn spiel- und trainingsfrei ist, schaue ich mir jedes Spiel an. Ich habe schon echt viele Begegnungen diese Saison gesehen, muss ich sagen. Gegen Hertha konnte ich nur die letzte Viertelstunde gucken, da wir noch im Flieger saßen, aber über den Sieg hab ich mich natürlich sehr gefreut. Zu den Kollegen hab ich noch regelmäßig Kontakt und werde von ihnen informiert, was so abläuft (lacht).“

WERDER.DE: Und auch in der zweiten Liga triffst du von Zeit zu Zeit ehemalige Teamkollegen wieder…

Levent Aycicek: „Genau. Gegen Dresden zum Beispiel Marcel Hilßner. Mit ihm habe ich sieben Jahre im Internat verbracht. Wir haben uns beide extrem gefreut, uns wiederzusehen, das Trikot getauscht und noch ein bisschen quatschen können.“

WERDER.DE: Dann hat er ja das Trikot des Matchwinners ergattert.

Levent Aycicek: „Das stimmt (lacht)!“

WERDER.DE: Vielen Dank für das Interview, Levent und viel Glück in der Rückrunde!

 

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