4:1 im Pokal-Nordderby gegen Hannover 96

Naldo verwandelte per Kopf zum 1:0-Führungstreffer.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Vor ausverkaufter Kulisse stand am Mittwochabend das nächste Nordderby auf dem Plan der Grün-Weißen. Hannover 96 empfing den Tabellendritten der Vorrunde der Fußball-Bundesliga, Werder Bremen. Cheftrainer Thomas Schaaf änderte nur auf einer Position im Gegensatz zur Partie gegen den Hamburger SV am vergangenen Sonntag. Ivan Klasnic rückte nach seiner langen Pause nach der Blinddarmoperation wieder in die Startelf. Der "K&K"-Sturm war wieder vereint und wollte topmotiviert das Jahr ausklingen lassen. Auch 96-Coach Peter Neururer wechselte: Für Ricardo Sousa kam Michael Delura ins Team.

Die Gastgeber setzten die Werderaner in der Anfangsphase bereits mächtig unter Druck. Doch "K&K" wussten zu kontern und nutzten in der 4. Minute eine Unachtsamkeit der 96er. Doch Klasnic bekommt den Ball im Strafraum nicht unter Kontrolle. Leon Andreasen, der erneut auf der linken Position agierte, machte eine großartige Partie. Sehr offensiv ausgerichtet, setzte er seine Gegenspieler immer wieder unter Druck. So musste Hanno Balitsch in der 13. Minute die Bremse ziehen und sah dafür die Gelbe Karte. Werders erste Riesenchance in der ersten Halbzeit: Patrick Owomoyela passte den Ball auf Johan Micoud, der leider den Ball über das Tor von Robert Enke schoss.

Offener Schlagabtausch zwischen den Teams

Kopfballduell zwischen Werder-Profi Petri Pasanen und Vahid Hashemian.

Das Spiel war zusehens unruhig geworden. Kleine Tätlichkeiten waren an der Tagesordnung, doch so richtig wollte das Nordderby nicht in Schwung kommen. Bei Hannover lief alles über rechts. Dabei fiel vor allem der für Ricardo Sousa spielende Michael Delura auf, dessen Vorstöße von Leon Andreasen und dem Rest der Werder-Abwehr aber gut in den Griff bekommen wurden. In der 33. Minute ein Hoffnungsschimmer und die nächste Großchance für die Gäste. Frank Baumann köpft, trifft aber nur den Pfosten des gegnerischen Tores. Danach verhaken sich die Beine von Altin Lala und Torsten Frings: Eine Schrecksekunde für jeden Werder-Fan. Frings musste an der Seitenlinie behandelt werden, kam aber wenig später wieder ins Spiel und legte einen Traumpass auf Miroslav Klose ab, der den Ball mit links jedoch weit über das Tor hinaus schoss. Die Partie entwickelte sich bis kurz vor der Halbzeit zu einem offenen Schlagabtausch.

Dann legten die Hannoveraner einen Schritt zu und Werder musste vor der Pause noch einmal richtig zittern. In der 43. Minute flankte Michael Tarnat auf Jiri Stajner, der zieht von der Strafraumgrenze ab, aber Andreas Reinke pariert erstklassig. Gleich im Anschluss die nächste Großchance der Gastgeber. Brdaric versucht es von rechts, den in letzter Zeit häufig in die Kritik geratenen Andi Reinke zu überwinden, doch wieder eine überragende Parade. 96-Profi Vahid Hashemian nutzt den Nachschuss und haut das Leder voll an die Latte. Dann der erlösende Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Dr. Merk.

Doch Werder wurde auch nach der Pause weiter von den 96ern unter Druck gesetzt und musste sich in vielen Situationen viel zu weit vor das eigene Tor zurückziehen. Hannovers vorerst letzte klare Möglichkeit folgte: Reinke kann den Ballnur wegfausten. Die Kugel landet bei Hashemian, der am richtigen Fleck steht und gelcih wieder abzieht. Doch Reinke gibt sich nicht geschlagen, setzt nach und lenkt den Ball auf der Torlinie zur Ecke. Ganze zehn Minuten der zweiten Halbzeit dauerte es, bis sich die Werderaner mehr und mehr Chancen herausarbeiteten. Nach einer Ecke von Torsten Frings stieg der Brasilianer Naldo zum Kopfball hoch. Torhüter Enke lenkte die Kugel an die Lattenunterkante, den Abpraller köpft Kapitän Lala wieder in den Strafraum, wo Naldo sich seine zweite Chance nicht entgehen lässt und zum 1:0 einköpft. Gleich im Gegenzug fällt der vermeintliche Ausgleichstreffer der Niedersachsen. Doch der Schiedsrichterassistent entscheidet auf Abseits.

Werders Strum und Drang-Phase begann

Das perfekte Weihnachtsgeschenk: Miroslav Klose gab seine Schuhe nach dem Pokalspiel einem Fan.

Es folgte die Sturm- und Drang-Phase der Grün-Weißen – Chancen im Minutentakt. Der für Ivan Klasnic eingewechselte Aaron Hunt flankt von rechts auf den für Vranjes in der Partie gekommenen Daniel Jensen, der den Ball perfekt vor die Füße von Johan Micoud spielt, doch 96-Keeper Enke parierte. Nächste Szene folgte umgehend: Miroslav Klose verliert im Strafraum den Boden unter den Füßen, prallt mit Robert Enke zusammen, beim Aufstehen wird der Werder-Profi vom Keeper behindert und Schiedsrichter Dr. Markus Merk entscheidet auf Elfmeter, den Frings sicher verwandelte. Wie bereits nach dem 1:0-Treffer kam im Gegenzug der Ausgleich der Gastgeber, diesmal zählte er. Pasanen rempelt Brdaric im Strafraum an, auch hier gab es Elfmeter. Der für Delura eingewechselte Sousa verwandelte zum 1:2-Anschlusstreffer.

Kurz vor Schluss die Überraschung: Patrick Owomoyela allein unterwegs auf das gegnerische Tor will den mitlaufenden Miroslav Klose bedienen, doch Hanno Balitsch hält den Fuß so unglücklich gegen den Schuss, dass der Ball in hohem Bogen ins Tor der 96er zum 3:1 abdriftet. Hannover stand völlig neben sich und wird von Werder doch noch abgeschossen. Micoud spielt den Ball auf den in der Mitte mitlaufenden Aaron Hunt, der den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals perfekt macht. 4:1-Endstand für die Grün-Weißen.

von Juliane Schramm