Abwehrschlacht: Team löst Versprechen ein

Unterschiedliches Empfinden zum Spielschluss: Stuttgarts Kirschbaum ist enttäuscht, während sich Nils Petersen froh über den Punktgewinn zeigt (Foto: Getty).
Profis
Samstag, 05.10.2013 // 20:48 Uhr

Es dauerte einige Minuten bis die Werder-Profis nach Spielende in Stuttgart vom Feld kamen. Völlig abgekämpft hatten viele den Schlusspfiff als Belohnung ersehnt und sich erstmal auf den Rasen fallen lassen um durchzuschnaufen ...

Es dauerte einige Minuten, bis die Werder-Profis nach Spielende in Stuttgart vom Feld kamen. Völlig abgekämpft hatten viele den Schlusspfiff als Belohnung ersehnt und sich erstmal auf den Rasen fallen lassen, um durchzuschnaufen.

Sie hatten gegen einen bärenstarken VfB Stuttgart alles gegeben. Mit ihrer Leistung hatten sie ihr Versprechen beim Cheftrainer eingelöst. Der verriet anschließend: „Das Team hat Wort gehalten. Wir haben uns geschworen, dass wir genau mit dieser Leidenschaft, mit dieser Mentalität auf dem Platz reagieren wollen, wenn wir merken, dass wir uns spielerisch schwertun und nicht weiterkommen."

Robin Dutt wusste richtig einzuschätzen, dass an diesem Tag nach vorne nicht viel lief. Von der Defensivarbeit seines Teams war er aber sehr angetan. „Wir haben heute schon anders verteidigt als noch vor Wochen. Da ist die Entwicklung zu sehen. Wir haben im Zentrum dicht gemacht und den Druck der Stuttgarter nach außen verlagert. Sie mussten über die Flügel mit Flanken kommen und die haben wir sehr gut verteidigt. Richtig gefährlich wurde es eigentlich immer nur, wenn die Außen überspielt wurden und die Angreifer auf die Grundlinie kamen. Dann hatten wir auch etwas Glück. Der Fußballgott war auf unserer Seite. Aber das is er nur, wenn du dir das mit Leistung verdienst."

Von der Defensive war auch Thomas Eichin angetan: „In der letzten halben Stunde hat Stuttgart richtig aufgedreht. Aber wir standen im Zentrum gut, und was ich beeinruckend fand, war die Sicherheit bei den gegnerischen Standards. Da kamen ja 13 Eckbälle zusammen, die der Maxim ordentlich reinknallt. Eigentlich ist es tödlich, gegen den VfB Stuttgart so viele Standards zuzulassen. Aber wir haben uns gut gehalten. Die Innenverteidiger haben das gut gemacht, auch ein Felix Kroos. Bei Elia sieht man, wie er sich defensiv weiterentwickelt hat. Wieviele Zweikämpfe er an der Seitenlinie gewonnen hat. Das gefällt mir richtig gut. Nicht zuletzt Aaron hat seinen Anteil - welches Pensum der abliefert, wieviele Kilometer der wegrennt. Da muss man dann auch mal verstehen, wenn der letzte Pass bei Puls 200 nicht ankommt. Alles in allem waren wir bis zur 92. Minute konzentriert und haben uns richtig dagegen gestemmt."

Weitere Stimmen aus der Mixed Zone:

Zur Abwehrschlacht

Zlatko Junuzovic: „Wir haben gemerkt, dass wir nach vorne nichts herausholen und uns dann auf die Defensive konzentriert. Wir wollten in der zweiten Hälfte genauso weiterspielen wie im ersten Durchgang. Ich hatte dann schon ein bisschen Bammel, weil ich registriert habe, dass wir den Gegner nicht mehr so unter Druck setzen können und er sich besser entfalten kann. Was wir heute hinten geleistet haben, war schon enorm."

Clemens Fritz: „Das war heute sehr, sehr intensiv für uns alle. Es wurden viele lange Bälle gespielt und wir mussten weite Wege gehen, weswegen wir am Ende auch ein bisschen müde waren. Trotzdem haben wir konzentriert verteidigt. Wir haben uns den Punkt hart erarbeitet, weil Stuttgart einen guten Tag erwischt hat und richtig gut nach vorne gespielt hat."

