Mit griechischem Herzblut und deutscher Mentalität

WERDER.DE traf sich am Rande des Trainingslagers mit Neuzugang Thanos Petsos (Foto: WERDER.DE).
Profis
Montag, 11.07.2016 // 18:43 Uhr

Das Interview führten Yannik Cischinsky und Dominik Kupilas

Thanos Petsos ist zurück in der Bundesliga. Im Rheinland geboren und aufgewachsen, spielte der griechische Nationalspieler bislang für Bayer Leverkusen und Greuther Fürth in Deutschlands höchster Spielklasse. Sein bislang einziger Treffer gelang ihm skurrilerweise gegen den SVW. Mit seinem Wechsel an die Weser hat sich der anschließende "Umweg" Rapid Wien für den 25-jährigen Mittelfeldspieler gelohnt. 

WERDER.DE traf den Neuzugang im Trainingslager und sprach mit ihm über seine Vergangenheit mit Bundesliga-Erfahrung, die ersten Eindrücke und über seine griechischen Wurzeln.

WERDER.DE: Fürth, Rapid und jetzt Werder – hast du es dir eigentlich zur Aufgabe gemacht, nur noch in Grün und Weiß aufzulaufen?

Thanos Petsos (schmunzelt): „Das könnte man so sagen. Ich hab tatsächlich von vielen Rapid-Fans die Rückmeldung bekommen, dass es ja wenigstens ein grün-weißer Verein sei. Dementsprechend ist mir die Entscheidung auch leichter gefallen.“

WERDER.DE: Auswärts wirst du allerdings nicht um das lilafarbene Trikot des ehemaligen Erzrivalen Austria herumkommen…

Thanos Petsos: „Da muss man als Ex-Rapidler schon schlucken. Nein, Spaß beiseite. Ich werde mich schon anpassen können und finde es ganz schick.“

WERDER.DE: Dein Wechsel stand schon relativ lange fest. Hast du Werder im letzten halben Jahr auch aus Österreich intensiv verfolgen können?

Thanos Petsos: „Der Kontakt bestand ja bereits seit Oktober. Schon damals war ich mir sicher, dass ich diesen Schritt gehen möchte, unabhängig davon, in welcher Liga Werder spielt. Meiner Meinung nach sollte man sich für so eine Veränderung mit vollster Überzeugung entscheiden und sie nicht davon abhängig machen, in welcher Liga der neue Verein spielt. Natürlich habe ich Werder im letzten halben Jahr trotzdem intensiv verfolgt. Man hat gesehen, wie viel der Verein für die Stadt bedeutet und wie die Fans auch in so einer krassen Situation mitgehen. Das war beeindruckend.“

Thanos Petsos hat sein Umfeld kennengelernt, ist vom ersten Eindruck überzeugt (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Jetzt hast du die ersten Einheiten absolviert und einige Mitspieler kennengelernt. Wie ist der berühmte „erste Eindruck“?

Thanos Petsos: „Echt super! Wir haben eine gute Mischung aus jungen Spielern und erfahrenen Kräften wie Claudio oder Clemens, die den Neulingen helfen, sich zu integrieren. Auch wenn ich drei Monate quasi nicht auf dem Platz stand, konnte ich mich in den ersten Einheiten gut einbringen. Nur die Fußsohlen brennen und ich habe mir direkt eine Blase gelaufen (lacht).“

WERDER.DE: Zu Saisonende warst du durch einen Innenbandriss zum Nichtstun verdammt. Wie geht es dem Knie und wie sehr freust du dich, jetzt endlich wieder auf dem Platz zu stehen?

Thanos Petsos: „Die Freude ist enorm groß. Inklusive Sommerpause war es eine verdammt lange Zeit ohne Fußball, auch wenn ich von Axel Dörrfuß einen ausführlichen Trainingsplan bekommen habe – und darauf standen nicht gerade wenige Läufe (lacht). Aber dementsprechend fit bin ich jetzt. Die ersten Schritte mit dem Ball waren schön, das Knie fühlt sich gut an. Es macht richtig Spaß, wieder gegen den Ball treten zu können.“

WERDER.DE: Florian Kainz und du: ihr kommt ja beide von Rapid Wien. Inwieweit hast du auf Flo eingewirkt, dass er ebenfalls zum SVW kommt?

