Über Sucht, Selbstmord und Auswege

Uli Borowkas Vortrag vor dem Werder-Leistungszentrum

Offen und ehrlich thematisiert Uli Borowka Suchtgefahren und deren Vermeidung (Foto: WERDER.DE).
Junioren
Dienstag, 07.08.2018 // 09:27 Uhr

Von Max Brosta

„Was glaubt ihr, wie viel habe ich pro Tag zu meinen Hoch-Zeiten getrunken“, fragt Uli Borowka zu Beginn seines Vortrags im Weser-Stadion. Nachdenkende, nur vermutende Blicke bekommt er zurück. „Eine Kiste Bier, eine Flasche Whiskey und eine Flasche Wodka“, gesteht der ehemalige Werderaner. Ein Staunen. Borowka hat direkt die volle Aufmerksamkeit der sieben anwesenden Jugendmannschaften des Nachwuchsleistungszentrums der Grün-Weißen. In seinem Vortrag spricht der 56-Jährige über das Thema Suchtgefahren und deren Vermeidung. Ein Vortrag, der von Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist.

Das findet auch Dr. Hubertus Hess-Grunewald. „Es war sehr beeindruckend und hat mich sehr berührt“, gesteht der Präsident des SV Werder im Anschluss. „Die Drastik und vor allem die Ehrlichkeit des Vortrags haben mich sehr beeindruckt“, erklärt er. Borowka sei jemand, der viel zu erzählen hat. Schließlich, so Hess-Grunewald, „war er in den Glanzjahren bei Werder, hat persönlich aber auch viele Schattenseiten erlebt.“

Gut besucht: Sieben Teams des Werder LZ waren beim Borowka-Vortrag (Foto: WERDER.DE).

Borowka spielte von 1987 bis 1996 insgesamt 328 Mal mit der Werder-Raute auf der Brust. Es war die erfolgreichste Zeit in der Vereinsgeschichte. Der ehemalige Innenverteidiger, zur damaligen Zeit einer der besten der Liga, holte zwei deutsche Meisterschaften mit dem SVW und wurde zweimal DFB-Pokalsieger. Zudem gewann er den Europapokal der Pokalsieger 1992. Und das alles, obwohl er insgesamt 16 Jahre lang süchtig war – spielsüchtig, medikamentensüchtig und vor allem alkoholsüchtig. Doch heute sagt er: „Jeder Tag, an dem ich trocken bin, ist mir wichtiger als jeder Titel, den ich gewonnen habe.“

Denn die langen Suchtjahre waren das dunkelste Kapitel seines Lebens. „Dreimal war ich mit anderthalb Beinen im Grab“, verrät er. Seine Zuhörer lauschen aufmerksam, als Borowka von seinen Selbstmordversuchen erzählt. Doch er hat es geschafft und ist der Sucht entflohen, hat aus seinen Fehlern gelernt. Am gestrigen Montag hält er diesen Vortrag, weil er seine Erfahrungen auch mit jungen Menschen teilen will, weil er die Jugendlichen für das Thema Sucht sensibilisieren will. „Wenn wir die Dinge offen ansprechen, erreichen wir viel mehr, als es einfach totzuschweigen“, verdeutlicht der ehemalige Bundesliga-Profi.

Die Nachwuchskicker des SV Werder, egal ob Mädchen oder Jungen, und Trainer hören interessiert zu und stellen Fragen. Ob er Angst habe, rückfällig zu werden, wird Borowka gefragt. Wie es für seine Kinder in dieser Phase war, will ein anderer wissen. Was soll man tun, wenn man mit einer Sucht konfrontiert wird? Borowka antwortet auf jede Frage -ehrlich, wie man ihn kennt - und hat vor allem einen Rat: Darüber reden und sich helfen lassen. „Man kann sich immer helfen lassen“, ist auch das Schlusswort des Werder-Präsidenten. Denn gerade bei den Grün-Weißen stehen mit  Trainern, Betreuern und ausgebildeten Psychologen viele Ansprechpartner zur Verfügung.