Vier auf einen Streich! SVW gewinnt dank Kruse

Hart erkämpfter 4:2-Auswärtssieg beim FC Ingolstadt

Max Kruse, hier beim Jubel mit Florian Kainz, sorgte mit einem Viererpack für Werders Auswärtssieg in Ingolstadt (Foto: Nordphoto).
Profis
Samstag, 22.04.2017 // 17:26 Uhr

von Maximilian Hendel

Werder Bremen setzt seine beeindruckende Serie auch am 30. Spieltag fort. Dank eines Viererpacks von Max Kruse behielten die Grün-Weißen beim schwer erkämpften 4:2 (1:1)-Auswärtssieg nach zweifachem Rückstand gegen den FC Ingolstadt die Oberhand und blieben damit zum zehnten Mal in Folge ungeschlagen. FCI-Angreifer Dario Lezcano hatte die Gastgeber zunächst in Führung gebracht (32.), ehe Kruse mit einem souverän verwandelten Foulelfmeter (45.+1) das Ergebnis nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit seines Teams egalisierte. Im Zuge einer denkwürdigen Schlussoffensive drehte Werders Angreifer nach Pascal Groß’ zwischenzeitlich abermaligem Führungstor der Gastgeber (62., FE) im Alleingang die Partie zugunsten des SVW und markierte dabei einen Hattrick obendrauf (81., 87., 90.+4). Die Bremer haben nunmehr 42 Punkte auf ihr Konto gebracht und sich damit mehr denn je in der oberen Tabellenhälfte festgebissen.

Aufstellung und Formation: Zwei personelle Änderungen nahm Cheftrainer Alexander Nouri in einem taktisch variablen 3-1-4-2-System vor. Zlatko Junuzovic musste eine Gelbsperre absitzen, wodurch mit Florian Kainz der Siegtorschütze des jüngsten Nordderbys vom vergangenen Sonntag gegen den HSV in die erste Elf rückte. Es war der erste Bundesligaeinsatz von Beginn an für den Österreicher. Junuzovic’ Kapitänsbinde übernahm wie schon vor drei Wochen in Freiburg Innenverteidiger Niklas Moisander aus der Dreierkette. Zudem laborierte Linksverteidiger Santiago Garcia noch an einer Nackenprellung, er wurde auf der Außenbahn positionsgetreu vom ehemaligen Ingolstädter Robert Bauer ersetzt.

SVW nicht gut im Spiel, trotzdem gelingt der Ausgleich

Hartes Stück Arbeit: Lamine Sané behält im Duell mit FCI-Kapitän Roger die Oberhand (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

10. Min.: In einer aktuell ausgeglichenen Partie, in der Werder zwar Ballbesitzhoheit besitzt, kommen aber die Gastgeber zur ersten Chance. Nach einem riskanten Rückpass von Kainz stört der FCI energisch nahe der Bremer Strafraumgrenze – dadurch kommt Groß an den Ball, legt noch quer für den heraneilenden Cohen, dessen abgefälschter Schuss aus knapp 16 Metern ist tückisch, aber Wiedwald hat die Ecke rechtzeitig geahnt.

20. Min.: Zum ersten Mal wird es im Strafraum der Schanzer richtig gefährlich, weil Bartels und Kruse gut ins Zusammenspiel kommen, Kruse es dann über halblinks mit einer scharfen Eingabe an den Fünfmeterraum probiert, wo Gebre Selassie im letzten Moment durch eine gewagte, aber faire Grätsche von Gegenspieler Leckie am Abstauber gehindert wird.

22. Min.: Wie erwartet, wird es bei Standards des FCI brenzlig. Groß zirkelt eine Ecke punktgenau auf Tisserand, der höher springt als Veljkovic und mit einem gut platzierten Kopfballaufsetzer Wiedwald zu dessen zweiter Parade zwingt.

32. Min.: TOR, 1:0 für den FCI, Dario Lezcano. Das ging viel zu einfach! Ein Hüftwackler im Zweikampf mit Grillitsch genügt Tisserand, um sich nahe der Mittellinie genügend Freiraum zu verschaffen – den nutzt der Verteidiger zu einem völlig unbedrängten Diagonalball auf Lezcano, der ebenso zu viel Platz in Sanés Rücken bekommt, den Ball mit der Brust gut verarbeitet und folgend zielgenau im linken Eck unterbringt.

40. Min.: Auch wenn Torschütze Lezcano diesmal einen Torschuss nahe der Strafraumgrenze deutlich daneben setzt, Ingolstadt ist weiterhin das eindeutig bestimmende Team.

44. Min.: ELFMETER FÜR DEN SVW! Kruse initiiert einen Konter, den Kainz gedankenschnell auf den in den Strafraum gestarteten Bartels weiterleitet, der beim versuchten Abschluss von Tisserand klar von den Beinen geholt wird.

45. + 1 Min.: TOOOOOOOOOOR, 1:1-Ausgleich, Max Kruse. Vollkommen abgebrüht verlädt Werders Angreifer FCI-Keeper Hansen und schiebt aus Sicht des Schützen links unten ein.

45. + 2 Min.: Halbzeitpfiff von Schiri Markus Schmidt. Werder war nicht gut im Spiel, trotzdem gelingt noch rechtzeitig der Ausgleich.

