Interview beim Medientag: "Mit den Gedanken bei Ivan"

Cheftrainer Thomas Schaaf stellte sich allen Fragen der Teilnehmer des 1. Medientages von Werder Bremen.
WERDER BEWEGT
Mittwoch, 24.01.2007 // 17:29 Uhr

Erstmals in seiner Geschichte hat Werder Bremen am Mittwoch, 24.01.2007 einen Medientag im Rahmen seines Projektes "100 Schulen – 100 Vereine" durchgeführt. 80 Schüler und Lehrer von 32 Partnerschulen waren bei den Grün-Weißen zu Gast und wurden von der Abteilung Medien & PR über ihre vielfältigen Arbeitsbereiche informiert. In Arbeitsgruppen absolvierten die Schüler Medien-Trainingseinheiten zu den Fragen "Wie führe ich Interviews?", "Wie schreibe ich einen interessanten Bericht?" und "Wie produziere ich gute Pressefotos?" Höhepunkt des Tages waren Gespräche mit Werder-Cheftrainer Thomas Schaaf und Nationalspieler Tim Borowski, welche die Schüler zu einem Doppelinterview zusammenfassten. WERDER.de präsentiert das Ergebnis...

 

 

Wie ist der Stand der Vorbereitung auf die Rückrunde? Sind Sie zufrieden mit der Arbeit der Mannschaft?

 

Thomas Schaaf: Wir haben am 4. Januar angefangen und haben im Trainingslager in der Türkei schon einiges getan. Wir waren fleißig, sind aber nicht hundertprozentig zufrieden, was vor allem an einigen Verletzungen wie beispielsweise von Patrick Owomoyela und Miroslav Klose liegt.

 

Tim Borowski: Wir haben sehr gut gearbeitet, jeder zieht mit. Wir haben kein Testspiel verloren, aber davon dürfen wir uns nicht blenden lassen. Unser großes Ziel bleibt die Meisterschaft. Dies zu erreichen, ist mit einem guten Start sicherlich möglich.

 

 

Plant Werder, vor dem Rückrunden-Start noch einen Spieler zu verpflichten?

 

Schaaf: Es ist ja bekannt, dass wir uns um John Carew bemüht haben. Er wäre ein interessanter Mann für uns gewesen, doch der Wechsel hat nicht geklappt. Wir schauen, was bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar noch möglich ist, aber es muss alles passen. Der Spieler muss unser Anforderungsprofil erfüllen, er muss zu uns wollen und es muss zu einer Einigung zwischen den beiden jeweiligen Vereinen kommen.

 

 

Wie beurteilen Sie die Chancen für die Uefa-Cup-Spiele gegen Ajax Amsterdam?

 

Schaaf: Ich bin optimistisch. Wir kommen aus der Champions League und bringen daher ein gewisses Selbstvertrauen mit. Spiele zwischen niederländischen und deutschen Mannschaften sind immer etwas Besonderes. Wir kennen Ajax, sie haben eine gute und junge Truppe mit hervorragenden Spielern wie Sneijder und Huntelaar. Mit Henk ten Cate haben sie einen guten Trainer, der schon als Co-Trainer bei Frank Rijkaard in Barcelona gearbeitet hat und den wir aus den letzten Jahren kennen. Wir freuen uns auf spannende Partien und gehen mit Selbstvertrauen an diese Aufgabe heran.

 

Borowski: Nach dem Ausscheiden in der Champions League ist der Uefa-Cup für uns eine neue Herausforderung, wir möchten ihn gewinnen. Wir gehen gestärkt in die Partien gegen Ajax und wollen natürlich weiterkommen.

 

 

Die Fans von Ajax Amsterdam gelten allgemein als aggressiv. Wie stehen Sie dazu?

 

Schaaf: Die Fans werden sicher emotional stark geladen sein. Ich hoffe aber, dass sich die Zuschauer eher ein Beispiel an der vorbildlichen Stimmung der WM nehmen.

 

 

Am Dienstag wurde bekannt, dass Ivan Klasnic eine neue Niere bekommen muss. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

 

Schaaf: Das Ganze hat uns sehr bedrückt. Wir wünschen Ivan, dass er so schnell wie möglich gesund wird und bald wieder für uns spielen kann.

 

Borowski: Wir sind alle mit den Gedanken bei Ivan. Ich hoffe, dass er in dieser Saison mindestens noch einmal zum Einsatz kommt, auch wenn es nur für zehn Minuten sein sollte. Er braucht jetzt viel Unterstützung, auch von den Fans. Auch ihr könnt ihm helfen, indem ihr ihm zum Beispiel einen Brief schreibt.

 

 

Wie haben Sie die Fußball-WM erlebt und welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

 

Schaaf: Es war ein wunderschönes Erlebnis. Aus beruflicher Sicht hat die WM zwar nicht viel Neues gebracht, aber als Zuschauer habe ich eine traumhafte Atmosphäre genossen. Ich habe Spiele in Hamburg, Köln, Gelsenkirchen und Berlin gesehen und hatte Spaß zuzugucken, wie verrückt die Leute waren. Beim Spiel zwischen Deutschland und Argentinien hätte ich mir aber meine Sitzplatzkarte schenken können, denn jedes Mal, wenn ich mich hingesetzt hatte, haben sie gesungen: "Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!"

 

Borowski: Die WM war eines meiner schönsten Erlebnisse, aus sportlicher wie aus menschlicher Sicht. Leider konnten wir in der Mannschaft nicht so viel von der Stimmung mitbekommen. Deshalb habe ich mir mal zusammen mit Per Mertesacker ein Auto geliehen und mit ihm eine Stadtrundfahrt durch Berlin gemacht. Das war schon beeindruckend.

 

 

Welche besonderen Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

 

Schaaf: Schule war nicht das Schlechteste. Die Vorteile der Gemeinschaft merkt man oft erst, wenn man die Schule verlassen hat. Es ist eine Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere. Allerdings war es gerade in der Oberstufe auch eine sehr stressige Zeit. Damals war ich bereits in der Jugendnationalmannschaft und bei den Werder-Profis und kam abends oft erst um 9 Uhr nach Hause. Die Hausaufgaben musste ich vernachlässigen und kam irgendwann an den Punkt, wo ich mich zwischen Schule und Fußball entscheiden musste. Heute ist die Situation besser, es wird gerade bei Werder einiges mehr für den Nachwuchs getan.

 

Borowski: Eine besondere Erinnerung habe ich an meine Zeit im Jugend-Internat bei Werder. Die Fernseher mussten immer um 11 Uhr abends ausgeschaltet werden. Mit 16 ist das auch o.k., aber mit 18 oder 19 Jahren nervt es. Ich habe dann ein Antennen-Kabel aus dem Zimmer eines Amateurspielers in mein Zimmer verlegt. Leider hat unser damaliger Nachwuchskoordinator das Kabel entdeckt und es mir dann wieder weggenommen.

 

vom Workshop "Wie führe ich Interviews?"