"Werder ist eine große Herausforderung"

Werders Sommer-Neuzugang Johan Mina im Interview
Johan Mina wird als 1. Ecuadorianer der Geschichte das Werder-Trikot tragen (Foto: imago).
Interview
Dienstag, 09.06.2020 / 18:00 Uhr

Das Interview führte Kevin Weber Roldan

Johan Mina ist der erste Ecuadorianer, der das grün-weiße Werder-Trikot überstreifen wird. Ab dem Sommer wird das 18-jährige Talent in Bremen seine ersten Schritte im europäischen Fußball gehen.

WERDER.DE hat mit dem Offensivspieler über seinen Wechsel an die Weser, seine Erwartungen und seinen - vor allem in Bremen - berühmten Vornamen gesprochen.

WERDER.DE: Johan, herzlichen Glückwunsch zu deiner Vertragsunterschrift. Wie fühlt es sich an, bei Werder unterschrieben zu haben?

Johan Mina: "Danke! Für mich ist es ein unglaubliches Gefühl, das mich und meine Familie mit sehr viel Stolz erfüllt. Nicht jeder junge Fußballer aus Ecuador erhält die Möglichkeit nach Europa zu gehen, um seinen Traum zu verwirklichen. Daher möchte ich diese Chance unbedingt nutzen. Das Interesse von Werder ist natürlich eine Bestätigung für die harte Arbeit der letzten Jahre. Aber es ist zugleich auch eine große Herausforderung, auf die ich mich jetzt sehr freue."

WERDER.DE: Warum hast du dich für den SV Werder entschieden? Was hat dich überzeugt?

Johan Mina: "Erst einmal ist Werder ein großer Verein und auch hier in Südamerika für seine Nachwuchsarbeit bekannt. Bremen hat in der Vergangenheit schon immer auf junge Spieler gesetzt, die eine beeindruckende Entwicklung genommen haben."

Mina: "Pizarro ist in ganz Südamerika bekannt"

Bei der U17-Weltmeisterschaft in Brasilien trumpfte Johan Mina groß auf.

WERDER.DE: Du warst beim Heimsieg gegen den FC Augsburg im wohninvest WESERSTADION. Wie war das für dich?

Johan Mina: "Das war eine tolle Erfahrung, wirklich beeindruckend. Besonders die Fans: vor dem Spiel, wie die Massen in grün und weiß in das Stadion geströmt sind und dann natürlich die Atmosphäre während des Spiels. Da habe ich mir kurz vorgestellt wie es denn wäre, wenn ich selber mal hier auflaufen werde. Dieser Besuch hat definitiv dazu beigetragen, dass ich mich für Werder entschieden habe."

WERDER.DE: Dann hast du als Südamerikaner sicherlich die Stimmung bei der Einwechslung von Claudio Pizarro verfolgt...

Johan Mina: "Mir ist schon vor dem Spiel aufgefallen, dass fast jeder zweite Fan ein Pizarro-Trikot trägt. Egal, ob mit der 4 oder 14 als Rückennummer, Hauptsache Claudio Pizarro. Das zeigt eindeutig, wie beliebt er hier ist. Als er dann eingewechselt wurde, haben die Fans mindestens genauso laut gejubelt wie wenn ein Tor gefallen wäre! Da ist jeder im Stadion aufgestanden. Das war wirklich ein Gänsehaut-Moment."

WERDER.DE: Bei Werder und in Deutschland ist Claudio Pizarro eine Legende, er war lange der erfolgreichste ausländische Torschütze und ist mittlerweile der älteste Torschütze der Liga: Kennt man ihn auch in Ecuador?

Johan Mina: "Ja klar, Claudio Pizarro ist in ganz Südamerika bekannt. Er hat unheimlich viel erreicht und eine beeindruckende Karriere hingelegt. Wenn man von Werder spricht, ist der erste Gedanke Claudio Pizarro."

Obwohl ich lange Zeit nur trainieren konnte, haben weder ich noch meine Familie an mir gezweifelt
Johan Mina

WERDER.DE: Du kommst aufgrund der aktuellen Situation erst im Juli nach Deutschland. Wie sieht dein Plan bis dahin aus? Was machst du?

Johan Mina: "Ich werde weiterhin an meinem Fitnesszustand arbeiten und die Zeit mit Familie und Freunden genießen, bevor ich dann zum Start der Vorbereitung nach Bremen komme."

WERDER.DE: Und wenn du dann bei Werder trainierst, wie ist dein Plan für die kommenden Jahre? Was sind deine Ziele bei und mit Werder?

Johan Mina: "Für mich als junger Spieler ist es am Wichtigsten, dass ich mich weiterentwickeln kann. Ich möchte so schnell wie möglich 'ankommen' wie man so schön sagt. Mich also in die Mannschaft integrieren, die Stadt kennenlernen, die Sprache lernen und dann natürlich versuchen, der Mannschaft auf dem Platz zu helfen. Alles Weitere kommt mit der Zeit."

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"Wir sind einfach erleichtert"

Die Erleichterung war allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. Durch das 2:2 im Relegationsrückspiel beim 1. FC Heidenheim 1846 (zum Spielbericht) sichert sich der SV Werder den Klassenerhalt. „Ich bin einfach glücklich, dass wir es geschafft haben die Klasse zu halten. Wir wurden so oft totgesagt, doch wir sind immer wiedergekommen“, sagt Trainer Florian Kohfeldt nach dem Spiel.

