"Ein gutes Zeichen..."

Claudio Pizarro im Interview

Claudio Pizarro hat trotz harter Einheiten und schwerer Beine immer ein Lächeln parat (Foto: WERDER.DE).
Profis
Mittwoch, 13.01.2016 // 17:38 Uhr

Das Interview führte Dominik Kupilas

Es ging ein Ruck durch Werder und ganz Bremen, als Claudio Pizarro im September das Arbeitspapier seiner dritten Amtszeit bei den Grün-Weißen unterzeichnete. Es folgte eine riesige Euphorie, die aufgrund ausbleibender Erfolgserlebnisse im Verlauf der Hinrunde teilweise der Ernüchterung wich. In der laufenden Wintervorbereitung stellen Pizarro und Co. nun die Uhren auf Null. Es wird intensiv an einer erfolgreicheren zweiten Halbserie gerarbeitet. 

WERDER.DE traf sich am Rande des Trainingslagers im türkischen Belek mit dem besten ausländischen Torjäger der Bundesliga-Historie um über Rückkehr, Trainingsalltag und die Zutaten für eine bessere Rückserie zu sprechen.

WERDER.DE: Die Trainingseinheiten der letzten Tage waren intensiv. Wie schwer sind die Beine?

Claudio Pizarro: „Sehr schwer. Aber das ist ein gutes Zeichen, denn das bedeutet, dass wir uns hier intensiv vorbereiten und fit sein werden für das erste Spiel sowie die gesamte Rückrunde."

WERDER.DE: Kannst du uns einen Einblick in den Trainingsalltag geben: Woran arbeitet ihr hier in Belek?

Claudio Pizarro: „Wir arbeiten vor allem im physischen Bereich, also an der Fitness. Das machen wir sehr viel. Aber wir üben auch taktische Dinge ein und machen kleine Spielformen. Also von allem etwas."

Claudio Pizarro ist bisher sehr zufrieden mit dem Trainingslager in Belek (Foto: nph).

WERDER.DE: Du bist seit fast 20 Jahren Fußball-Profi. Gibt es da eigentlich noch Übungen, die du in deiner Karriere noch nicht gemacht hast?

Claudio Pizarro: „Nein. Für mich gibt es nichts Neues mehr, ich kenne schon alles (lacht)."

WERDER.DE: Als du im Spätsommer zu Werder kamst, hattest du konditionelle Rückstände. Zum Ende der Hinrunde lief es bei dir dann immer besser. Wie wichtig ist diese Vorbereitung für dich?

Claudio Pizarro: „Sehr wichtig. Jetzt bin ich auf einem guten Weg, meine Fitness auf hunder Prozent zu bringen. Wir haben sehr gut und sehr intensiv gearbeitet."

WERDER.DE: Wie fällt dein Fazit kurz vor dem Ende der Zeit hier in Belek aus?

Claudio Pizarro: „Sehr positiv. Alle haben schwere Beine und fühlen sich müde, aber wir haben sehr gut gearbeitet. Nach der Rückkehr haben wir noch eine Woche Zeit in Bremen, um dann top vorbereitet und mit einer guten Form in die Rückrunde zu starten."

WERDER.DE: Lass uns zeitlich einige Monate zurückgehen: Die Euphorie rund um deine Rückkehr zu Werder war riesig. Hast du die Winterpause genutzt, um die Eindrücke sacken zu lassen?

Claudio Pizarro: „Das war kein Thema. Ich habe die Pause genutzt, um abzuschalten und mich zu erholen. Jetzt bin ich wieder da, kann richtig trainieren und wieder Vollgas geben."

Jetzt bin ich auf einem guten Weg, meine Fitness auf hunder Prozent zu bringen.
Claudio Pizarro

WERDER.DE: Wo wir gerade über die Euphorie sprechen - wie hat eigentlich deine Familie, speziell deine Kinder, reagiert, als klar war, dass es zurück nach Bremen geht?

