"Blitzstart": Werder stellt die Weichen früh auf Sieg

Aaron Hunt stand erneut in der Startelf
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Generalprobe gelungen: Vier Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon gewann der deutsche Meister Werder Bremen am 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 4:1 bei Hannover 96 und verteidigte damit seinen dritten Tabellenplatz. Für Werder war es der vierte Sieg in Folge. Magnin (5.) und Borowski (7.) brachten die Grün-Weißen mit einem Doppelschlag früh in Führung. Hannovers Zuraw verkürzte zwar kurz vor dem Wechsel auf 1:2, aber das Team von Trainer Thomas Schaaf schlug im Stile einer Spitzenmannschaft zurück. Fabian Ernst mit einem Traumtor (62.) und der eingewechselte Zidan (85.) machten Werders sechsten Auswärtssieg der laufenden Saison perfekt.

 

Im Vergleich zum 2:0-Erfolg von letzter Woche gegen Borussia Mönchengladbach änderte Thomas Schaaf seine Startformation auf einer Position. Für den grippekranken Miroslav Klose nahm Nelson Valdez den Platz neben Aaron Hunt im Sturmzentrum ein.

 

Der deutsche Meister legte in der gut gefüllten AWD-Arena los wie die Feuerwehr: Nach einem Foul an Tim Borowski tief in der Hälfte der Hannoveraner legte sich Ludovic Magnin den Ball in unmittelbarer Nähe der rechten Eckfahne zurecht. Mit seinem starken linken Fuß zirkelte der Schweizer den Freistoß an der Mauer vorbei, Torwart Robert Enke sah die Kugel zu spät und hatte keine Abwehrmöglichkeit. Ein Traumstart für die Bremer, die so bereits nach fünf Minuten durch Magnins zweiten Saisontreffer in Führung gingen. Und es sollte noch besser kommen. Nur 120 Sekunden später, Hannover 96 befand sich immer noch im Schockzustand, erhöhte Tim Borowski auf 2:0 für den Titelverteidiger. Was war geschehen? Youngster Aaron Hunt passte in der Mitte der gegnerischen Hälfte rechts heraus auf Fabian Ernst, der aus vollem Lauf und mit gutem Auge vor das Tor der Hausherren flankte. Dort nahm der heranstürmende Tim Borowski den Ball volley und vollstreckte zum 2:0.

 

Werder mit kurzer Schwächeperiode vor der Pause

 

Hannover 96 brauchte lange, um sich von diesem frühen Doppelschlag der Bremer zu erholen. Werder war den Hausherren in der ersten halben Stunde in fast allen Belangen überlegen, trat unglaublich souverän auf, kombinierte sehenswert und war auch in punkto Zweikampfverhalten bissiger. Es dauerte bis zur 25. Minute bis die Niedersachsen erstmals gefährlich vor dem Tor von Andi Reinke auftauchten. Nach einer Krupnikovic-Ecke stieg der Ex-Werderaner Dabrowski zum Kopfball hoch, aber Paul Stalteri rettete für seinen geschlagenen Goalie auf der Linie. Der deutsche Meister blieb allerdings bei seinen Gegenstößen stets gefährlich und hätte in der 33. Minute fast auf 3:0 erhöht. Pasanens Kopfball-Vorlage (nach Eckstoß Micoud) nahm der etwas überraschte Aaron Hunt ebenfalls per Kopf an, der Youngster verfehlte das Tor aber um etwa einen halben Meter. Die letzten Minuten vor der Pause gehörten dann den Hausherren, die sich jetzt immer mehr zutrauten und vor allem durch Standardsituationen für Verwirrung in der Bremer-Defensive sorgten. In der 38. Minute schaffte Hannover den Anschlusstreffer: Eine Krupnikovic-Ecke landete auf dem Kopf von Vinicius, der zu Zuraw weiterleitete. Der Pole köpft das Leder wuchtig aus vier Meter gegen die Unterkante der Latte, von da sprang der Ball hinter die Linie. Die bis dahin so sicher agierende Mannschaft von Coach Thomas Schaaf trat in dieser kritischen Phase zu passiv auf, rettete aber den knappen (und verdienten) Vorsprung in die Halbzeit-Pause.

