"Minutenlang im Kreis gelaufen"

Interview mit Aron Johannsson

Aron Johansson traf sich mit WERDER.DE und WERDER.TV im Weser-Stadion zum Interview (Foto: WERDER.DE).
Aron Jóhannsson
Samstag, 10.09.2016 // 14:02 Uhr

Das Interview führten Dominik Kupilas und Markus Biereichel

Die lange Leidenszeit von Aron Johannsson ist vorbei. Beim Bundesliga-Auftakt in München gab der US-Nationalspieler sein Pflichtspiel-Comeback, am Sonntag könnte er das erste Mal seit 357 Tagen wieder im Weser-Stadion auflaufen. WERDER.DE traf sich mit dem 25-Jährigen zum Interview, um über das Saisonfinale, die Länderspielpause und das Comeback zu reden.

WERDER.DE: Spielen ist ein gutes Stichwort. Nach deinem Comeback im Testspiel in Meppen, wurdest du beim Bundesliga-Auftakt in München ins kalte Wasser geworfen. Was ging dir durch den Kopf, als du in die Allianz Arena eingelaufen bist?

Aron Johannsson: „Ich war die ganze Woche voller Vorfreude und sehr aufgeregt. Erst als der Schiedsrichter angepfiffen hat, hat sich das gelegt. Nach so einer langen Zeit endlich wieder fit zu sein und spielen zu dürfen, war super. Ganz viele Freunde haben mich gefragt wie nervös ich war, dann ausgerechnet in der Allianz Arena gegen Bayern spielen zu müssen. Und ich kann sagen, dass es nach langer Zeit das erste Mal war, dass ich wirklich richtig nervös war und Schmetterlinge im Bauch hatte. Wenn man jede Woche spielt, wird es irgendwann normal. Aber wenn man so lange raus war, ist es etwas Besonderes.“

Gegen den FC Bayern gab Johannsson sein Bundesliga-Comeback (Foto: DFL).

WERDER.DE: Und am Sonntag könntest du das erste Mal seit fast einem Jahr wieder im Weser-Stadion spielen. Aufgeregt?

Aron Johannsson: „Ich bin vermutlich noch aufgeregter als vor dem Bayern-Spiel. Ich habe letzte Saison so viele Heimspiele gesehen, die Fans und die Stimmung hier sind unbeschreiblich. Deshalb glaube ich, dass die Nervosität auch am Sonntag extrem sein wird. Im Weser-Stadion einzulaufen, wäre großartig für mich.“

WERDER.DE: Du warst in den entscheidenden Wochen im Frühjahr ja nicht in Bremen. Wo hast du eigentlich die Spiele gegen Stuttgart und Frankfurt verfolgt? Und wie hast du die Stimmung wahrgenommen?

Aron Johannsson: „Zu Hause in Island. Und zu den Fans muss ich nicht viel sagen. Die sind einfach großartig. Es war toll mit anzusehen, dass die ganze Stadt zusammengerückt ist, als die Situation sehr schwierig war. Ich kann mich an die Bilder erinnern, als der Bus die Rampe heruntergefahren ist und mehrere Tausend Fans die Mannschaft angefeuert haben. Diese Unterstützung hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass wir weiterhin in der Bundesliga spielen.“

WERDER.DE: Und du warst vermutlich genauso nervös, wie wenn du selber spielen würdest?

Aron Johannsson: „Ich war noch nervöser. Für mich ist es schwieriger, das Spiel am Fernseher zu verfolgen. Da kann man keinen Einfluss nehmen, kann der Mannschaft nicht helfen. Dann ist es einfach nicht in deiner Hand. Das ist anders, wenn man selbst auf dem Platz steht. Deshalb war ich sehr angespannt.“

Lange Zeit ein gewohntes Bild: Aron Johansson beim individuellen Aufbautraining. (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Und was hast du gemacht, als Papy Djilobodji den Ball in der 86. Minute über die Linie gedrückt hat? 

Aron Johannsson: „Diese Frage solltest du mal meinen Freunden stellen, mit denen ich das Spiel geschaut habe. Ich habe vor Freude geschrien, bin minutenlang im Kreis gelaufen und war unglaublich glücklich. Es war ein hartes Jahr für mich und auch für den gesamten Verein. Und dann auf diese Weise in der Bundesliga zu bleiben, war unglaublich.“


WERDER.DE:
Blicken wir nochmal auf die Länderspielpause. Wie konntest du die Zeit für dich nutzen?

Aron Johannsson: „Ich war jeden Tag hier. Ich muss im Moment noch mehr auf eine gute Regeneration zwischen den Belastungen achten. Deshalb habe ich viel mit den Physiotherapeuten gearbeitet und trainiert, damit mein Körper fit ist für das intensive Training mit den Teamkollegen.“

WERDER.DE: Und im Testspiel gegen Emden fünf Tore erzielt und Selbstvertrauen getankt.

Aron Johannsson: „Das Wichtigste für mich war 90 Minuten zu spielen und ein gutes Gefühl im Hinblick auf meinen Körper zu haben. Aber für das Selbstvertrauen eines Stürmers ist es natürlich immer sehr wichtig, Tore zu schießen. Es war allerdings nur ein Freundschaftsspiel gegen eine unterklassige Mannschaft und mein Anspruch ist es, gegen solche Teams zu treffen. Jetzt hoffe ich, dass wir auch am Sonntag in der Bundesliga einige Tore schießen.“

 

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