Trotz frühem Valdez-Tor und Überzahl nur 1:1 in Wolfsburg

Nelson Valdez hatte in Wolfsburg schon nach sechs Minuten Grund zum Jubeln.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen muss sich am 30. Spieltag der Bundesliga mit einem 1:1 (1:1) beim VfL Wolfsburg begnügen. Die Grün-Weißen schafften es im Nordderby trotz früher Führung und einer Roten Karte gegen Wolfsburgs Quiroga (26.) nicht, ihre spielerische Überlegenheit in einen Sieg umzumünzen.

 

Zum ersten Mal in dieser Saison schickte Cheftrainer Thomas Schaaf die gleiche Elf wie in der Vorwoche auf den Platz. Nelson Valdez erhielt demzufolge im Angriff erneut den Vorzug vor Ivan Klasnic. Und der quirlige Paraguayer rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers schon nach sechs Minuten. Nach einer langen Freistoßflanke von Fahrenhorst aus dem Mittelfeld blieben Klose und Micoud Sieger im Kopfballduell, dann bediente Owomoyela Valdez, der Wolfsburgs Keeper Jentzsch aus kurzer Distanz keine Chance ließ – das frühe 0:1.

 

Anstatt die anfangs verunsicherten Wolfsburger weiter unter Druck zu setzen, ließen die Werderaner dann aber die Zügel schleifen. Die abstiegsbedrohten Gastgeber kämpften sich ins Spiel und kamen durch einen Kopfball von Hanke, der knapp neben dem rechten Pfosten aufsetzte, zu ihrer ersten guten Torchance. Werder-Torwart Tim Wiese, der auf dem falschen Fuß erwischt wurde, hätte keine Abwehrmöglichkeit gehabt (12.).

 

Abwehrfehler führt zum Ausgleich

 

Erstmals in dieser Saison trugen Naldo und Co. in einem Bundesliga-Spiel das silber-rote Event-Trikot. Rechts Wolfsburgs Mike Hanke.

Zehn Minuten später musste Wiese dann tatsächlich hinter sich greifen. Zwar rettete er einen Flugkopfball von Hristov zunächst, doch der Ball hatte die Torlinie bereits überschritten. Schnoor stocherte die Kugel dann im Nachschuss endgültig in den Bremer Kasten. Vorausgegangen war eine Ecke von Karhan, bei der die Bremer Abwehr eine klare Zuordnung vermissen und sowohl Torschütze Hristov als auch Marlet, die beide zum Kopfball abtauchten, unbedrängt ließ.

 

Das Tor gab den „Wölfen“ weiter Auftrieb, doch zum Glück für die Bremer offenbarten sie eklatante Schwächen im Abschluss. Zudem gerieten die Gastgeber schon nach 26 Minuten in Unterzahl, als Quiroga wegen allzu ungestümen Einsteigens gegen Klose eine vertretbare Rote Karte erhielt. Doch es gelang Wolfsburg auch mit zehn Spielern weiterhin, die Bremer Hintermannschaft gehörig ins Schwitzen zu bringen. So verpassten die unbewachten Hristov und Hanke nach einem langen Ball von Schnoor nach einer halben Stunde die große Chance in Führung zu gehen. Die von einer Vierer- auf eine Dreierkette umgestellte Wolfsburger Abwehr geriet vor der Pause nur noch einmal in Bedrängnis. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Micoud zog Owomoyela aus 20 Metern ab, doch Jentzsch hielt sicher (39.).

 

Jensen verpasst zweites Saisontor

 

Die Halbzeitansprache von Thomas Schaaf dürfte deutlich ausgefallen sein, denn seine Mannschaft kam mit merklich mehr Dampf aus der Kabine. Die Werderaner machten in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte Dauerdruck und schnürten Wolfsburg ein. Trotz der Überzahl endeten die meisten Angriffsversuche aber in der dicht gestaffelten gegnerischen Abwehr. Zur einzigen wirklich hochkarätigen Chance gelangten die Werderaner in der 63. Minute, als Nelson Valdez an der Strafraumgrenze per Kopf auf den kurz zuvor eingewechselten Daniel Jensen ablegte. Der technisch beschlagene Däne ließ drei VfL-Akteure aussteigen und feuerte einen starken Schuss ab, der aber „nur“ den rechten Außenpfosten des

Wolfsburger Tores streifte.

 

Schwalbe: Dieses vermeintliche Foul an Steve Marlet brachte Frank Fahrenhorst die Gelbe Karte von Schiedsrichter Dr. Fleischer ein. Der Wolfsburger hatte bereits vor der Berührung mit Fahrenhorst abgehoben.

Damit endete die Bremer Druckphase ohne zählbaren Erfolg, und die nächsten Minuten gehörten den aufopferungsvoll kämpfenden Gastgebern. Tim Wiese unterlief einen von Marlet in den Strafraum geflankten Freistoß und hatte Glück, dass Hanke den Ball nicht mehr erreichen konnte (70.). Dies blieb die einzige nennenswerte Chance der „Wölfe“, doch auch Werder hatte nicht mehr viel zu bieten. Einzig der eingewechselte Klasnic hatte nach einem sehenswerten Pass von Borowski noch einmal den Siegtreffer auf dem Fuß, doch sein Schuss zischte etwa einen Meter links am Tor vorbei (80.).

 

Die Punkteteilung im Nordderby war am Ende gerecht, da Werder mit einer mäßigen Leistung weder aus seiner frühen Führung noch aus der Roten Karte gegen Quiroga Kapital schlagen konnte. Das 1:1 reicht den Grün-Weißen zwar, um Verfolger Schalke (1:1 gegen Köln) auf Distanz zu halten, der Rückstand auf den Hamburger SV (2:0 in Duisburg) aber ist nun schon auf fünf Punkte angewachsen.

 

von Kevin Kohues

 

 

 

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 1:1 (1:1)

 

VfL Wolfsburg: Jentzsch - Alex, Quiroga, Schnoor, van der Heyden - Sarpei (19. van der Leegte) - Karhan, Hristov (61. Franz), Menseguez (85. Lamprecht) - Hanke, Marlet

 

Werder Bremen: Wiese - Pasanen (86. Andreasen), Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Vranjes - Owomoyela (63. D. Jensen), Micoud, Borowski - Klose (67. Klasnic), Valdez; auf der Bank: Vander, Lagerblom

 

Tore: 0:1 Valdez (6.), 1:1 Hristov (22.)

 

Bes. Vorkommnis: Rote Karte gegen Quiroga (27., rohes Spiel)

 

Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)

 

Volkswagen-Arena: 27000

 

Gelbe Karten: Lamprecht - Valdez, Fahrenhorst, Andreasen

 

Torschüsse: 9 : 13

 

Ecken: 5 : 3

 

Flanken: 8 : 21

 

Ballkontakte: 43% : 57%

 

Gewonnene Zweikämpfe: 44% : 56%

 

Fouls: 17 : 23

 

Abseits: 7 : 5

 

Die meisten Torschüsse: Hanke (5) – Borowski (3)

 

Die meisten Torschussvorlagen: Karhan, Marlet (3) – Micoud (3)

 

Die meisten Ballkontakte: Karhan (65) – Schulz (92)

 

Die Zweikampfstärksten: Van der Heyden, Hristov, Schnoor (60%) – Pasanen (82%)