"Das würde ich wirklich gerne behalten..."

Ishak Belfodil im Interview

Fühlt sich beim SV Werder und in Bremen pudelwohl: Ishak Belfodil (Foto: WERDER.DE).
Interview
Donnerstag, 22.03.2018 // 17:10 Uhr

Das Interview führte Niklas Behrend

Wer mit Ishak Belfodil ins Gespräch kommen möchte, der muss sich mit dem Algerier nur in seiner Lieblingslocation in Bremen treffen: dem Restaurant Tendüre. Rund um den markanten Lehmofen, bei orientalischen Spezialitäten und Musik, da fühlt sich Werders Doppeltorschütze vom vergangenen Wochenende wohl. Auf seiner Reise durch Europa hat Belfodil kulinarisch einiges kennengelernt. Und so hat WERDER.DE den 26-Jährigen beim Essen durch die Vergangenheit und seine ersten Monate in der Hansestadt begleitet, mit ihm über Freundschaft und Anpassung an neue Kulturen, Kochkünste innerhalb der Familie und uneingeschränkte Uneigennützigkeit gesprochen.

WERDER.DE: Bonjour, Ishak! Schön, dass wir uns heute hier treffen können. Es heißt, du bist öfter hier…

Ishak Belfodil: „Ich freue mich auch, dass wir heute hier zusammen essen. Es ist wirklich ein ganz tolles Restaurant mit sehr netten Menschen. Die Speisen sind sehr lecker und auch gesund. Es gibt hier gutes Fleisch mit viel Gemüse. Dazu ist mir diese Art von Küche natürlich auch aus meiner Heimat, speziell aus meiner Kindheit in Algerien bekannt.“

WERDER.DE: Du hast in Italien und Belgien gespielt, natürlich auch in Frankreich. Jetzt bist du in Deutschland. Was hat dir kulinarisch bisher am besten gefallen?“

Ishak Belfodil: „Frankreich hat natürlich ein ganz tolles gastronomisches Angebot, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre es die italienische Küche. Das muss ich zugeben.“

Ishak Belfodil probiert sich am Lehmofen der Tendüre in der Bremer Innenstadt (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Mit wem genießt du dein Essen am liebsten?

Ishak Belfodil: „Wenn ich es mir aussuchen kann, esse ich natürlich am liebsten mit Freunden und der Familie. Das ist gemeinsame Zeit, die man genießen kann. Man unterhält sich und lacht, das wird meistens ganz schön lebhaft (lacht).“

WERDER.DE: Das klingt unterhaltsam! Wer kocht eigentlich bei euch in der Familie?

Ishak Belfodil: „Meine Mama hat früher immer bei uns gekocht. Wir haben großes Glück mit ihr, sie ist eine fantastische Köchin. Wenn wir heute mit der Familie essen, kochen auch oft meine beiden Schwestern. Sie haben das Talent meiner Mutter geerbt. Ich halte mich da lieber raus. Ich glaube, ich würde nur stören (lacht).“

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WERDER.DE: Ist deine Familie mit dir hier oder wo lebt sie momentan?

Ishak Belfodil: „Meine Eltern und meine Geschwister leben in Paris. Meine Frau und mein Sohn waren nach meinem Wechsel im Sommer zunächst mit mir in Deutschland. Mein Sohn ist jetzt in einem Alter, in dem es Zeit für die Vorschule ist. Wir haben uns hier um einen Schulplatz bemüht, das hat allerdings leider nicht geklappt. Deswegen mussten meine Frau und ich die schwierige Entscheidung treffen, dass sie wieder zurück nach Frankreich gehen, damit mein Sohn die Schule besuchen kann. Sobald ich hier ein paar Tage frei habe, fahre ich nach Paris, um meine Familie zu sehen. Wenn es die Zeit zulässt, besuchen meine Frau und mein Sohn mich auch hier in Bremen.“

WERDER.DE: Was unternimmst du als Papa am liebsten mit deinem Sohn? Ich tippe mal auf eine Runde Kicken…

Ishak Belfodil: „Manchmal spielen wir tatsächlich Fußball. Ansonsten ist er gerade in der Phase, wo er sehr gerne tobt. Gerne ‚benutzt‘ er mich und klettert auf mir herum. Zuletzt hatten wir immer mal wieder ein paar Tage frei, deswegen konnte ich ihn oft sehen. Das war toll. In diesen Augenblicken fühlt es sich gar nicht so an, als hätten wir uns lange nicht gesehen.“

Dass sie mich suchen, ist ein Zeichen von Vertrauen.
Ishak Belfodil

WERDER.DE: Lass uns über dich reden. Du wirkst eher ruhig und introvertiert. Täuscht das? Wie würden deine Freunde dich beschreiben?

Ishak Belfodil (lacht): „Das täuscht! Ich glaube, sie würden sagen, dass sie mit mir immer Spaß haben können. Ich lache wirklich viel und gerne. Manchmal muss ich eher darauf achten, dass ich nicht zu viel und zu laut lache. Ich glaube meine Freunde würden sagen, ich bin ein lustiger Spaßvogel.“

WERDER.DE: Auf wen deiner Mannschaftskollegen trifft das Wort ‚Freund‘ am besten zu?

Ishak Belfodil: „Am meisten Zeit verbringe ich mit Milos Veljkovic. Er spricht französisch, genau wie Ulisses Garcia, Lamine Sané und Izet Hajrovic, die mich am Anfang sehr herzlich aufgenommen haben. Auch mit Luca Caldirola konnte ich direkt ein wenig italienisch sprechen. Ich muss allerdings sagen, dass ich wirklich alle meine Mannschaftskollegen sehr mag und mit allen auf einer Wellenlänge liege. Ich fühle mich pudelwohl in diesem Team.“

"The white Ishark" war zu Gast bei WERDER.TV-Inside. Jetzt anschauen! (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du unternimmst einiges mit deinen Mannschaftskollegen. Wir erinnern uns da an ein Instagram-Video, in dem du bei Robert Bauer zuhause den für Cristiano Ronaldo typischen Jubel imitierst. Das musst du uns erläutern…

Ishak Belfodil: „Das ist eine witzige Geschichte. Wir haben bei Robert Fußball geschaut, Paris St. Germain gegen Real Madrid. Milos hat die ganze Zeit gesagt: ‚Real spielt doch schlecht, das wird heute nichts.‘ Ich mag Paris zwar auch sehr gerne, aber ich bin ein Real-Fan und habe erwidert: ‚Pass auf Milos, gleich kommt Cristiano und macht ein Tor.‘ Und so kam es. Ich war glücklich und habe nur gebrüllt ‚Ich wusste es doch, ich wusste es!‘ Robert hat dieses Video gemacht, davon habe ich aber gar nichts mitbekommen.“

WERDER.DE: Abgesehen vom gemeinsamen Fußballschauen. Womit vertreibst du dir gemeinsam mit deinen Mannschaftskollegen die Zeit?

Ishak Belfodil: „Wenn Milos Freundin nicht da ist und ich auch alleine bin, spielen wir viele Stunden FIFA an der PlayStation. Mir tun dann manchmal schon die Augen weh, aber es macht großen Spaß.“

WERDER.DE: Und du spielst dann mit?

Ishak Belfodil: „Meistens mit Real Madrid und Milos mit Manchester United. Manchmal spielen wir auch mit unseren Nationalteams.“

WERDER.DE: Ich nehme an, du sagst uns als nächstes, dass du meistens gegen Milos gewinnst?!

Ishak Belfodil (schmunzelt): „Wir sind auf Augenhöhe, die Chancen stehen 50:50. Wenn er das Interview liest und ich jetzt sage, ich gewinne meistens, dann wird er sagen: ‚Du lügst, Ishak!‘. Das geht nicht.“

In Augsburg erzielte Ishak Belfodil seinen ersten Doppelpack für den SV Werder (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wie du betont hast, fühlst du dich sehr wohl bei Werder, du hast dich gut ins Team integriert und diesen Prozess bei einigen Vereine hinter dir. Hast du für die schnelle Integration eine spezielle Technik?

Ishak Belfodil: „Meine ‚Technik‘, wie du es nennst, ist einfach, ich selbst zu sein. Damit bin ich bisher am besten gefahren. Dazu gehört, dass ich den Leuten mit Respekt begegne, mit sehr viel Respekt. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass man schüchtern sein soll. Für mich heißt das vielmehr, mich den Leuten ein stückweit anzupassen. Schließlich bin ich ja der ‚Neue‘ und kann nicht erwarten, dass sich die neuen Kollegen an mich anpassen. Nein, das ist meine Aufgabe und so klappt das sehr gut. Außerdem glaube ich, dass ich für meine Mannschaftskollegen ein guter Freund sein kann, mit dem man gerne Zeit verbringt.“

WERDER.DE: Kommen wir zum Abschluss auf das Sportliche zu sprechen. Du sagst in Interviews immer, deine Tore wären ein Erfolg der ganzen Mannschaft und bist überaus bescheiden. Hand aufs Herz: Beim Doppelpack gegen Augsburg dachtest du da nicht auch mal kurz: ‚Wow, es läuft verdammt gut bei mir‘?

Ishak Belfodil: „Nein, das ist für mich ganz ehrlich immer eine komplette Mannschaftsleistung. Ich sage es mal so: Wenn der Tag kommt, an dem ich alle elf Gegenspieler ausdribble und dann ein Tor erziele, werde ich sagen: ‚Geil, das war mein Tor.‘ Aber das wird nie passieren. Die Mannschaftskameraden bereiten dein Tor immer vor, ob durch ihre Pässe oder gewonnenen Zweikämpfe. Ich freue mich, wenn meine Mitspieler mich in Szene setzen. Dass sie mich suchen, ist ein Zeichen von Vertrauen. Darüber freue ich mich nach einem Tor, nicht darüber, dass ich es erzielt habe.“

WERDER.DE: Du bist ‚nur‘ von Standard Lüttich ausgeliehen. Keiner kann derzeit fix sagen, wie es im Sommer mit dir weitergeht. Was wären Gründe für dich, hier an der Weser zu bleiben?

Ishak Belfodil: „Da gibt es einige. Ich fühle mich, wie ich schon sagte, sehr wohl in der Mannschaft. Ich mag unser Stadion und die Fans. Das würde ich wirklich gerne behalten. Außerdem gefällt mir die Bundesliga total. Ich spiele sehr gerne in dieser Liga mit den vielen großen Stadien und starken Mannschaften. Eigentlich fühle ich mich hier von Tag zu Tag wohler.“

WERDER.DE: Merci, Ishak!

Ishak Belfodil: „Merci.“

 

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