"Heimat ist ein Gefühl"

Kathraina Schiechtl im Interview

Familienmensch: Katharina Schiechtl fühlt sich in Bremen und der Werder-Familie heimisch (Foto: WERDER.DE).
Frauen
Dienstag, 22.08.2017 // 17:36 Uhr

Das Interview führte Marcel Kuhnt

Die erste EM-Endrunde - und dann gleich bis ins Halbfinale. Katharina Schiechtl hat aufregende Wochen mit der österreichischen Nationalmannschaft hinter sich. Werders Innenverteidigerin, die alle Partien für ihre Landesauswahl bestritt, kommt gestärkt von den Titelkämpfen zurück und will mit den Grün-Weißen in der neuen Saison in der 1. Liga angreifen. Um an ihr Leistungslimit gehen zu können, ist für sie vor allem eins wichtig. „Man muss sich wohlfühlen und das Vertrauen spüren“, so Schiechtl.

Im Interview mit WERDER.DE spricht die 24-Jährige über die zurückliegende Frauen-Europameisterschaft, über die Familie und ihre Heimatverbundenheit.

WERDER.DE: Die Frauen-EM liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und dennoch ist sie noch in aller Munde. Du warst die erste Werder-Spielerin, die bei einem Turnier mit der A-Nationalmannschaft teilgenommen hat. Was bedeutet das für dich?   

Katharina Schiechtl: „Das ist schon etwas Besonderes. Ich selbst habe es gar nicht gewusst, wenn ich ehrlich bin. Doch es macht mich umso stolzer, die grün-weißen Farben dort vertreten zu haben.“

WERDER.DE: Ihr habt fünf Partien in den Niederlanden bestritten und seid erst im Halbfinale gescheitert. Eine tolle Erfahrung, oder?

Katharina Schiechtl: „Definitiv. Jedes Spiel war eine andere Herausforderung, da wir auch auf fünf komplett unterschiedliche Gegner getroffen sind. Es war faszinierend und eine gewaltige Erfahrung bei der EM auf dem Platz zu stehen. Wir sind zweimal über die volle Spielzeit gegangen und haben beide Seiten des Elfmeterschießens kennengelernt. All diese Erkenntnisse bringen mich weiter.“

WERDER.DE: In Österreich ist ein echter Hype um euch entstanden. Du sagtest in einem anderen Interview, dass man das während der EM gar nicht so mitbekommen habe. Spätestens beim Empfang auf dem Wiener Rathausplatz hat man es dann aber gemerkt...

Katharina Schiechtl (lacht): "Ja, das schon. Der Empfang in Wien ist nicht in Worte zu fassen. Bei der EM waren wir noch in unserer eigenen Welt, aber nach unserer Rückkehr wurde einem bewusst, dass wir so viele Menschen mit unserer ehrlichen Art Fußball zu spielen begeistern konnten. Es ist toll, dass unsere Leistungen in der Heimat anerkannt werden.“

WERDER.DE: Auch in deiner Heimatstadt Imsterberg wurdest du feierlich empfangen. Auch nicht alltäglich für dich, oder?

Katharina Schiechtl: „Das war überwältigend, obwohl ich es gar nicht so mag, wenn ich im Mittelpunkt stehe. Dennoch war es überragend, dass die Gemeinde, die Musikkapelle, der Bürgermeister und viele Freunde, die ich nicht mehr so oft sehe, mich empfangen haben. Eine große Ehre für mich.“

Dass es mal vier Jahre werden, hätte ich früher auch nicht gedacht.
Katharina Schiechtl

WERDER.DE: Deine Familie siehst du aufgrund der Entfernung nicht mehr so häufig. Sie waren zuletzt bei der EM die ganze Zeit dabei. Eine große Überraschung?

Katharina Schiechtl: „Eine Überraschung nicht, da es geplant war. Sie haben extra in den Niederlanden Urlaub gemacht, um die Spiele zu sehen. Das war natürlich schön. Nach den Partien konnte ich zu ihnen gehen und auch am Folgetag haben wir immer etwas gemeinsam unternommen, wenn ich frei hatte. Die Familie um sich zu haben war gut, um während des Turniers mal abschalten zu können. Ich bin sehr dankbar für ihre Unterstützung.“

Katharina Schiechtl freut sich auf die neue Saison beim SVW (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Als Familienmensch bist du sicherlich heimatverbunden. Was bedeutet Heimat für dich?

Katharina Schiechtl: „Heimat ist ein Gefühl. Dort, wo man sich wohlfühlt, ist in meinen Augen Heimat. Dazu gehören für mich auch die Berge und die Natur. Und natürlich die Nähe zur Familie.“

WERDER.DE: Berge haben wir in Bremen nicht. Ist Bremen nach vier Jahren trotzdem ein Stück weit Heimat für dich geworden?

Katharina Schiechtl: „Das passt schon. Bei Werder ist alles sehr familiär. Ich wurde damals mit offenen Armen empfangen. Dass es mal vier Jahre werden, hätte ich früher auch nicht gedacht. Ich fühle mich einfach sehr wohl, auch wenn es keine Berge gibt (lacht). Letztlich ist es wichtig, dass man sich wohlfühlt und Vertrauen spürt, um seine bestmögliche Leistung abrufen zu können.“

WERDER.DE: Die beste Leistung von jeder Einzelnen wird auch in der anstehenden Saison benötigt. Als A-Nationalspielerin und EM-Teilnehmerin wirst du in der Pflicht stehen, Verantwortung zu übernehmen. Stimmst du zu?

Katharina Schiechtl: „Ich glaube, dass jede in der Mannschaft Verantwortung übernehmen muss. Wir müssen als Team funktionieren. Damit das klappt, müssen sich alle ins Team einbringen. Es geht nur über das Kollektiv. Uns muss bewusst sein, dass es extrem schwer wird. Doch der Klassenerhalt ist unser Ziel und dafür müssen wir alles reinhauen.“