06.07.2020 / 23:48 / Profis

WERDER.DE: Du hast in den vergangenen beiden Jahren zwar nicht im Verein, aber für Ecuador zwei wichtige Turniere gespielt - die U17-Südamerikameisterschaft und die U17-Weltmeisterschaft. Was konntest du bei diesen Turnieren für dich lernen und mitnehmen?

Johan Mina: "Das waren wichtige Erfahrungen für mich und vor allem natürlich die Gelegenheit, Spielpraxis zu nutzen. Deswegen habe ich mich in beide Turniere vielleicht noch mehr reingehängt. Obwohl ich lange Zeit nur trainieren konnte, haben weder ich noch meine Familie an mir gezweifelt und das hat mir sehr geholfen. Ich habe versucht, mich auf das zu konzentrieren, was ich am Besten kann: Fußball spielen."

WERDER.DE: Was sind deine Stärken und welche Bereiche in deinem Spiel gilt es zu verbessern?

Johan Mina: "Das sollten normalerweise andere beurteilen. Ich finde es immer schwierig, über sich selbst zu sprechen. Ich denke, ich habe ein ganz gutes Gespür für Spielsituationen und kann meine Mitspieler dementsprechend in Position bringen. Auch meine Distanzschüsse und der Abschluss sind ganz okay. Arbeiten möchte ich auf jeden Fall noch weiter an meinem schwächeren rechten Fuß."

Mina: "Von so einer Karriere kann man nur träumen"

WERDER.DE: Wer ist dein fußballerisches Vorbild?

Johan Mina: "Kaká. Seine Spielweise hat mir schon immer sehr gefallen, vor allem seine Schnelligkeit und seine Torabschlüsse im hohen Tempo. Es gibt nicht viele Spieler, die so eine Ballbeherrschung haben und solche Vorlagen geben konnten wie er."

WERDER.DE: Dein Vater, Joaquin Mina, war ebenfalls Fußballer. Er gewann 1993 die Meisterschaft in Ecuador, er war Jugend-Nationalspieler. Was konntest du von ihm lernen?

Johan Mina: "Mein Vater hat sich schon immer über seinen Ehrgeiz und seine Leidenschaft zum Fußball ausgezeichnet und genau das habe ich von ihm gelernt. Mit der richtigen Einstellung, mit Hingabe und harter Arbeit kann man im Leben viel erreichen."

WERDER.DE: Auch deine Brüder spielen Fußball. Seid ihr eine fußballverrückte Familie?

Johan Mina: "Ja, das kann man so sagen. Ich habe das Glück, dass einer meiner Brüder gerne als Torwart spielt. Das kam mir natürlich gelegen. Er im Tor und ich habe einen Ball nach dem anderen draufgeschossen. Das war ein gutes Training für meine Abschlüsse. Aufgrund der jetzigen Situation (Corona) waren wir zuletzt leider nicht mehr gemeinsam Fußball spielen. Das fehlt uns sehr. Aber sobald es wieder möglich ist, findet man uns nur noch auf dem Fußballplatz."

WERDER.DE: Man hat mir gesagt, dass du einen Spitznamen hast oder hattest. Stimmt das?

Johan Mina: "Ich habe viele Spitznamen (lacht). Hängt davon ab welchen du meinst."

WERDER.DE: Du wirst Cocamba genannt, richtig? Was heißt das?

Johan Mina: "Ja, das stimmt! Als Kind hat man mir die Haare immer ganz kurz geschnitten, so dass mein Kopf wie eine Kokosnuss aussah (Spanisch: Coco). Mein Bruder und mein Onkel haben mir den Spitznamen verpasst und seitdem nennen mich viele Cocamba (lacht)."

WERDER.DE: Ist dir eigentlich bewusst, dass du den gleichen Vornamen trägst, wie einer der größten Werder-Strategen in der Vergangenheit?

Johan Mina: "Du meinst Johan Micoud. Ja, das habe ich bereits mehrfach gehört. Micoud war ein herausragender Fußballer und ich weiß, dass er Werder zum Double geführt hat. Aber da bin ich weit von entfernt. Ebenso weit wie von Johan Cruyff, der der eigentliche Namensgeber ist. Mein Vater hat damals viel über Johan Cruyff gelesen und mir daraufhin den Namen gegeben. Beide waren zwei unglaublich gute Fußballer. Von so einer Karriere kann man nur träumen."

WERDER.DE: Lass uns nochmal auf deinen Besuch in Bremen blicken. Was konntest du von der Hansestadt sehen? Was weißt du schon über deine „neue Heimat“?

Johan Mina: "Nicht viel. Wir haben uns die Stadt ein bisschen angeschaut und waren bei den Bremer Stadtmusikanten. Leider waren wir nur einen Tag in Bremen, aber ich freue mich schon sehr darauf, mehr von der Stadt zu sehen."

WERDER.DE: Es heißt, dass deutsche Essen hat dich bei deinem Besuch begeistert… Erzähl mal, was gab’s?

Johan Mina: "Ja, das Essen war wirklich gut! Ich hatte etwas typisch Deutsches: Eisbein mit Pommes. Das war lecker!"

WERDER.DE: Und ab dem Sommer gibt es dann auch Bremer Spezialitäten. Vielen Dank für das Interview, Johan!

 

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