Eiskalter Verwerter

Daumen hoch für die Teamkollegen: Max Kruse, Matchwinner in Ingolstadt (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 23.04.2017 // 10:29 Uhr

Von Yannik Cischinsky und León Küther

Was ist nur los mit Max Kruse? Es war die häufigste Frage, die im Anschluss an Werders späten 4:2-Erfolg durch die Katakomben des Ingolstädter Audi-Sportparks waberte. Mit vier Treffern hatte der 29-Jährige quasi im Alleingang eine über weite Strecken unrunde Partie der Grün-Weißen gedreht. Aus einem 1:2 machte Kruse mit seinen Saisontoren zehn bis 13 in der Schlussviertelstunde noch ein 4:2. Alleine siebenmal traf Werders Topscorer damit in den letzten fünf Partien, vier Assists steuerte er in diesem Zeitraum ebenfalls bei. Was ist nur los mit Max Kruse?

Der Matchwinner selbst antwortete darauf mit einem breiten Grinsen – und einem Kompliment an die Teamkollegen. „Ich glaube, das ist das Ergebnis harter und kontinuierlicher Arbeit aller und nichts anderes. Ich gewinne keine Spiele alleine, das geht nur als Mannschaft, da gehören elf, inklusive der Einwechselspieler 14, Spieler dazu. Das Team hilft mir, meine Leistung abrufen zu können“, so Kruse. Ein stückweit mag sich das als guter Stil gehören, vielmehr aber war dem 'Spieler des Spiels' anzumerken, dass es die ehrlich gemeinte Anerkennung für eine sensationelle Willensleistung aller Werderaner auf dem Platz war. Die Elf von Alexander Nouri hatte trotz zweifachen Rückstands nie aufgegeben, am Ende alles nach vorne geworfen und sich die zehnten Erfolg hintereinander verdient erkämpft.

Das Elfmetertor zum 1:1 kurz vor der Pause war nur der Anfang der 'Kruse-Gala' (Foto: norphoto).

Am Ende war Teamplayer Kruse nur das strahlende Gesicht des vorläufigen Höhepunkts der Werder-Serie, ein eiskalter Verwerter. Dem sicher verwandelten Elfmeter folgte ein mit Instinkt eingenetzter Abstauber, ein sehenswerter Schlenzer und als leichteste Übung – per Rechtsschuss – der Treffer zum Endstand ins verwaiste Tor der Hausherren. Vier Tore aus sechs Torschüssen, eine überragende Quote. Viele Worte bedurfte es deshalb nicht. Über die Qualität Kruses brauche „man ja gar nicht reden“, so der einhellige Tenor unter den Mitspielern. "Wir haben es schon oft genug gesagt: Er ist in einer herausragenden Verfassung und trifft, wie er will. Ich glaube, er bekommt bald einen Anruf", deutete Robert Bauer mit einem Grinsen an, worüber sich viele der Grün-Weißen freuten.

Nicht zuletzt durch seine starke Leistung in Ingolstadt dürfte 'Vierfach-Kruse' wieder in den Fokus des Bundestrainers gerückt sein. „Max liefert Woche für Woche viele Argumente. Am Ende muss der Bundestrainer entscheiden. Wenn er berufen wird, würde ich mich für ihn sehr freuen“, sagte Werder-Coach Alexander Nouri über seinen ehrgeizigen Stürmer, der bis dato 14 Mal im Trikot der deutschen Nationalelf auflief. „Max hat es selbst als großes Ziel ausgegeben, dort wieder spielen zu können, aber der Bundestrainer hat sehr viel Auswahl im Offensivbereich und weiß am besten, was er tut", formulierte Geschäftsführer Sport, Frank Baumann.

Protagonist Kruse blieb bescheiden. Auch auf die Frage nach der Nationalmannschaft, die zweithäufigste am Samstagabend, antwortete er mit einem Schmunzeln: „Das liegt nicht in meiner Hand. Für mich ist wichtig, dass ich von Woche zu Woche meine Leistung bringe und weiter hart arbeite. Wenn der Bundestrainer anrufen sollte, würde ich mich natürlich freuen!"