Werder kassiert Ausgleich in letzter Sekunde: 1:1 gegen Hertha

In der 80. Minute erzielte Angelos Charisteas das 1:0, in letzter Minute musste Werder später allerdings noch den Ausgleich hinnehmen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Sie sahen schon wie der sichere Sieger aus. Bis zur Nachspielzeit führte Werder gegen Hertha BSC durch ein spätes Tor des eingewechselten Angelos Charisteas mit 1:0. Dann köpfte Alexander Madlung eine Marcelinho-Ecke unhaltbar für Andi Reinke in die Maschen und die Grün-Weißen wurden um den verdienten Lohn ihrer Arbeit gebracht. Am Ende hieß es im Olympiastadion 1:1-Unentschieden. Eine Punkteteilung, die für Werder aufgrund des Zeitpunkts des Zustandekommens wie eine Niederlage wirkte.

Cheftrainer Thomas Schaaf nahm im Vergleich zum glanzvollen 5:1-Erfolg gegen den RSC Anderlecht nur eine Änderung vor. Der wieder genesene Tim Borowski rückte für den in der Bundesliga gesperrten Ludovic Magnin in die Startformation.

Beide Teams begegneten sich einander mit viel Respekt und beschränkten sich zunächst auf Ballsicherung. Das Spielgeschehen ereignete sich in erster Linie zwischen den Strafräumen, Torchancen blieben hüben wie drüben lange Zeit Mangelware. Hinzu kam, dass Schiedsrichter Albrecht von den Akteuren dazu gezwungen wurde, die Begegnung aufgrund vieler kleinerer Fouls häufig zu unterbrechen. Echter Spielfluss und Kombinationsfußball konnte so nicht zustande kommen.

Viele Spielunterbrechungen und hohe Fehlerquote

Die Grün-Weißen wirkten in der ersten halben Stunde insgesamt etwas stärker, weil sie mit guter Raumaufteilung oftmals Überzahlsituationen schufen, daraus aber kein Kapital schlugen konnten. So waren es die Berliner, die in der 28. Minute zu ihrer ersten guten Gelegenheit kamen. Marcelinho zirkelte einen Freistoß aus halbrechter Position mit seinem starken linken Fuß vor das Werder-Tor. Der Ball „segelte“ an Freund und Feind vorbei, verfehlte aber um gut einen halben Meter das Gehäuse. Es dauerte bis zur 38. Minute bis Werder erstmals halbwegs gefährlich vor dem Tor von Hertha-Keeper Christian Fiedler auftauchte. Johan Micoud fasste sich ein Herz und zog aus 22 Metern mit links ab. Die Kugel „zischte“ aber gut und gerne zwei Meter rechts am Berliner-Tor vorbei ins Aus.

Nach dem Wechsel bot sich den Zuschauern im Berliner Olympiastadion zunächst das gleiche Bild. Die Fehlerquote blieb auf beiden Seiten hoch, vieles entsprang dem Zufall. So auch Herthas nächste Chance aus der 60. Minute. Nach einem Konter über Nico Kovac und Gilberto fiel der Ball aus dem Getümmel vor die Füße von Marcelinho, der aus 20 Metern Maß nahm. Doch der Brasilianer zielte zu ungenau und drosch das Leder einen halben Meter über die Querlatte. Kurz danach scheiterte Stürmer Nando Rafael frei vor dem glänzend reagierenden Reinke mit einem Schuss von der Strafraumkante (66.). Bis zu diesem Zeitpunkt war das die größte Gelegenheit in diesem Spiel.

Charisteas trifft zur Führung

Werder hatte auch in der zweiten Hälfte mehr Ballkontakte zu verzeichnen, wirkte aber insgesamt nicht entschlossen genug. Cheftrainer Thomas Schaaf reagierte und brachte mit Valdez für Klose (61.) sowie Charisteas für Klasnic (71.) zwei frische Angreifer. Und diese Maßnahme sollte sich schon bald auszahlen. Nach einem Foul von Nico Kovac an Werders griechischen Europameister entschied Schiri Albrecht auf Freistoß. Fast von der rechten Seitenlinie aus brachte Johan Micoud diesen mit Schnitt nach innen. Dort setzte sich Charisteas gegen Bobic durch und vollendete mit links aus sechs Metern unhaltbar für Fiedler zur viel umjubelten Bremer-Führung (80.). Die Grün-Weißen zogen sich nun geschickt zurück und lauerten auf Konter. Einer davon hätte fast die Entscheidung herbeigeführt. Micoud bediente auf der rechten Seite den eingewechselten Ümit Davala. Der Türke sah in der Mitte den aufgerückten Tim Borowski, der die genau getimte Flanke auch annahm. „Boros“ Kopfball aber trudelte um wenige Zentimeter rechts am leeren Tor vorbei ins Aus (86.).

So kam es wie es kommen musste: Als sich die Mehrheit der Zuschauer schon mit einer Niederlage der Heim-Mannschaft abgefunden hatte, trat der Brasilianer Marcelinho in der Nachspielzeit zum Eckball an. In der Mitte schraubte sich Herthas Alexander Madlung am höchsten und beförderte die Kugel per Kopf unhaltbar für Andi Reinke über die Torlinie. Unmittelbar nach dem 1:1 ertönte der Schlusspfiff.

Es war ein schmeichelhafter Punktgewinn für die Berliner, die zwar über die gesamte Distanz die größeren Chancen besaßen, aber in ihrer Spielanlage fehlerhafter waren. Werder verpasste es, nach dem späten Führungstor nachzulegen und so für die Entscheidung zu sorgen.

Klaus Bellstedt

Werder Bremen: Reinke - Stalteri, Ismaël, Baumann, Schulz - D. Jensen (85. Davala), Ernst, Borowski, Micoud - Klose (61. Valdez), Klasnic (70. Charisteas).

Hertha BSC: Fiedler - Schröder (69. Bobic), Madlung, Simunic, Fathi (84. Neuendorf) - N. Kovac, Müller, Bastürk, Marcelinho, Gilberto - Rafael (75. Wichniarek).

Tore: 0:1 Charisteas (80.), 1:1 Madlung (90.).

Gelbe Karten: D. Jensen, Borowski, Ernst (alle Werder), Schröder, N. Kovac (beide Hertha BSC Berlin).

Schiedsrichter: Hermann Albrecht (Kaufbeuren).
Olympiastadion: 40.000 Zuschauer.

Torschüsse: 6 : 10
Ecken: 2 : 6
Flanken 5 : 13
Ballkontakte: 47% : 53%
Gewonnene Zweikämpfe: 54% : 46%
Fouls: 19 :24
Abseits: 2: 1 (alles aus Werder-Sicht).

Die meisten Torschüsse: Klasnic, Micoud, Charisteas, Ernst, Borowski, Stalteri (alle Werder) je 1 x – Marcelinho (Hertha BSC Berlin) 4 x

Die meisten Torschussvorlagen: Valdez, Micoud, Schulz, Klasnic, Davala, Charisteas (alle Werder) je 1 x - N. Kovac, Bastürk, Marcelinho, Müller (alle Hertha BSC Berlin) je 2 x

Die meisten Ballkontakte: Micoud (Werder) 65 x – Fathi (Hertha BSC Berlin) 68 x

Die Zweikampfstärksten: Ismael (Werder) 79 % - Madlung (Hertha BSC Berlin) 82%.