Bielefeld-Hinspiel als Vorlage: Achtmal alles richtig gemacht

Ausnahmsweise mal kein Gegner-Bild beim Vorbericht: die grün-weißen Helden vom Hinspiel.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

"Wenn Cottbus die Bayern bezwingt, warum sollten wir nicht Bremen schlagen?", fragt Stürmer Christian Eigler vor dem Spiel seiner Arminia aus Bielefeld gegen Werder am Sonntag, 23.03.08, ab 17 Uhr. Das spricht einerseits für eine hohe Wertschätzung, die Werder auch nach dem Abrutschen auf Platz 4 der Bundesligatabelle noch genießt, gefühlt bleibt man offenbar auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer. Auf der anderen Seite spricht es aber vor allem für ein klares Selbstverständnis als Außenseiter in dieser Partie.

 

Noch fehlen die Ergebnisse für Michael Frontzeck, der seit 1.1.2008 in Bielefeld das Ruder führt.

Vermaledeites Jahr 2008 für die Arminia

 

Das kommt nicht von ungefähr, die Arminia hat mit dem Jahr 2008 noch kein bisschen Freundschaft geschlossen. Es ging schon nicht gut los, als Ende Januar beim späteren Halbfinalisten Carl-Zeiss Jena die Segel im DFB-Pokal gestrichen werden mussten. Und dann holte das Team des neuen Trainers Michael Frontzeck aus sieben Spielen in der Rückrunde ganze zwei Punkte, das ist die schlechteste Bilanz aller 18 Mannschaften. Werders Cheftrainer Thomas Schaaf leitet daraus aber statt Vorteilen für die Bremer eher einen Imperativ für die Gastgeber ab: "Wenn man sich die Tabelle mal anschaut, wird man erkennen, dass sie um jeden Punkt kämpfen werden." Die Tabelle verortet Bielefeld momentan unter Position 16, was insofern kurios ist, als dass sie erst seit dem letzten Wochenende und zum ersten Mal in dieser Saison auf einem Abstiegsplatz stehen.

 

An die "Schüco Arena" hat Werder nicht die besten Erinnerungen. Von 14 Bundesligaspielen hier wurden acht verloren. Vor allem "im letzten Jahr

Schöne Geschichte: Dirk Heinen wechselte aus dem irischen Exil zurück auf die Bundesligabühne und wird wohl auch gegen Werder im Tor stehen.

haben wir uns dort schwer getan", erinnert Thomas Schaaf. Am 31. Spieltag unterlag Werder damals in einem Krimi mit 2:3 – eine im Titelkampf vielleicht entscheidende Niederlage. Was damals galt, gilt heute noch immer. "Ihr Spiel ist auf Konter ausgelegt", sagt Schaaf, "sie werden versuchen, uns das Leben so schwer wie möglich zu machen." Ganz nach dem Vorbild der Cottbuser vom vergangenen Wochenende sehnt man sich in Ostwestfalen nach einem "Befreiungsschlag".

 

Werder hat es sich selbst bewiesen: So geht das mit dem Toreschießen!

 

Damit soll es aber schon genug des Gegnerporträts sein. Denn alle Werderaner schleichen derzeit analysierend um den Zustand ihres Teams, auch da herrscht also Redebedarf. Die Ergebnisse, vor allem aber die Spielverläufe der letzten Wochen haben tiefe Spuren hinterlassen. Der Kapitän hat das Wort: "Wir können uns nichts dafür kaufen, dass wir in den letzten Spielen die bessere Mannschaft waren", sagt Frank Baumann, zeigt sich aber trotzig. "Deswegen bedeutet das aber nicht, dass wir keinen guten Fußball mehr spielen wollen." Denn er weiß, dass das Pech Werder nicht ewig verfolgen wird: "Die Stürmer haben getroffen und werden auch wieder treffen." An dieser Stelle kommt der 29. September 2007 ins Spiel, Werder gegen Bielefeld – ein Spiel, das man nicht überbewerten sollte, das aber in der gegenwärtigen Selbstfindung das beste Demonstrationsobjekt ist. 8:1 triumphierte Werder, acht Tore, acht genutzte Möglichkeiten, achtmal alles richtig gemacht. So lief das damals:

 

Ein Stürmertag: Fünf der acht Tore im Hinspiel erzielten Werders Angreifer.

1:0, Peter Niemeyer: Das erste Mal in der Startelf + tolles Spiel bis dahin = viel Selbstvertrauen. Da kann man schon mal bei 18 Metern einen Ball mit der Brust stoppen und ihn halbvolley als Distanzschuss in den Winkel setzen.

 

2:0, Hugo Almeida: Boubacar Sanogo setzte dem Verteidiger zu, flankte und Hugo Almeida zeigte, wie man simpel und ohne viel Kraft Tore erzielt: mit einem einfachen Kopfballwischer.

 

3:1, Boubacar Sanogo: Beharrlichkeit, dafür stand das dritte Bremer Tor. Flanke abgewehrt? Na und, einfach noch mal flanken! Einer findet sich schon, der richtig steht und ihn reinköpft.

 

4:1, Boubacar Sanogo: Und ob Werder mit Standards gefährlich sein kann: Ecke Diego, Tor Bouba zum zweiten, da konnten noch so viele Gegenspieler mit zum Luftkampf aufsteigen.

 

5:1, Per Mertesacker: Was Frank Baumann weiter oben beschwor, zeigte Werder schon hier. Es lohnt sich, nicht nachzulassen, selbst wenn es 4:1 zur Pause steht.

 

6:1, Markus Rosenberg: Wut im Bauch – sie ist ebenfalls zu etwas nütze, da können nämlich so sehenswerte Buden draus entstehen wie bei "Rosis" erstem Saisontor.

 

7:1, Diego: Nicht vergessen, auch mit Freistößen ist Werder immer für etwas gut! Gern auch sehenswert kreativ wie Diego mit dem siebten Streich. Besonders Spa macht das, wenn Kumpel Naldo wie hier vorher die Mauer erschreckt.

 

8:1, Hugo Almeida: Immer weiter, immer weiter und nicht aufhören, die Wege zu gehen. Wie Rosenberg bei seiner Vorarbeit mit letztem Einsatz und Hugo, der auch in der 88. Minute noch gierig war – der nächste entscheidende Querpass kommt bestimmt…

 

Zu beweisen war: Werder kann doch seine Chancen verwerten.

 

 

"Wir wollen die Saison gut zu Ende bringen und am Sonntag damit beginnen", sagt Käpt'n Baumann. Unter anderem mit dem begeisternden Hinspiel gegen Bielefeld haben seine Kollegen und er doch schon so viel auf den Weg gebracht.

 

von Enrico Bach