Werder verpasst „Big Point“ in Bielefeld

Steigert sich stetig, auch wenn ihm auf der Alm kein Tor gelang: Stürmer Markus Rosenberg.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat im Kampf um die Deutsche Meisterschaft einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Die Grün-Weißen verloren ihr Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld am 30. Spieltag mit 2:3 (0:1). Heiko Westermann schoss die Gastgeber in der 30. Minute in Führung. Miroslav Klose glich mit seinem 13. Saisontor nach 59 Minuten aus, doch nur zwei Minuten später brachte der eingewechselte Jonas Kamper Bielefeld erneut in Front. Werders „Joker“ Hugo Almeida stach ebenfalls, erzielte nur vier Minuten nach seiner Hereinnahme das 2:2 (74.). Aber Arminia schlug erneut zurück und kam durch Christian Eigler (80.) zum umjubelten Siegtor in einem hochdramatischen Spiel.

 

Cheftrainer Thomas Schaaf änderte seine Elf nach dem 0:3 im Uefa-Cup-Halbfinal-Hinspiel bei Espanyol Barcelona auf drei Positionen. Andreas Reinke rückte für den im Rückspiel gesperrten Tim Wiese ins Tor, Markus Rosenberg stürmte anstelle von Aaron Hunt, und Jurica Vranjes nahm den Mittelfeld-Platz von Daniel Jensen ein.

 

Pfosten-Pech für köpfenden Diego

 

Das Unheil nimmt seinen Lauf: Dieser unbedrängte, wuchtige Kopfball von Bielefelds Verteidiger Heiko Westermann landete im Werder-Tor.

Die abstiegsgefährdeten Bielefelder begannen die Partie forsch. Den ersten Torschuss feuerte Jörg Böhme bereits in der zweiten Minute ab, ohne Reinke damit vor Probleme zu stellen. Es entwickelte sich ein schnelles, intensives, packendes Spiel. Werders erster gelungener Angriff beschwor direkt Gefahr herauf. Nach Doppelpass mit Torsten Frings schlug Clemens Fritz von der Grundlinie eine perfekte Flanke auf den Kopf von Diego, doch der kleine Brasilianer traf nur den Innenpfoste, und Robert Tesche klärte den Abpraller vor dem einschussbereiten Miroslav Klose (7.). Vier Minuten später schnupperte der Nationalstürmer nach einem langen Ball von Frings erneut am Torerfolg, zögerte aber einen Tick zu lange mit dem Abschluss. Es ging hin und her: Auf der Gegenseite ging Tesche auf Tauchstation und prüfte Reinke mit einem Flugkopfball; eine glänzende Reaktion des 38-Jährigen bewahrte Werder vor dem Rückstand.

Bielefeld versteckte sich nicht, doch Werder erarbeitete sich in der Folge ein deutliches Plus in punkto Ballbesitz und Chancen. Beispielsweise legte Jurica Vranjes uneigennützig auf Markus Rosenberg quer – selbst abzuschließen wäre allerdings die bessere Variante gewesen (21.). Wenig später setzte sich Diego imposant gegen zwei Gegenspieler durch und bediente den mitgelaufenen Frings, doch dessen Schuss strich über die Latte.

 

Westermann nutzt Nachlässigkeit

 

Werder war am Drücker, doch eine Standardsituation leitete die zu diesem Zeitpunkt überraschende Führung für die Arminia ein. Der auffällige Jörg Böhme zog eine scharfe Freistoßflanke in den Strafraum, wo Heiko Westermann aus vollem Lauf völlig ungedeckt und mit Wucht einköpfte (30.). Bielefeld ruhte sich nicht auf dem 1:0 aus, sondern wollte offensichtlich nachlegen. Immer wieder brachten die Ostwestfalen die nun etwas fahrigen Grün-Weißen in Verlegenheit, vor allem über ihre starke linke Seite mit Böhme und Tobias Rau. Werder schleppte sich in die Pause, auch wenn Naldo per Freistoß (41.) und Diego (45.) nochmal für Gefahr sorgten.

 

Werder erzwingt den Ausgleich

 

Thomas Schaaf brachte für den zweiten Durchgang mit Daniel Jensen (für Baumann) und Aaron Hunt (für Vranjes) zwei frische, offensivere Leute und damit auch eine klare Botschaft: Wir wollen den Ausgleich! Und seine Mannschaft hängte sich richtig rein. Eine Doppelchance durch Klose und Rosenberg hätte eigentlich schon das 1:1 bedeuten müssen, wenn nicht Arminia-Torwart Mathias Hain zweimal fantastisch reagiert hätte (51.). Doch wenig später erzwang Werder das Tor dann doch. Nach einer Ecke von Hunt stieg Klose zum Kopfball hoch, zunächst rettete Böhme auf der Linie, aber Klose setzte nach und drückte den Ball über die Linie (59.).

 

“Joker“ Kamper und Almeida stechen

 

Rackerte, kämpfte, traf und bereitete das zweite Tor vor: Miroslav Klose. Trotzdem hatte er am Ende keinen wirklichen Grund zur Freude.

Dumm nur, dass das verdiente 1:1 von äußerst kurzer Dauer war. Denn zwei Minuten später verwertete Einwechselspieler Jonas Kamper einen Steilpass von Tesche mit einem trockenen Schuss aus 13 Metern ins linke untere Eck zur erneuten Führung für die Bielefelder. Christian Eigler hätte sogar das 3:1 nachlegen können, ehe Werder sich zurückmeldete. Mit der Einwechslung von Hugo Almeida für Petri Pasanen bewies Thomas Schaaf einmal mehr sein glückliches Händchen in Sachen „Joker“.

Die Zeichen standen jetzt auf totale Offensive, und der Portugiese mischte keine vier Minuten mit, ehe sich seine Hereinnahme bereits auszahlte. Einen großen Anteil am Kopfballtor von Almeida hatte Klose, der sich den Ball vorher erst erkämpft und dann bestens getimt in den Strafraum geflankt hatte (74.). Danach hatte Almeida nach einem Konter und Pass von Hunt sogar ein zweites Tor auf dem Fuß, doch der Ball sprang ihm unmittelbar vor Hain zu weit vom Fuß – der Bielefelder Schlussmann konnte klären (77.).

 

Eiglers Tor entscheidet

 

Es blieb aber nicht beim Unentschieden. Erneut schlugen die aufopferungsvoll kämpfenden Bielefelder kaltschnäuzig zurück und kamen durch Eigler zum 3:2 (80.). Pech für Werder: Nach der Flanke von Masmanidis behinderten sich Torwart Reinke und Abwehrspieler Naldo – ansonsten Bremens Bester – gegenseitig und ermöglichten Eigler so die Einschussmöglichkeit aus drei Metern. In der Schlussphase rannten die Grün-Weißen dem neuerlichen Ausgleich vergeblich hinterher, Bielefeld brachte den Sieg nicht unverdient über die Zeit.

Werder Bremen vergab in Bielefeld nicht nur einen „Big Point“ sondern verlor zu allem Überfluss auch noch drei Spieler. Naldo, Aaron Hunt und Hugo Almeida kassierten allesamt ihre fünfte gelbe Karte und sind somit am nächsten Sonntag bei Hertha BSC Berlin zum Zuschauen verdammt.

 

von Kevin Kohues