Thanos Petsos (schmunzelt): „Wir standen in regem Kontakt. Es hatten ja mehrere Bundesligisten Interesse. Ich habe ihm also meine ersten Eindrücke geschildert, die ich am Tag vor dem Frankfurt-Spiel gesammelt habe. Da hatte ich in Bremen meinen Medizincheck, konnte das Umfeld, das Stadion, die Verantwortlichen und einige Spieler etwas kennenlernen. Diese Eindrücke waren rundum positiv. Vielleicht war das ja ein kleiner Grund, warum er zu Werder gewechselt ist…“

WERDER.DE: Wie hilfreich ist es denn sportlichen gesehen, dass ihr euch schon kennt?

Thanos Petsos: „Es kann nie schaden, einen vertrauten Mitspieler an seiner Seite zu haben, aber die fußballerische Qualität im Team ist groß genug, dass wir nach sechs Wochen gut eingespielt sein werden.“

Griechisches Duell im Weser-Stadion: Petsos (damals Greuther Fürth) im Duell mit Sokratis (Archivfoto: nordphoto).

WERDER.DE: Mit 19 bist du bereits zum ersten Mal in der Bundesliga aufgelaufen, damals unter Jupp Heynckes für deinen Jugendverein Bayer Leverkusen. Nach den Stationen Kaiserslautern und Fürth führte dein Weg allerdings in die österreichische Bundesliga und nicht wie erhofft zu einem deutschen Bundesligisten…

Thanos Petsos: „Es ist nicht alles optimal gelaufen, das muss ich ehrlich sagen. Ich hatte ein super erstes Jahr in Kaiserslautern. Wir sind als Aufsteiger direkt Siebter geworden und ich hatte als Neuling gleich rund 20 Einsätze. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. In der Spielzeit darauf hatten wir viele Abgänge, da passte nicht viel zusammen und wir sind abgestiegen. Im dritten Jahr wurde ich nach Fürth verliehen, wo es ähnlich schlecht lief. Im Anschluss wäre es natürlich schwer geworden, wiederbei Leverkusen Fuß zu fassen.“

WERDER.DE: Also bist du den „Umweg“ über Österreich gegangen…

Thanos Petsos: „… wo ich bei Rapid wieder den Fußball spielen konnte, den ich drauf habe. Im Team konnte ich eine Führungsrolle übernehmen, ich konnte als Typ reifen. Deshalb denke ich, dass ich aus diesem Weg rückblickend viel Positives ziehen kann.“

WERDER.DE: Was für ein Spielertyp bist du denn?

Thanos Petsos: „Ich bin mit Herzblut dabei, manchmal vielleicht mit etwas zu viel. Aber das bekommt man mit zunehmendem Alter immer besser in Griff.“

WERDER.DE: Ist dein Temperament ein Erbe deiner griechischen Wurzeln?

Thanos Petsos (lacht): „Ja, ich das kann man so sagen. Ich würde sagen, typisch für mich ist das griechische Herzblut, aber in vielen Dingen auch meine deutsche Mentalität.“

WERDER.DE: Du hast dich zuletzt durch gute Leistungen bei Rapid auch wieder in die Nationalmannschaft Griechenlands gespielt. Wie viel bedeutet es dir, für das Heimatland deines Vaters aufzulaufen?

Thanos Petsos: „Für mich ist es eine große Ehre, für Griechenland spielen zu dürfen. Es tut gut zu wissen, dass der Nationaltrainer auf mich baut. Das ist für mich fast schon das größte, was man als Fußballer erleben darf.“

WERDER.DE: Was wäre denn dein Traum im Trikot der Nationalelf?

Thanos Petsos: „Wenn man sich die Europameisterschaft so angeschaut hat, dann wäre es für mich schon extrem reizvoll, einmal an so einem großen Turnier teilzunehmen. Es wird auch Zeit, dass Griechenland bald mal wieder dabei ist. Die Qualität dazu haben wir.“

WERDER.DE: Und dein Traum mit Werder?

Thanos Petsos: „Ich möchte irgendwann wieder international spielen. Das wäre für die Stadt Bremen, für die Fans und das Umfeld sicherlich das Schönste!“

 

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