Immer wieder Kruse – Werder dreht die Partie

Nach Pascal Groß' verwandeltem Elfmeter war der FCI obenauf, aber Werder sollte noch einmal aufdrehen (Foto: Nordphoto).

55. Min.: Wie schon beim Ausgleich geht es auch diesmal fix im offensiven Dreieck zwischen Kainz, Kruse und Bartels – die Ingolstädter können nicht folgen, Bartels dringt über halblinks in den FCI-Strafraum ein, verzieht seinen Innenspannstoß aus gut 12 Metern jedoch rechts vorbei. Richtig gute Möglichkeit der Grün-Weißen!

58. Min.: Hadergjonaj luchst Bauer unter Mithilfe von Pascal Groß den Ball nahe der rechten Eckfahne ab, dribbelt umgehend zur Grundlinie, spielt in den Rückraum, von wo aus Cohen den Abschluss versucht, doch knapp rechts verfehlt.

60. Min.: Ingolstadt bleibt dran. Lezcano schnibbelt aus dem rechten Halbraum in den Strafraum, wohin sich wiederum Cohen freigelaufen hatte, aber keine Genauigkeit in seinen Kopfball bekommt.

61. Min.: ELFMETER FÜR DEN FCI! Krasse Fehlentscheidung von Schmidt, weil Cohen im Strafraumduell mit Moisander ohne Berührung zu Boden sinkt und den Strafstoß provoziert.

62. Min.: TOR, 2:1 für den FCI, Pascal Groß. Wiedwald hat die richtige Ecke geahnt, ist mit den Fingerspitzen an Groß’ Abschluss ins linke Eck, aber der Ball ist zu genau platziert.

75. Min.: Mindestens eine Viertelstunde bleibt den Grün-Weißen hier noch, den zweiten Rückstand dieses Nachmittages auszumerzen. Auch die vor einigen Minuten gebrachten Claudio Pizarro und Serge Gnabry sollen möglichst dazu beitragen.

81. Min.: TOOOOOOOOOOOR, 2:2 für den SVW, Max Kruse. Werder ist wieder da! FCI-Keeper Hansen und sein Innenverteidiger Tisserand behindern sich gegenseitig bei einem hohen Ball von Moisander, Hansen faustet die Kugel daraufhin direkt vor der Füße von Kruse, der sich nicht zwei Mal bitten lässt und das Ergebnis aus gut 13 Metern erneut egalisiert.

87. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOR, 3:2 für den SVW, Max Kruse. Die Grün-Weißen haben das Spiel doch noch komplett gedreht! Kainz treibt mit einem tollem Dribbling den Ball bis weit in die Ingolstädter Spielhälfte voran, öffnet dann mit einem punktgenauen Querpass das Feld für Kruse, der sich den Ball erst mit einem Kontakt aus der Drehung vorlegt, um diesen dann aus 16 Metern unhaltbar ins lange Eck zu vollenden.

90. + 4 Min.: TOOOOOOOOOOOOOR, 4:2 für den SVW, Max Kruse. WAHNSINN! Kruse macht im Konter mit seinem vierten Tor des Tages endgültig den Deckel drauf. Hansen war bei einem Eckball nach vorne geeilt, Wiedwald fängt ab, schickt Bartels auf die Reise, der im richtigen Moment den mitgelaufenen Kruse bedient, worauf dieser nur noch ins leere Tor schieben muss.

90. + 4 Min.: ABPFIFF! Werder nimmt auch in Ingolstadt alle Punkte mit.


Fazit:
Die Bremer Offensive tat sich gegen eine äußerst stabile Formation der Gastgeber über weite Strecken der Partie sichtbar schwer. In der eigenen Defensive bekamen es die Grün-Weißen derweil wie erwartet mit ebenso kampfstarken, schnörkellosen ‚Schanzern’ zu tun, die sich äußerst energisch präsentierten, immer wieder früh störten und auf diese Weise die Gäste in deren Spielhälfte ordentlich beschäftigten. Folgenschwer wurde es, als in der Entstehung des Rückstandes kein Bremer weder Vorbereiter Tisserand noch Torschütze Lezcano in Bredouille brachte. Dennoch reichte ein gedankenschnell und konstruktiv vorgetragener Konterangriff des SVW, der zum Elfmeter führen sollte, damit sich jene im ersten Durchgang äußerst ausbaufähige Leistung zumindest nicht negativ im Zwischenergebnis niederschlug. Das änderte sich durch Groß’ Strafstoßtor nach gut einer Stunde jedoch wieder, weil Schiri Schmidt zuvor auf Cohens allzu dreiste Schwalbe hereingefallen war. Alexander Nouri reagierte nachvollziehbar mit den Einwechslungen von Pizarro und Gnabry für Grillitsch und Veljkovic sowie der damit vollzogenen Auflösung der defensiven Dreierkette. Auch wenn der FCI bis dato offensiv durchschlagskräftiger war, sollte sich dieser Mut zum Risiko in einem denkwürdigen Schlussakkord noch vollends auszahlen – nicht zuletzt dank eines unfassbar grandiosen Max Kruse!