 

Nach dem Seitenwechsel gestaltete sich die Begegnung zunächst ausgeglichen, das Spielgeschehen spielte sich überwiegend im Mittelfeld ab. „96“ ging engagiert zur Sache und drückte weiter aufs Tempo, die Bremer fanden zurück zu ihrer geordneten und souveränen Spielweise. Beide Teams setzten durch einen Krupnikovic-Freistoß (56.) und einem Baumann-Kopfball Akzente (60.). Die Vorentscheidung zugunsten der Grün-Weißen fiel dann in der 62. Minute. Nach einem sehenswert vorgetragenen Angriff (bei dem das Mittelfeld schnell überbrückt wurde) trieb der überragende Fabian Ernst den Ball nach vorne und passte auf die rechte Seite zum quirligen Aaron Hunt. Der sah im 16-Meter-Raum der Hausherren gekonnt die Lücke und setzte seinen mitgelaufenen Passgeber in Szene. Nationalspieler Ernst krönte seine Leistung mit einem Drehschuss aus elf Metern ins rechte untere Eck zum 3:1 für Werder.

 

"Joker" Zidan erzielt zweiten Saisontreffer

 

Hannovers Gegenwehr war nach dem dritten Gegentreffer endgültig gebrochen, die Männer von der Weser dominierten die Partie wieder nach Belieben und spielten sich weitere gute Gelegenheiten heraus. Zunächst zwang Nelson Valdez (nach Vorarbeit Tim Borowski) 96-Keeper Robert Enke zu einer Glanztat (65.), kurze Zeit später war es Aaron Hunt, der mit einem Rechtschuss von der linken Seite nur knapp das Ziel verfehlte. In der 83. Minute verließ Hunt den Platz in der AWD-Arena, für den Nachwuchsstürmer wechselte Thomas Schaaf Neuzugang Mohamed Zidan ein. Und der hatte fünf Minuten vor dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Herbert Fandel seinen großen Auftritt: Der Ägypter schnappte sich zehn Meter in der gegnerischen Hälfte den Ball und ging auf und davon. Im Stile eines Klassestürmers setzte sich Werders Neuzugang gegen Hannovers Abwehrspieler Zuraw durch und ließ Enke mit einem staubtrockenen Flachschuss keine Abwehrmöglichkeit, 4:1 für Werder.

 

Der Meister ließ über die gesamte Spieldistanz keinen Zweifel am Erfolg aufkommen und untermauerte mit einem souveränen Auftritt in der AWD-Arena seine Champions-League-Ansprüche. Werder scheint gerüstet für das Aufeinandertreffen mit Olympique Lyon am kommenden Mittwoch.

 

von Klaus Bellstedt

 

 

Werder Bremen: Reinke - Stalteri, Ismaël, Pasanen, Magnin - Baumann, Borowski (74. Jensen), Ernst (88. Schulz), Micoud - Valdez, Hunt (83. Zidan)

 

Hannover 96: Enke - Cherundolo, Vinicius, Zuraw - Lala (79. Christiansen), Dabrowski, de Guzman, Krupnikovic -Schröter (79. Kaufman), Paunovic (63. Stajner), Stendel

 

Tore: 0:1 Magnin (5.), 0:2 Borowski (7.), 1:2 Zuraw (38.), 1:3 Ernst (62.), 1:4 Zidan (85.)

 

Gelbe Karten: Magnin, Baumann (beide Werder), Cherundolo (Hannover 96)

 

Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)

AWD-Arena: 41.862 Zuschauer

 

Torschüsse: 13 : 6 ( alle Angaben aus Werder-Sicht)

Ecken: 5 : 6

Flanken 13 : 13

Ballkontakte: 46% : 54%

Gewonnene Zweikämpfe: 47% : 53%

Fouls: 22 : 10

Abseits: 3 : 4

 

Die meisten Torschüsse: Magnin, Micoud, Valdez (alle Werder) je 2 x – Vinicius, Dabrowski (beide Hannover 96) je 3 x

 

Die meisten Torschussvorlagen: Borowski, Valdez (beide Werder) je 3 x – Krupnikovic (Hannover 96) 6 x

 

Die meisten Ballkontakte: Ismael, Stalteri (beide Werder) 68 x – de Guzman (Hannover 96) 99 x

 

Die Zweikampfstärksten: Ismael (Werder) 71 % - Zuraw (Hannover 96) 61 %.