Valdez und seine Borussia suchen noch den richtigen Biss

"Es läuft einfach nicht", sagt Nelson Valdez über seine bisherige Zeit bei seinem neuen Club Borussia Dortmund. Gegen die alten Kumpels von Werder würde er zu gern sein erstes Saisontor schießen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Wenn man hört, was vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund am Freitag, 10.11.2006, ab 20.30 Uhr aus beiden Lagern dringt, dann erwartet die Fans im ausverkauften Weser-Stadion ein Spektakel. "Borussia hat eine Mannschaft, die versucht, Fußball zu spielen. Sie hat da auch einiges aufzuweisen", sagt etwa Werder-Trainer Thomas Schaaf über den kommenden Gegner. Christian Wörns bläst stellvertretend für den BVB ins selbe Horn: "Bremen spielt Fußball, steht nicht so kompakt hinten drin. Vielleicht haben wir vorne ein bisschen mehr Platz, das könnte uns gut tun." Vor allem aber dem Spiel könnte gut tun, was auch Trainer Bert van Marwijk ankündigt: "Wir werden auch in Bremen offensiv spielen."

 

Daniel Jensen könnte gegen Dortmund sein Comeback feiern, der hier noch grätschende Philipp Degen fehlt am Freitag.

Die Borussia will scheinbar die Flucht nach vorn antreten, nachdem die vergangenen Partien nicht zufrieden stellend verlaufen sind. Aus den letzten acht Pflichtspielen holte Dortmund nur einen Sieg (3:2 in Cottbus), auch der ist schon sechs Spiele her. Zuletzt spielte der BVB in der Bundesliga vier Mal in Folge unentschieden. Eigentlich ist das gar keine so schlechte Bilanz, man könnte die Statistik auch sehr positiv interpretieren: ein 0:1 in Mönchengladbach war am 5. Spieltag die letzte Niederlage. Diese Sicht auf die Dinge zu wählen, wäre der leichte Weg. Dortmund geht ihn nicht, weil vor allem die Vorstellungen in der Trutzburg Signal Iduna Park die im Schnitt 72.183 Zuschauer nicht glücklich machen. Nur das Spiel gegen den HSV wurde hier mit 1:0 gewonnen, dazu gesellen sich fünf Remis. So enttäuschend und harmlos die Mannschaft gerade in den beiden letzten Spielen in dieser englischen Woche (1:1 gegen Bielefeld und 0:0 gegen Aachen) spielte, so überzeugend trat sie in Stuttgart und Cottbus auf, wo sie mit jeweils drei erzielten Toren gewann. Folgerichtig schätzt Thomas Schaaf ein: "Dortmund spielt recht unterschiedlich. Mal begeistern sie, mal tun sie sich sehr schwer. Gerade im Moment herrscht sehr viel Unruhe, aber das darf uns nicht beschäftigen."

 

Denn das Stottern des Dortmunder Spiels und das Rumoren im Umfeld täuschen nicht darüber hinweg, dass im BVB-Kader viel Qualität steckt. Thomas Schaaf zählt auf: "Das Mittelfeld mit Tinga, Pienaar und Kruska, die wollen spielen. Von hinten heraus versuchen sie auch zu spielen, mit Kringe, Dede, Brzenska und Amedick. Und ihre drei Spitzen sind laufstark und sehr beweglich." Alexander Frei spielt da vorn, Ebi Smolarek – und Nelson Valdez. Der Paraguayer, der bis zum Sommer fünf Jahre für Grün-Weiß am Ball war, hat sich für das Spiel gegen seinen Ex-Club viel vorgenommen, obwohl "noch ein Stück Werder in mir ist" und er zuletzt nicht vom Glück verfolgt war. Trotz acht Saison-Einsätzen hat er noch keinen Treffer auf seinem Konto: "Egal was ich mache, irgendwie ist da immer noch ein Pfosten, ein Stollen oder das Knie des Torwarts dazwischen." Werders Geschäftsführer Klaus Allofs kommentierte die Situation des von Werder entdeckten Talents am Donnerstag so: "In Dortmund hat man andere Erwartungen an Nelson als hier in Bremen. Er ist dort richtig gefordert, aber er wollte das ja so." Doch der ehemalige Werder-Stürmer glaubt an Valdez: "Er bringt sich immer voll ein, er hat das Talent und er wird seinen Weg gehen."

 

Völlig verkehrte Welt: Grüner Valdez, Schwarz-Gelber Jubel gegen Bremen.

Obwohl für Valdez' neuen Club in den vergangenen Jahren in Bremen nichts zu gewinnen war (zuletzt 3:2, 2:0 und 2:0 für Werder), ist er vielleicht gerade als Gast besonders unbequem. "Die Situation in Bremen ist könnte befreiend für sie sein", mutmaßt Thomas Schaaf, "80.000 Leute in Dortmund verlangen einiges, da sind die Ansprüche immer hoch." Nach elf Spieltagen sieht relativ gesehen für den BVB die Auswärtsbilanz (7 Punkte in 5 Spielen) sogar besser aus als jene zuhause (8 Punkte in 6 Spielen). Doch van Marwijks Mission, ausgerechnet beim Tabellenführer seinen Club wieder auf Kurs zu bringen, wird durch Personalsorgen gefährdet. Vor allem die rechte Abwehrseite bereitet Sorgen, wo Philipp Degen mit Muskelfaserriss ausfällt und Ersatzmann Florian Kringe wegen einer verhärteten Rückenmuskulatur noch am Mittwoch "keinen Schritt gehen" konnte. Weiterhin fehlen in Bremen Sebastian Kehl (Narbenentzündung am Knie), Lars Ricken (Schulterverletzung) und Christoph Metzelder (Trainingsrückstand). Die Neuzugänge Amedick, Tinga, Pienaar, Frei und Valdez sind aber gesund und werden in der Anfangsformation erwartet.

 

Mit einer im Gegensatz zu den vergangen vier Spielen veränderten ersten Elf wird Werder ins Spiel gehen. Kapitän Frank Baumann steht wegen seiner Achillessehnenprobleme nicht zur Verfügung, dafür rückt Tim Borowski wieder ins Aufgebot. Auch Daniel Jensen ist nach längerer Auszeit wegen seiner Leistenverletzung wieder im Kader, der demnach folgende 18 Spieler umfasst: Reinke, Wiese, Pasanen, Fritz, Mertesacker, Naldo, Wome, Andreasen, Schulz, Vranjes, Frings, Jensen, Borowski, Diego, Hunt, Klasnic, Almeida, Klose.

 

von Enrico Bach

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