Warten bis zum Anpfiff: Geduldsprobe für Diego und Hunt

Konnte am Mittowchabend seinen Teamkollegen beim Abschlussspiel nur zuschauen: Diego mit Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Zwei Namen standen am Bremer Flughafen kurz vor dem Anflug der Bremer nach Triest, nahe Udine, ganz oben auf der Themenliste. Diego und Aaron Hunt. Um den Einsatz des Brasilianers machte man sich die meisten Sorgen, der andere, zuletzt im Leistungsloch, scheint aus dieser Phase gerade auszubrechen.

 

Unter vier Augen: Cheftrainer Thomas Schaaf bespricht mit Diego dessen Situation.

"Ich hatte seinen Muskel heute noch nicht in der Hand, aber er wird sicher selbst wissen, ob er spielen kann oder nicht", rutschte es einem grinsenden Frank Baumann heraus, der wie jeder Werderaner am Mittwochmorgen nach einer Expertise zum Patienten Diego befragt wurde. Auch Vize-Kapitän Torsten Frings musste Fragen zum Teamkollegen beantworten, fühlte sich aber ebenfalls nicht wirklich in der Lage, ein medizinisches Gutachten zu erstellen. "Ich kann nur sagen, dass ich hoffe, dass er spielen kann. Und wenn es doch nicht geht, dann müssen wir es eben ohne hin hinbekommen."

 

Geschäftsführer Klaus Allofs hatte die Aufregung um den lädierten Muskel des Brasilianers bereits mitbekommen und sagte gleich mal prophylaktisch in die Kameras. "Wie es ihm heute morgen geht, dazu kann ich diesmal gar nichts sagen. Ich weiß es jetzt noch nicht." Grundlegende Sorgen machte sich der Europapokalsieger von 1992 aber nicht und stimmte alle Anwesenden schon mal auf einen eventuellen Ausfall Diegos ein. "Uns ist allen klar, dass er nur spielt, wenn er 100-prozentig fit ist. Nur dann bringt er uns weiter. Wenn das nicht der Fall sein sollte gibt es andere Spieler, die einspringen können. Es gibt ja auch ein paar Beispiele dafür, dass wir auch ohne Diego Spiele gewinnen können", so Allofs.

 

Thomas Schaaf weiß, dass er mit Aaron Hunt eine Alternative zur Hand hat, falls Diego nicht rechtzeitig fit wird.

Wie alle Werder-Anhänger wird auch die Mannschaft wohl in dieser Frage auf eine lange Geduldsprobe gestellt. Cheftrainer Thomas Schaaf baut schon mal vor: "Wir werden wohl bis kurz vor dem Spiel abwarten müssen, ob wir mit ihm antreten können. Es gibt noch Hoffnung, aber auch jede Menge Zweifel. Mal sehen was wir heute Abend beim Training für Informationen bekommen." Trainieren wird der Mittelfeldspieler aller Voraussicht nach nicht, das kündigte Diego in einem kurzen Statement an. "Ich kann heute sicher noch nicht am Training teilnehmen, das zeigt auch, wie schwer es wird, morgen aufzulaufen", so der Brasilianer.

 

Schaaf müsste sein Team erneut umbauen, denn er weiß, dass "uns Spieler wie Diego oder Daniel Jensen stärker machen. Sie sind nicht so einfach ‚eins zu eins’ zu ersetzen. Sie stehen für Tore und Kreativität. Aber wir haben auch Varianten, mit denen wir das auffangen können."

 

Damit rücken die Akteure des vergangenen Wochenendes wieder in den Fokus, zu denen auch Aaron Hunt gehörte. Der Offensivmann war Bestandteil der Variante, mit der Schaaf gegen Leverkusen, den Diego-Ausfall auffing. Dort zeigte der 22-Jährige seine aufsteigende Tendenz. "Nach seiner langen Verletzungspause war er zuletzt schon im Training immer viel besser, als dann in den Spielen. Aber gegen Leverkusen hat er gezeigt, dass er auf dem besten Wege ist, wieder seine Ziele erreichen zu können." Schaaf glaubt, dass Hunt auf seinem Weg zurück zu alter Stärke vor allem von seinem Durchhaltevermögen profitiert. "Er hat ja mit seinen Verletzungen in den vergangenen Jahren einen Zick-Zack-Kurs hingelegt. Dabei war er nicht nur über drei, vier Tage oder Wochen außer Gefecht, sondern meist über Monate. Aber es ist eine Qualität von ihm, dass er trotzdem immer wieder zurückgekommen ist und dann meist sehr schnell wieder an der Mannschaft dran war."

 

aus Udine berichtet Michael Rudolph