Anschauungsunterricht in Sachen Effektivität

Betretene Mienen bei den Werder-Profis nach den vier Gegentoren gegen Bayer 04 Leverkusen.
Profis
Mittwoch, 28.11.2012 // 22:45 Uhr

Enttäuscht schlichen die Werder-Jungs vom Platz. Mit 1:4 wurden sie von stark konternden Leverkusenern in die Kabine geschickt, wo Cheftrainer Thomas Schaaf die Mannschaft erstmal in Schutz nahm ...

Enttäuscht schlichen die Werder-Jungs vom Platz. Mit 1:4 (0:1) wurden sie von stark konternden Leverkusenern in die Kabine geschickt, wo Cheftrainer Thomas Schaaf die Mannschaft erstmal in Schutz nahm.

„Wir haben eine junge Mannschaft, die auch das Recht hat, mal daneben zu liegen. Außer im Spiel gegen Augsburg haben wir das in dieser Saison noch nicht erlebt. Heute war es so ein Tag. Wir waren einfach nicht richtig drin in der Partie. Wir haben in der gesamten Mannschaft einfach zu viele Fehler gemacht, dem Gegner den Torabschluss zu leicht gemacht." Schaaf weiter: „All das, was wir bisher vor allem in den Heimspielen zeigen konnten, hat heute gefehlt: Die Überzeugung, die Zweikämpfe und der Druck, um den Gegner auch mal in Not zu bringen. Das zog sich durch das ganze Team. Jeder hatte Aktionen, die nicht funktionierten, mal war es eine Flanke, mal ein fehlerhaftes Zuspiel, mal ein Foul zuviel. So konnten wir nie den nötigen Druck aufbauen."

Eine ausführliche Analyse der Partie nahmen die Aktiven nach dem Schlusspfiff in der Mixed-Zone vor. WERDER.DE fasst hier die wichtigsten Aussagen zu allen entscheidenden Themen zusammen:

Zum Spielverlauf

Thomas Schaaf:
„Unsere stärkste Phase waren die 15 Minuten nach dem 1:2-Anschlusstreffer. Dann hat uns das dritte Gegentor aber wieder den Mut genommen. Es war einfach von allem ein bisschen zu viel Negatives im Spiel. Aber man muss auch festhalten, dass Leverkusen eine sehr starke Mannschaft ist, sehr diszipliniert, sehr kompakt."

Sebastian Prödl:
„Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gemacht und wurden dafür eiskalt bestraft. Wir wussten, dass Leverkusen eiskalt ist. Das war heute ein Beispiel für absolute Effektivität. Ausgerechnet in unsere Druckphase schießen die das entscheidende Tor. Wir belohnen uns hingegen zu selten für den Aufwand und werden für kleine Fehler eiskalt bestraft. Ich nehme mich bei den Gegentoren natürlich auch mit in die Pflicht. Die Abstimmung zwischen der Abwehrreihe und dem Mittelfeld hat nicht gestimmt."

Aaron Hunt:
„Das war heute ein gebrauchter Tag. Wir haben von Anfang an nicht ins Spiel gefunden, haben uns in der ersten Halbzeit der Stimmung in den ersten zwölf Minuten angepasst und wurden eiskalt bestraft. In der zweiten Halbzeit haben wir das insgesamt zwar besser gemacht, wurden dann aber jeweils mit Kontern eiskalt erwischt."

Clemens Fritz:
„Wir haben uns heute schwer getan ins Spiel zu finden. Ich hatte das Gefühl, dass wir nicht an unser Spiel geglaubt haben und, dass das Selbstvertrauen gefehlt hat. Wir waren in den Zweikämpfen nicht konsequent, Leverkusen hat viele zweite Bälle gewonnen und war ein Beispiel für Effektivität. Die Niederlage hat wieder einmal gezeigt, dass wir uns jedes Spiel, jeden Punkt und jeden Sieg hart erarbeiten müssen. Wir müssen immer an unsere Grenzen gehen."


Zum Fanprotest in den ersten 12 Minuten des Spiels:

Thomas Schaaf:
„Das hatte nichts mit der Niederlage zu tun. Wir machen unsere Fehler schon an uns selbst fest. Aber geholfen hat das sicher auch nicht. Du kommst auf den Platz und erlebst eine andere Situation. Das spielt sicher erstmal der Auswärtsmannschaft in die Karten. Aber wir sind starke genug solche Momente zu meistern."

Clemens Fritz:
„Das war komisch. Ich hätte nicht gedacht, dass es in einem Fußballstadion so ruhig sein kann. Die Stimmung ist das, was den Fußball ausmacht und natürlich ist es auch ein Vorteil, wenn dich die Fans pushen."

Aaron Hunt:
„Unser Spiel war so wie die Stimmung in der Startphase. Überrascht hat uns das nicht, wir haben es ja gestern schon bei den anderen Spielen beobachten können."

Zum Ausblick auf die nächsten Wochen:

Sebastian Prödl:
„Wir müssen diese Niederlage jetzt schnell verarbeiten. Das wird bis Sonntag aber nicht einfach, vier Gegentore im Heimspiel sind sehr, sehr bitter."

Aaron Hunt:
„Das Spiel muss jetzt schnell abgehakt werden. Wir haben schon am Sonntag wieder die Chance, was gut zu machen, aber der Druck ist nach dem verlorenen Heimspiel natürlich größer. Wir müssen in den nächsten beiden Auswärtsspielen unbedingt punkten."

Clemens Fritz:
„Wir wollten auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen bleiben, das ist uns durch die Niederlage nicht gelungen. Wir müssen uns jetzt einmal schütteln und haben in vier Tagen wieder die Chance, die Niederlage vergessen zu machen. Auswärts haben wir zuletzt sehr gut gespielt und nur die letzte Konsequenz vermissen lassen. Jetzt müssen wir zusehen, dass auch das letzte Quäntchen passt und wir bis Weihnachten noch einige Punkte holen. Wir wissen aber, dass wir noch zwei schwere Aufgaben vor der Brust haben."

Thomas Schaaf:
„Gerade auswärts gegen starke Mannschaften haben wir viele gute Spiele gemacht, Komplimente bekommen, aber zu wenige Punkte eingefahren. Ich denke nur an Dortmund, Hannover, Schalke und Wolfsburg. Die Leistungen dort macht uns Mut, aber wir müssen mehr Punkte einsammeln.

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky