Werder dominiert Nordderby, aber bestraft sich selbst

Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Es war ein spannendes, teilweise hektisches und ein mit vielen Torchancen für die Grün-Weißen bestücktes 76. Nordderby gegen den Hamburger SV. Doch als 1:0-Sieger gingen die Elbestädter vom Platz. Wie so oft in den Spielen zuvor war der SV Werder die dominierende Mannschaft, die im Abschluss aber glücklos agierte. Zudem stand am Sonntagabend der beste HSV-Akteur zwischen den Pfosten – Keeper Martin Pieckenhagen. Nach dem Spiel resümierte Werder-Coach Thomas Schaaf: "Wir waren die bessere Mannschaft und haben uns heute nur selbst geschlagen."

 

Gleich mit drei Umstellungen gegenüber dem letzten Spiel begannen die Bremer. Für den rotgesperrten Holger Wehlage rückte Ludovic Magnin ins Team, der damit sein Debüt im Weser-Stadion feiern durfte. Victor Skripnik rückte in die Abwehr und Fabian Ernst ersetzte den verletzten Mladen Krstajic. Nach einer sehr zerfahrenen Anfangsphase gelang es den Bremern mehr und mehr das Spiel in die Hand zu nehmen. Die erste Glanzparade blieb aber Werder-Keeper Frank Rost vorbehalten. In höchster Not parierte er einen Schuss von Roda Antar (25.). In der Folgezeit wurde das Spiel schneller.

 

Frings mit der ersten Chance zur Führung

 

Der SV Werder nahm das Heft in die Hand und kam durch Torsten Frings zur ersten großen Torchance. Fabian Ernst legte für den Bremer Nationalspieler auf, der in der 33. Minute volley abzog. Sein Schuss prallte vom linken Außenpfosten ab. Wenige Minuten später hatte Marco Bode die Führung auf dem Fuß. Nach einem erneuten Solo von Torsten Frings, stand Werders Nummer 17 allein vor dem Tor von Pieckenhagen. Vom Anspiel überrascht, traf Bode den Ball nicht richtig und machte dem HSV-Keeper die Arbeit leicht.

 

Mit einem Wechsel begannen die Bremer die zweite Spielhälfte. Für den Schweizer Ludovic Magnin kam Paul Stalteri ins Spiel. Mit dem Anpfiff der zweiten Hälfte drängten die Grün-Weißen den HSV zunehmend in die Defensive. Mit gefährlichen Kontern gelang es den Elbestädter dennoch sich aus dem Abwehrverband zu lösen. Einen dieser Tempogegenstöße verpasste Romeo nach einer Strafraumflanke nur knapp. In der 53. Minute sah Fabian Ernst nach einem Foul am Ex-Werderaner Wicky seine fünfte gelbe Karte. Die nächste Chance zur Führung hatten die Hamburger erneut durch einen Konter. Heinz setzte seinen Schuss jedoch ans Außennetz des Bremer Gehäuses. Die kurze Drangphase der Gäste beendet der SV Werder durch den zweiten Pfostenschuss des Spiels. Krisztian Lisztes hatte sich nach einem Anspiel von Ailton gegen zwei Hamburger Abwehrspieler durchgesetzt und abgezogen.

 

Pieckenhagen verwehrte Ailton seinen zehnten Saisontreffer

 

Eine Minute war es Ailton, der die nächste Riesenchance ausließ. Allein vor dem Tor von Pieckenhagen stehend, findet aber auch der Brasilianer kein Mittel, den Hamburger zu überwinden. Nur fünf Minuten nach seiner Einwechselung setzte sich Ivan Klanic, der für Ivica Banovic in die Partie kam, mit seiner ersten Torchance in Szene (65.). An der nächsten Bremer Möglichkeit war ebenfalls der Kroate beteiligt. Mit einem schönen Anspiel setzte er Ailton in Szene, der aus spitzen Winkel nur zu einem Verlegenheitsschuss kam. In dieser Spielphase war der SV Werder drückend überlegen und schnürte die Hamburger in ihrer Hälfte ein. Die nächste Einschussmöglickeit hatte Torsten Frings. Während Klasnic mit seinem Passversuch scheiterte, zog er freistehend vom Elfmeterpunkt ab. Abermals war es Pieckenhagen, der die längst fällige Bremer Führung verhinderte. Eine Viertelstunde vor Schluss stellte dann Romeo den Spielverlauf auf dem Kopf. Den Abschlag von Pieckenhagen verlängert Victor Skripnik mit dem Hinterkopf unglücklich in Richtung Werder-Tor und vor die Füße des HSV-Stürmers. Der Argentinier ließ sich diese unfreiwillige Vorlage nicht nehmen und verwandelte eiskalt zur unverdienten Führung. Das bisherige Spiel auf ein Tor verstärkte sich in der Folgezeit noch mehr. Ein Durcheinander in der HSV-Abwehr verleitet Hollerbach fast zu einem Eigentor per Kopf. Die letzte Ausgleichschance der Partie bot sich Ivan Klasnic. Nach einer schönen Flanke von Krisztian Lisztes parierte Pieckenhagen aber auch diesen Kopfball.

 

Andreas Einbock