Werder zu Gast in Dortmund: Das besondere BVB-"Feeling"

Ratlos vor großer Kulisse? Borussia Dortmund bekommt keine Beständigkeit in seine Heimauftritte, trotz im Schnitt 70.000 Fans.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Mit Borussia Dortmund ist das so eine Sache. Dieser Klub hat zwar zwischen 1992 und 2003 großartige Erfolge gefeiert, ist danach aber in keinem Wettbewerb mehr außergewöhnlich in Erscheinung getreten. Dieser Klub hat zwar das größte und beeindruckendste Stadion der Liga zu bieten, hat aber in den letzten drei Jahren gerade einmal 22 von 51 Spielen dort gewinnen können (Werder im Weserstadion: 32). Sprich: Der BVB hat sich nach Champions-League-Sieg, drei Meistertiteln, Börsengang und spektakulären Schlagzeilen wieder in die Reihen der ganz normalen Bundesliga-Vereine eingereiht. Aber: Vom Feeling her, um mit Ex-Borusse Andi Möller zu sprechen, hat man vor Spielen gegen ihn immer noch so ein ungutes Gefühl.

 

Der BVB spielte eine prächtige Vorbereitung und schlug den AS Rom 4:0, verpatzte dann aber den Start.

Der BVB 06/07: Erst Talfahrt, dann Super-Endspurt

 

Vor der Auswärtspartie am Freitag, 14.09.2007, 20.30 Uhr in Dortmund geht das auch Werders Cheftrainer Thomas Schaaf so: "Uns erwartet ein schweres Spiel". Dabei hat die Borussia gerade in der letzten und der beginnenden neuen Saison die oben genannten Thesen bestätigt: Sie schwankt in ihren Leistungen enorm. Das war 2006/07 so, als man zwar Neunter wurde, zwischendurch aber eine Talfahrt auf Rang 17 inklusive zweier Trainerwechsel hinnehmen musste. Kurz vor Saisonschluss ging dagegen noch mal richtig die Post ab, als man nacheinander Berlin, Frankfurt, Wolfsburg und Schalke gegentorlos besiegte und dem königsblauen Erzrivalen ganz nebenbei die Meisterschaft verbaute. Und dieses Jahr? Geht es gleich so weiter! Das mit Robert Kovac, Mladen Petric, Diego Klimowicz, Giovanni Federico und Jakub Blaszczykowski verstärkte Team (wichtigste Abgänge: Ebi Smolarek und Christoph Metzelder) spielte eine starke Vorbereitung. Die großen Erwartungen hingen zum Saisonstart aber wie ein Klotz an den gelb-schwarz besockten Beinen – Aufsteiger Duisburg gewann 3:1 im Signal Iduna Park und Schalke legte allen Zorn in ein frenetisches 4:1 gegen den Nachbarn. Dann aber fing man sich wieder und klaute dem Osten sechs Punkte, mit einem 3:0 gegen schwache Cottbuser und einem glücklichen 1:0 bei Hansa Rostock.

 

Übrigens bestätigte sich auch der schlechte Heimtrend in dieser Zeit. Nur sechs Heimspiele gewann die Borussia in der letzten Saison und dann dieser Start gegen Duisburg. Doch besonders zuversichtlich macht diese Bilanz trotzdem niemanden, den Dortmundern ist immer alles zuzutrauen, nach schlechteren Spielen scheinbar erst recht. "Sie mussten beim letzten Spiel in Rostock einige brenzlige Situationen überstehen, aber sie haben diesem Druck standgehalten", hebt Thomas Schaaf also das Bemerkenswerte hervor. "Jetzt werden sie alles daran setzen, sich vor eigenem Publikum in ein positives Licht zu stellen. Das muss uns bewusst sein." Im April, am 29. Spieltag, fühlte sich auch Werder pudelwohl im ehemaligen Westfalenstadion. 2:0 gewann eine sehr abgezockte Elf hochverdient, die Tore schossen Miroslav Klose und Diego mit einem perfekten Freistoß. Im 39. Bundesliga-Spiel in Dortmund war das allerdings erst der neunte Sieg für Werder, drei davon in den letzten fünf Partien, 21 Partien gingen an die Gastgeber.

 

Als Linksverteidiger bereitete Patrick Owomoyela beim letzten Spiel in Dortmund das 1:0 vor, am Freitag ist er nach Verletzung erstmals in dieser Saison im Kader.

Vor der Länderspielpause ist nach der Länderspielpause

 

Während Dortmund zuhause also weiter fremdelt, bestätigten die Grün-Weißen ihre tolle Auswärtsbilanz (bestes Team in der letzten Saison) mit vier Punkten aus zwei Spielen auch in der anbrechenden neuen. Überhaupt konnte der holprige Start mit zuletzt drei Siegen in Folge korrigiert werden. Trotz der Länderspielpause ist die grandiose Nürnberg-Zagreb-Frankfurt-Woche noch sehr präsent. "Wir haben mit einem positiven Erlebnis aufgehört und starten deswegen wieder mit einem guten Gefühl", sagt Thomas Schaaf.

 

Der BVB war vor der Pause zwar auch erfolgreich, Trainer Thomas Doll bekommt jetzt aber die Sorgenfalten in die Stirn gegraben, die Thomas Schaaf nach und nach los wird: "Sie haben auch einige verletzte Spieler zu verkraften. Alex Frei wird nicht zur Verfügung stehen, der wieder verletzt ist", weiß Schaaf. "Und auch sie haben einige Nationalspieler im Einsatz. So wird auch Nelson Valdez erst sehr kurzfristig dazu stoßen können." Wie Delron Buckley kommt der Ex-Bremer erst am Spieltag zurück. Torjäger Frei (16 Treffer im letzten Jahr) fehlt wegen eines Muskelfaserrisses, die gleiche Blessur plagt Dede. Sebastian Kehl wird noch am Knie behandelt, Philipp Degen ist wegen Adduktorenproblemen fraglich und Roman Weidenfeller setzt diese Woche noch wegen seiner Beleidigungs-Sperre aus. Thomas Doll gibt sich jedoch kämpferisch: "Diejenige Mannschaft wird am Freitag Vorteile haben, die sich nicht in Ausreden flüchtet. Bremen hat die gleichen Probleme wie wir."

 

von Enrico Bach