Erfolgreicher Start des Bethlehem-Sozialprojekts

Die Trainer der Partnervereine mit ihren "Schülern und Schülerinnen".
WERDER BEWEGT
Donnerstag, 07.10.2010 // 08:16 Uhr

22 junge Frauen und Männer aus den Palästinensischen Gebieten besuchen derzeit das Pilotprojekt für die einjährige Fußball-Ausbildung der gemeinnützigen Scort Foundation im Westjordanland. Während eines Jahres werden sie von professionellen Trainern von Werder Bremen, des FC Basel 1893 und Bayer 04 Leverkusen in Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen lernen, wie sie Kindern durch Fußballspielen Sozialkompetenzen und Grundwerte vermitteln.

 

„Ich arbeite bereits mit Kindergruppen. Ich möchte hier lernen, wie ich Kindern Fußball mit spezifischen Werten vermitteln kann“, berichtet Hanin, eine von zehn Frauen dieses Ausbildungsprogramms.

 

Nachdem das Pilot-Projekt, im Beisein von Gigi Oeri, Präsidentin des FC Basel 1893 und der Scort Foundation, am Dienstag eröffnet wurde, besuchen die jungen Frauen und Männer jetzt die verschiedenen Ausbildungs-Lektionen. Rami Khader, Verantwortlicher des Diyar Consortiums in Bethlehem, führte durch einen spannenden Workshop über Gruppenbildung, Leadership und Gesellschaft. Unter anderem sprachen sie über positives und negatives Denken. „Es geht nicht darum, immer nur alles positiv zu sehen. Wichtig ist, dass wir uns Gedanken machen, Dinge

hinterfragen und insbesondere uns selber reflektieren. Zuerst muss ich über mich selber nachdenken und kritisch sein, erst dann bin ich glaubhaft und kann ein ernstes Vorbild sein“, erläuterte Rami auf seine ruhige und überlegte Art.

 

Im Anschluss lernten sie bei Werders Nachwuchskoordinator Björn Schierenbeck und Werder-Mitarbeiter Ingo Goetze mehr über die Spielform „Small Sided Games“ und diskutierten die Organisation eines Turniers. Dann war Training angesagt für die „Young Coaches“, wie Scort ihre Auszubildenden nennt. Hierbei schlüpften die jungen Frauen und Männer selber in die Rolle der Kinder. Endlich Bewegung! Von den Profis schauten sie ab, wie diese als Coach agierten, Anweisungen und Inputs gaben. Denn eine Stunde später kamen die 80 eingeladenen Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren für ein „Small Sided Games“-Training. Natürlich wurden die Young Coaches beim Organisieren noch von den Profi-Trainern unterstützt. Dennoch galt es bereits, sich tatkräftig einzusetzen und die eigentliche Leitung zu übernehmen. „Und das machen sie auch schon sehr gut“, sagte Ingo Goetze. „Sie versuchen unsere Tipps und Inputs umzusetzen. Sie sind sehr engagiert und man sieht, dass ihnen die Arbeit mit Kindern liegt. Ich glaube, sie haben heute sehr viel gelernt. Am Abend werden sie sicherlich müde sein“, fügt der Werderaner lachend hinzu.

 

Geplant ist, dass die jungen Frauen und Männer aus dem Westjordanland während eines Jahres insgesamt vier Module besuchen. Hierbei werden sie von den professionellen Trainern der Partnerclubs von Scort und den lokalen Organisationen zu Übungsleitern für den Kinderfußball mit sozialen Kompetenzen und zu Multiplikatoren ausgebildet. Die Teilnehmer arbeiten bereits in regionalen Hilfsorganisationen, Schulen oder Sporteinrichtungen. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, ihre neuen Kenntnisse direkt anzuwenden und weiterzugeben.

 

Die Scort Foundation, die das einjährige Projekt zusammen mit ihren Partnerclubs organisiert, setzt sich weltweit und lokal für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensumständen ein. In ihrem Partnerschaftsprogramm „Football Clubs for Development and Peace“ bringt Scort Spitzen-Fußballclubs zusammen, um in Kooperation soziale Projekte zu realisieren, die den Fußball als Mittel zur Förderung von Integration, Ausbildung, Wertevermittlung und Entwicklung

nutzen.

 

Die Palästinensischen Gebiete befinden sich in einem fortwährenden Konflikt mit Israel – ein Konflikt, der sich über die gesamte Region des Mittleren Ostens ausbreitet, Basis zahlreicher Auseinandersetzungen ist und dadurch weltweit von Politik und Medien sehr viel Aufmerksamkeit und Anteilname erfährt. Schon weit vor der Gründung des Staates Israel ist diese Region, rund um Jerusalem, Mittelpunkt vieler ethnischer Auseinandersetzungen gewesen, die sich seither durch Gebiets- und Hoheitsansprüche in einer diplomatischen Sackgasse zu befinden scheint.

 

Palästinensische Kinder und Jugendliche im Westjordanland müssen sich immer wieder mit diesem politischen Konflikt auseinandersetzen, der sich auch auf ihr tägliches Leben auswirkt. Aufgrund der angespannten Situation ist die Bewegungsfreiheit der jungen Menschen stark eingegrenzt. Viele dürfen das Westjordanland nicht verlassen, die ständige Militärpräsenz bedroht sie selbst in ihrem eigenen Umfeld. Eine hohe Arbeitslosenquote führt zu Perspektivlosigkeit in der jungen Generation. Während sie in Israel eine starke wirtschaftliche Entwicklung beobachten, die jungen Israelis viele Möglichkeiten für Ausbildung und persönliche Weiterentwicklung bietet, sehen sie sich selbst mit mangelndem Zugang zu internationalem Know-how und Ausbildungsmöglichkeiten konfrontiert.

 

Die Scort Foundation und ihre Partnerclubs möchten hier in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern ansetzen und besonders der jungen Generation Perspektiven und Möglichkeiten bieten, sich zu entwickeln und Neues zu lernen.