1:4 in Stuttgart: Werder enttäuscht auf ganzer Linie

Schwarze Trikots, schwarzer Tag: Claudio Pizarro konnte sich gegen Serdar Tasci und die Stuttgarter nicht wie gewohnt durchsetzen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Den starken Auftritten der letzten Wochen folgte bittere Enttäuschung. Beim VfB Stuttgart kassierte Werder Bremen die zweite Saisonniederlage. Und die fiel mit 1:4 richtig happig aus. Sami Khedira (18.) und Christian Träsch (29.) sorgten schon früh für Ernüchterung bei den Grün-Weißen, die zu keiner Phase des Spiels ihren Rhythmus fanden. Auch ein wunderschönes Freistoßtor von Diego (65.) änderte daran nichts, zwei Minuten zuvor hatte Roberto Hilbert bereits auf 3:0 erhöht. Martin Lanig vervollständigte mit seinem Tor zum 4:1 (88.) einen aus Bremer Sicht rabenschwarzen Tag.

 

Pomadige erste Hälfte

 

Das erste von vier Gegentoren: Sami Khedira spielt Tim Wiese aus und schiebt zum Stuttgarter 1:0 ein.

Weil Per Mertesacker nach seiner Rotsperre zum Zuschauen verdammt war, änderte Cheftrainer Thomas Schaaf seine Viererkette auf einer Position. Clemens Fritz rückte auf die rechte Verteidigerposition, während Sebastian Prödl Mertesackers Platz in der Innenverteidigung einnahm. Schon die Anfangsminuten in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena verhießen nichts Gutes. Werder in der Spielanlage viel zu pomadig, fehlerhaft und ohne Biss. Ganz anders die Schwaben, die nach durchwachsenem Beginn eiskalt zuschlugen. Eine Kombination aus Direktpässen von Hilbert und Cacau landete bei Khedira, der Tim Wiese umkurvte und ins leere Tor einschob – 1:0.

 

Die Schaaf-Elf tat auch in der Folge zu wenig, um wirklich torgefährlich zu werden, hatte durch Markus Rosenberg (25.) aber immerhin eine erste kleine Chance. Jubeln durften wenig später erneut die Stuttgarter. Petri Pasanen köpfte nach einer Ecke ausgerechnet vor die Füße von VfB-Jungspund Träsch, der den Ball aus 20 Metern direkt nahm, optimal traf und in den rechten Giebel jagte. Während die Gastgeber aus einer sicheren Abwehr heraus nun auf Konter lauerten, war Werder in der Offensive gefordert. Doch es gelang nur wenig. Zu wenig. Einzig Rosenberg hatte nach 39 Minuten eine klare Möglichkeit, als die Stuttgarter vergeblich auf Abseits spekulierten und den Schweden allein auf Jens Lehmann zulaufen ließen. Rosenberg lupfte am VfB-Keeper, aber auch am Tor vorbei. Glück hatten die Werderaner kurz vor der Pause, als Schiedsrichter Herbert Fandel nach einem Foul von Prödl an Hilbert nicht auf Elfmeter erkannte.

 

Wechsel ohne Wirkung

 

Meist war für Markus Rosenberg und Co schon weit vor Torwart Jens Lehmann Endstation.

Doch auch zwei Tore Rückstand waren für Thomas Schaaf Grund genug, Personal und Taktik zu ändern. Im Mittelfeld musste der defensivere Frank Baumann für den offensiveren Aaron Hunt weichen, außerdem ersetzte Boubacar Sanogo im Angriff den blassen Claudio Pizarro. Die Maßnahme verpuffte, beide Einwechselspieler passten sich dem schwachen Niveau ihrer Kollegen an. Die Bremer bemühten sich zwar, agierten aber weiter einfallslos. Das Spiel lief meistens durch die Mitte, wo gegen gut sortierte und nun tiefer stehende Stuttgarter in der Regel schon vor dem Strafraum Schluss war.

 

Dennoch war das Spiel sehr unterhaltsam, hatte reichlich Chancen auf beiden Seiten zu bieten. Wobei Gomez (46., 57.), Tasci (51.) und Cacau (53.) dem dritten Tor näher waren als Sanogo (47.) und Rosenberg (54.) dem Anschlusstreffer. Und das 0:3 fiel dann auch, eingeleitet durch einen langen Abwurf des starken VfB-Schlussmanns Lehmann. Träsch sprintete auf der rechten Seite auf und davon, passte die Kugel an den Fünfmeterraum. Dort verpasste Khedira, doch hinter ihm war auch Hilbert frei und überwand Wiese zum dritten Mal (63.).

 

Diegos Freistoßtor lässt kurz hoffen

 

Zwei Minuten später keimte bei den Grün-Weißen noch einmal Hoffnung auf, als Diego einen Freistoß aus zentraler Position technisch hochwertig an den linken Innenpfosten zirkelte und zum 1:3 traf. Danach drückte Werder zwar, doch das Bremer Spiel blieb zu statisch, um die Schwaben ernsthaft in Gefahr zu bringen. Auch die Einwechslung von Stürmer Almeida für Innenverteidiger Prödl brachte keine Wende mehr.

 

Obwohl die Stuttgarter nach vorne so gut wie nichts mehr taten – einen Konter nutzten sie dank der gütigen Mithilfe der Bremer doch noch aus. Der gerade eingewechselte Martin Lanig drohte den Ball nach Hilbert-Pass schon zu vertändeln, wurde aber von Pasanen und Fritz nicht entscheidend gestört und versenkte die Kugel nach einigem Zögern schließlich doch noch – 4:1, Werder war bedient.

 

von Kevin Kohues