Fordern und fördern

Saisonfazit von Christian Brand

Christian Brand übernahm im Februar die U 17 des SV Werder (Foto: Rospek).
Junioren
Freitag, 08.06.2018 // 12:12 Uhr

Das Interview führten Marcel Kuhnt und David Steinkuhl

Als Titelverteidiger startete Werders U 17 in die Saison 2017/2018, in der die Grün-Weißen erneut oben mitspielen sollten. Zwar hat es zum erneuten Meistertitel nicht gereicht, dennoch kann auf eine gute Spielzeit zurückgeblickt werden. „Für mich hat das gesamte Team in meiner kurzen Zeit als Trainer schon einen Sprung nach vorne gemacht“, sagt Trainer Christian Brand, der in der Rückrunde nach dem Aufrücken von Sven Hübscher den Trainerposten übernahm, gegenüber WERDER.DE.

WERDER.DE: Du hast die U 17 im Februar von Sven Hübscher übernommen. Mit welchen Ansprüchen und Erwartungen bist du an die Aufgabe herangegangen?

Christian Brand: „Wenn eine Mannschaft den Trainer in der laufenden Saison bekommt, muss man bei jungen Spielern erstmal sehen, dass man Ruhe ausstrahlt und sich langsam aneinander gewöhnt. Das war nicht ganz so einfach, weil die Rückrunde bereits lief. Mit dem 2:2 in Leipzig hatten wir aber gleich ein Erfolgserlebnis, was hilft. Mein Anspruch an die Jungs war, dass sie immer hoch motiviert sind und die Übungen, die wir im Training machen, konzentriert angehen. Für mich ging es darum, alle so schnell wie möglich kennenzulernen, die Stärken und Schwächen herauszufinden und an den Schwächen zu arbeiten sowie die Stärken zu fördern, damit ich sowohl den Einzelnen als auch das Team besser machen kann.“

Jubeltraube: Die U 17 erzielte 68 Tore in der abgelaufenen Saison (Foto: Rospek).

WERDER.DE: Malik Memisevic fällt aufgrund seiner Torquote als einer der wichtigsten Spieler des Teams auf. Haben auch noch andere besonders auf sich aufmerksam machen können?

Christian Brand: „Ja, es gibt viele spannende Jungs im Team, denen ich auch einiges zutraue. Aber letztendlich ist es von der U 17 immer noch ein weiter Weg bis zum großen Ziel, mal im Weser-Stadion auflaufen zu dürfen. Da ist vieles noch gar nicht vorhersehbar. Für mich hat das gesamte Team in meiner kurzen Zeit als Trainer schon einen Sprung nach vorne gemacht, beispielweise was das Spielverständnis angeht, aber auch in Sachen Teamgeist. Jetzt gilt es für die Älteren erstmal in der U 19 anzukommen und dann wird man sehen, wer es nach ganz oben schafft.“

WERDER.DE: An der Spitze der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost ging es lange sehr eng zu, die Spiele zwischen den ersten vier, fünf Teams waren oft knapp. Ist das eine Besonderheit, dass sich so viele Teams auf sehr hohem Niveau dort messen?

Christian Brand: „Für mich ist das Besondere, dass wir in der Spitzengruppe so lange mithalten konnten. Wenn man unsere Möglichkeiten mit denen in Leipzig oder Wolfsburg vergleicht und sieht, was für eine Qualität dort in der Breite vorzufinden ist, bin ich sehr zufrieden damit, wie unsere Saison gelaufen ist. Am Ende hatten wir zwar zehn Punkte Rückstand auf Meister Leipzig, aber in den direkten Duellen haben wir uns ordentlich geschlagen. Außerdem zählen in meine Augen Tabellen im Jugendfußball noch nicht ganz so viel. Was das Niveau angeht, ist auch bei den Topteams im technisch-taktischen Bereich noch Luft nach oben, aber das ist normal in dem Alter. Was mich freut, ist die Tatsache, dass wir viele kreative Spieler im Kader hatten, die nicht nur Fußball nach Schablone spielten.“

Die Altersstufen sind unterschiedlich, aber im Endeffekt geht es immer um Fußball.
Christian Brand

WERDER.DE: Ist die Kreativität ein Mittel, mit dem man Überraschungsmomente kreieren kann?

Christian Brand: „Klar, das Team hat sehr von seiner Spielfreude gelebt und dadurch viele Partien zu unseren Gunsten entschieden, aber auch dahingehend hat die Mannschaft noch viel Potenzial. Für mich ist aber noch entscheidender, dass jeder Spielertyp variabel einsetzbar ist. Im Profifußball wird es immer wichtiger, unterschiedliche Positionen spielen zu können. Da spielt auch die Kreativität eine Rolle, damit man, egal auf welcher Position man aufläuft, die richtigen Lösungen parat hat, um gut organisierte Gegnerteams knacken zu können. Ich habe versucht, so oft wie möglich flexibel spielen zu lassen, damit sich die Jungs auf neuen Positionen zurechtfinden, ohne das gesamte Konstrukt durcheinander zu bringen.“

WERDER.DE: In deiner Trainer-Laufbahn hast du lange Zeit im Juniorenbereich gearbeitet, aber auch schon einige Jahre mit Profiteams verbracht. Ist das ein großer Vorteil, jüngeren Spielern aus dem Bereich etwas mitgeben zu können?

Christian Brand: „Ja, sicherlich. Klar sind die Altersstufen unterschiedlich, aber im Endeffekt geht es immer um Fußball. Ich kann den Spielern Tipps geben, was es für Voraussetzungen braucht, um vielleicht eines Tages ganz oben anzukommen. Viele Dinge haben sich in den letzten zehn Jahren verändert: Das Spiel ist schneller geworden, taktische Feinheiten sind noch wichtiger. Wenn man so etwas im Seniorenbereich beobachten kann und die Spieler in den Jugendteams jetzt gezielt darauf vorbereitet, könnte sich das später auszahlen.“