Nils Petersen: „Das war ein hartes Spiel. Wenn man nach so einem Spiel nicht kaputt ist, dann hat man etwas falsch gemacht."

Sebastian Mielitz: „Die ganze Mannschaft hat den Punkt gerettet. Stuttgart war spielerisch sehr stark, aber wir haben uns den Zähler hart erarbeitet. Am Ende war es schwer, weil wir uns den Schneid zu sehr abkaufen ließen."

Thomas Eichin: „Obwohl wir so tief standen, hatte ich auch immer noch die Hoffnung, dass wir unsere Aktionen nach vorne bekommen. So eine Druckphase ist für eine Heimmannschaft auch nicht ganz ungefährlich. Mit unseren schnellen Spielern hätte auch der entscheidende Konter in die andere Richtung gehen können. Aber am Ende bin ich schon mit dem Punkt zufrieden."


Punktverlust oder Punktgewinn?

Nils Petersen: „Heute sind wir die Glücklichen. Letzte Woche waren es die Nürnberger. Heute waren wir mal dran, einen Punkt zu ergaunern. Wir nehmen den Punkt sehr gerne mit. Hier haben in dieser Saison noch nicht viele Klubs Punkte geholt. Dieser Punkt ist auch deshalb so wertvoll, weil die Stuttgarter eine sehr gute Phase haben, zuletzt zehn Punkte aus vier Spielen sammelten."

Robin Dutt: „Ich bin zufrieden mit dem Punkt. Der VfB war die spielbestimmende Mannschaft, aber wir haben uns reingehauen, gekämpft."


Zur Entwicklung des Teams und den Tabellenstand

Robin Dutt: „Dieser Punkt war wichtig. Jetzt können wir in der Länderspielpause in Ruhe arbeiten. Die Tabelle sieht ganz ordentlich aus. Der Stand der Entwicklung ist okay, wir sind auf jeden Fall weiter, als viele uns das vor der Saison prognostiziert hatten. Ich hatte ja vom zarten Pflänzchen gesprochen, dass wir gepflanzt haben. Die Stuttgarter haben heute alles gegeben, dieses Pflänzchen rauszureißen. Das haben wir nicht zugelassen. Jetzt kann es in der Länderspielpause weiter gedeihen. "

Clemens Fritz: „Es war einer der vielen kleinen Schritte nach vorne, die wir uns vorgenommen haben. Wir sollten uns freuen und glücklich nach Hause fahren."

Nils Petersen: „Die Tendenz bleibt freundlich. Wir sind jetzt seit drei Spielen ungeschlagen, haben 11 Punkte auf dem Konto. Das ist erstmal ganz okay. Wenn wir so weitermachen, sind wir auf einem guten Weg, dass wir mit dem unteren Drittel der Tabelle nichts zu tun bekommen. Jeder Punkt gibt Selbstvertrauen, auch wenn wir über Kampfgeist zum Erfolg kommen müssen. Aber wenn wir konstant punkten, dann werden wir auch wieder dahin kommen, wieder spielerisch Akzente zu setzen."

Thomas Eichin: „Das war ein Big Point für uns, der uns in Ruhe weiterarbeiten lässt. Wir stehen in der Tabelle dort, wo wir uns in dieser Phase der Entwicklung auch sehen. Jetzt kommen weitere schwere Gegner, aber ich bin überzeugt, dass wir regelmäßig punkten werden, wenn wir so auftreten."


Zum Ausgleichstreffer

Nils Petersen: „Mein Tor ist ein weiterer Hinweis, dass der Knoten wirklich geplatzt ist. Heute lasse ich mich dafür aber nicht feiern, weil das Toreschießen auch zu meiner Aufgabe als Stürmer gehört. Das dürfen die Teamkollegen auch von mir erwarten."

aus Stuttgart berichten Michael Rudolph und Timo Volkmann