Zu spät die richtigen Lösungen gefunden

Sokratis zeigte wieder eine starke Partie und hielt im Signal Iduna Park in gewohnter Weise die Defensive zusammen.
Profis
Samstag, 17.03.2012 // 18:57 Uhr

Die Kulisse war wie erwartet eindrucksvoll, das Verletzungspech schon vor dem Anpfiff bekannt. Cheftrainer Thomas Schaaf ließ keine Ausreden zählen. 0:1 verloren, ordentlich gespielt, aber nicht mutig genug. Nicht aufgegeben, aber auch nicht gut genug, um zu punkten.

„Am Ende bleibt eine Niederlage eine Niederlage und die schmeckt mir nicht. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft zu ehrfürchtig war, wir hatten einfach für die Fülle der anstehenden Aufgaben nicht schnell genug die richtigen Lösungen auf dem Platz parat. Ich rechne der Mannschaft an, dass sie nicht aufgegeben hat, vieles versucht hat, aber das war heute nicht die beste Leistung. Wenn wir durchgehend so gespielt hätten wie in der zweiten Hälfte, dann hätte es ein interessantes Spiel werden können", so der Coach, der aber auch einräumte: „Die Gelb-Schwarzen waren die Dortmunder und die sind doch Deutscher Meister. Und sie haben das heute auch nicht schlecht gemacht. Gratulation an den BVB."

Geschäftsführer Klaus Allofs stand da ganz auf Schaafs Seite: „Also das müsste ich erst noch lernen, nach einer Niederlage positiv zu sein. Aber natürlich hatte ich hin und wieder den Gedanken, dass es diese Mannschaft geschafft hat, hier nicht unterzugehen. Es bleibt dennoch festzuhalten, dass wir es besser können. Wenn man passiv agiert, dann ist es eine Frage der Zeit, bis man ein Tor kassiert. Passivität führt nicht zum Erfolg. Man muss selber seine Chancen suchen. Ein bisschen mehr Mut hätte dazu geführt, dass wir mehr erreicht hätten."

In der Mixed-Zone ging es nach dem Schlusspfiff auch noch um folgende Themen:


Die sich weiter zuspitzende Personalsituation:

Klaus Allofs
Das war wirklich sehr schade, dass wir heute personell keine anderen Möglichkeiten hatten. Aber das ist einfach auch sehr viel, wenn dann im Spiel auch noch Sebastian Prödl ausfällt. Wir haben inzwischen eine Liste von zehn oder elf fehlenden Spielern, die auch in der Startelf stehen könnten.
Ich kann mich nicht erinnern, dass es so eine Situation schon einmal gab, dass zwei Stammspieler im Abschlusstraining ausfallen und im Spiel dann gleich noch einer dazukommt. Aber was soll's: Wir sehen, dass wir für die Europa League weiter punkten müssen und wir müssen jetzt damit anfangen. Also gehen wir es mit den Spielern an, die wir zur Verfügung haben.
Wir hoffen trotzdem, dass jetzt nicht noch mehr Spieler ausfallen, sondern dass der eine oder andere wieder dazukommt.

Clemens Fritz
Wir glauben immer an uns und sind nicht hierher gefahren, um uns die Bude vollhauen zu lassen. Aber jede Mannschaft hätte bei den Ausfällen Probleme. Gestern beim Abschlusstraining sind zwei Leute weggebrochen und heute haben wir auch noch Basti Prödl ersetzen müssen. Aber damit müssen wir umgehen und wir haben es für die Personalprobleme speziell in der zweiten Halbzeit ordentlich gemacht.

Markus Rosenberg
Wir haben viele verletzte Spieler und jeder einzelne ist sehr wichtig für uns.

Sebastian Prödl
Wir müssen für uns mitnehmen, dass wir die Qualität haben, auch beim BVB zu agieren und nicht nur zu reagieren. Die zweite Halbzeit sollte uns da Mut machen. Ich hoffe, dass ich schnell wieder mithelfen kann. Ich bin im Strafraum zum Ball gegangen, habe einen Zwischenschritt gemacht und sofort gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Doc hat mir anschließend bestätigt, dass es eine Verletzung an der Muskulatur ist - entweder eine Zerrung oder ein Faserriss.