Claudio Pizarro: „Die Entscheidung für eine Rückkehr zu Werder ist auch wegen meiner Kinder so ausgefallen. Die haben sich in Bremen immer sehr wohlgefühlt, haben hier viele Freunde. Einer meiner Söhne wollte damals sogar in Bremen wohnen bleiben. Und meine Tochter hat gesagt, sie möchte lieber nach Bremen gehen, als nach London, woher ich auch ein Angebot hatte. Da war die Entscheidung schnell gefallen (lacht)."

WERDER.DE: Nach deinen ersten Einheiten an der Weser hast du mir gesagt, dass Fans am Trainingsplatz standen, die du auch schon bei deinen beiden Werder-Stationen zuvor gesehen hast. Erzähl mal!

Claudio Pizarro: „Das stimmt. Das ist etwas, das hat mir gut getan. Es ist sehr schön, wenn du Leute siehst, die vorher klein waren und plötzlich erwachsen sind. Es gibt beispielsweise auch Spieler, die haben damals in der U 15 oder U 17 gespielt und jetzt trainieren die mit uns. Das ist sehr schön."

WERDER.DE: Gibt es sonst Dinge, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Oder eben solche, die seit 1999 fast gleich geblieben sind?

Claudio Pizarro: „Die Leute haben sich verändert. Es ist über fünfzehn Jahre her seit meiner ersten Zeit hier. Ich habe viele Leute wieder gesehen, die habe ich auf den ersten Blick gar nicht mehr erkannt. Erst als sie mir dann ein bisschen erzählt haben, fiel mir wieder ein, wer das ist. Das ist sehr schön, wenn du solche Leute triffst - egal ob im Training oder in der Stadt. Das ist etwas Besonderes für mich."

WERDER.DE: Wir kommen nicht drumherum auch über das Sportliche zu sprechen. Hättest du gedacht, dass es eine so schwere Hinrunde wird?

Claudio Pizarro: „Ich habe wirklich nicht gedacht, dass es so schwierig wird. Aber Fußball ist sehr dynamisch, da wechselt alles sehr schnell. Es ist wichtig, dass man dafür bereit ist. Jetzt sind wir in einer schwierigen Phase, aber das Gute ist, dass wir noch viel Zeit haben, das zu ändern und uns zu verbessern. Das ist die Idee, die wir haben: verbessern und rauskommen aus der Situation!" 

"Piza" beim Spaß-Training in Belek (Foto: nph).

WERDER.DE: Was genau muss sich denn in der Rückrunde verbessern?

Claudio Pizarro: „Wir haben im Laufe der Hinrunde das Selbstvertrauen verloren und viele Punkte liegen gelassen - vor allem zu Hause. Und das sind Punkte, die man einfach einfahren muss in der Bundesliga. Das müssen wir ändern! Es ist sehr wichtig, dass wir im Weser-Stadion zu alter Stärke finden. Und auswärts auch ein paar Punkte holen. Das war in der Hinrunde anders..."

WERDER.DE: Welche Rolle nimmst du dabei ein? Wie willst du helfen?

Claudio Pizarro: „Es gibt viele Fakten, die besser werden müssen. Ich werde Verantwortung übernehmen, vorweg gehen und als Ansprechpartner da sein. Mit meiner Erfahrung und mit dem, was ich in letzter Zeit gesehen habe, kann ich helfen."

WERDER.DE: Apropos Verantwortung. Dass du der erste Elfmeterschütze bist, zählt auch dazu, oder?

Claudio Pizarro: „Das ist sicher auch ein kleiner Teil davon. Ich sollte schon im letzten Testspiel antreten, aber ich habe gesehen, dass Clemens viel Selbstvertrauen hatte und schießen wollte. Da habe ich ihn gelassen. Leider hat er verschossen. Beim nächsten Mal bin ich dran."

WERDER.DE: Hast du dir eigentlich ein persönliches Ziel gesteckt für die kommenden Spiele?

Claudio Pizarro: „Wenn ich drei, vier Tore mache, kann ich in die Top fünf der besten Bundesliga-Torschützen aller Zeiten kommen. Wenn das möglich ist, möchte ich das natürlich gerne erreichen. Für mich, aber auch, weil ich mit meinen Toren gleichzeitig immer der Mannschaft helfe."