Jürgen Klopp
Durch die personelle Situation der Bremer war der Unterschied heute etwas größer, als er wirklich ist. Werder Bremen ist fußballerisch einfach gut, mir macht es Spaß ihr Spiel zu verfolgen. Ich wünsche Thomas und der Mannschaft weiterhin viel Erfolg.

Zum Gegentor

Klaus Allofs:
Das Tor fällt einfach zu leicht. Nach einem Standarf schaffen wir es wieder nicht den Gegenangriff entscheidend zu verzögern. Man kann jetzt sagen, dass wir in dieser Konstellation noch nicht zusammengespielt haben, aber dennoch sage ich, so darf der Treffer nicht fallen. Das dürfen wir uns nicht erlauben.

Clemens Fritz
Der Start war natürlich nicht 
Optimal. Ein frühes Gegentor zu bekommen, ist immer undankbar und das hatten wir uns anders vorgestellt. Vielleicht hat uns das dann auch gehemmt.


Zu Taktik und Spielverlauf

Klaus Allofs
Wir haben eine Taktik gewählt, die richtig war, wenn man vorn keine große Auswahl in der Offensive hat und der Gegner über sehr starke Außen verfügt. Wir wollten mit unserem Mittelfeld die gegnerischen Außenpositionen rechtzeitig auffangen. Im Großen und Ganzen ist das aufgegangen.

Markus Rosenberg
In der ersten Halbzeit haben wir schlecht gespielt. Da hatten wir im Mittelfeld zu viele Ballverluste und der BVB hätte mehr Tore machen können. Nach dem Seitenwechsel haben wir das dann aber besser gemacht, haben es probiert und sind näher dran gekommen. Wenn wir von Beginn an so gespielt hätten, wäre vielleicht mehr drin gewesen.

Sebastian Prödl
Wir wollten gut stehen und über Konter gefährlich werden. Das haben wir in der ersten Halbzeti nicht gut gemacht. In der Pause haben wir gemerkt, dass was drin ist, wenn wir auch in die Offensive gehen. Es wäre deshalb mehr drin gewesen, wenn wir mutiger gespielt hätten, denn dann wären wir auch zu mehr Chancen gekommen. Nach der Pause haben wir das zwar besser gemacht, aber wir waren nicht durchschlagskräftig genug.

Jürgen Klopp
Wir haben in der ersten Halbzeit genau das gezeigt, was wir sehen wollen. Ich bin mit der Leistung hochzufrieden. Die Jungs sind super lebendig aufgetreten, haben extrem diszipliniert gespielt. Nur durch unsere vergebenen Chancen ist es bis zum Schlusspfiff spannend geblieben, aber dieses Problem ist für uns ja kein unbekanntes.

 

 

Über die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive

Sebastian Mielitz
Wir waren in der ersten Halbzeit zu ängstlich. Klar, war das eine junge Mannschaft, dennoch will jeder von uns in der Bundesliga spielen und hatte heute auch eine Chance. Da hätte man von uns mehr erwarten können. In der zweiten Halbzeit waren wir mutiger, aber es fehlte ganz vorne das Glück und das hätte heute im Spiel sein müssen, um zu treffen. Ich hätte uns zugetraut, dass wir auch in dieser Besetzung heute treffen.

Klaus Allofs
Wir waren heute vorne drin nicht optimal besetzt. Aber wir haben gerade in der ersten Halbzeit auch nicht dran geglaubt.

Tom Trybull
Das Resultat war unglücklich. Die erste Halbzeit ging klar an Dortmund, die leider auch gleich zum frühen Tor kamen. Wir hätten dagegen in unserer guten Phase nach vorne noch ruhiger spielen müssen. Es ist uns nie gelungen, den letzten Pass richtig gut durchzuspielen.

Markus Rosenberg
Als einzige Spitze war es natürlich schwer für mich, manchmal 
war ich auf mich alleine gestellt.


Aus dem Signal Iduna Park berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Adrian Rehling