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Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Ein genialer Pass von Ivan Klasnic mit dem Außenrist auf Nelson Valdez, der 20-Jährige lässt den Ball ein Mal aufkommen und zieht ab auf das Lübecker Tor: Drin! 3:2 für Werder. Die Grün-Weißen haben einen 1:2-Rückstand gedreht und stehen sechs Minuten später im Finale des DFB-Pokals. Doch hinter dem Team von Cheftrainer Thomas Schaaf lagen 120 Minuten harter Kampf gegen einen gleichwertigen Gegner. Der VfB Lübeck hat den Bremern alles abverlangt, war zwei Mal in Führung gegangen und musste sich am Ende doch geschlagen geben.

Mit 10.000 Fans im Rücken war der VfB Lübeck an die Weser gereist und hatte sich für den Pokalabend viel vorgenommen. Bremen versuchte zwar von Beginn an das Spielgeschehen an sich zu reißen, doch die Gäste standen hinten sicher und brachten die Werderaner über den stark spielenden Jens Scharping immer wieder in Bedrängnis. Die erste Chance der Partie hatten aber die Hausherren. Nach einer Flanke von Christian Schulz legte Johan Micoud den Ball auf Ailton ab, der aus zehn Metern knapp am Tor vorbei schoss (3.).

Besser machten es der VfB, der seine erste Chance gleich zur Führung nutzte. Jedoch mit Bremer Unterstützung. Mladen Krstajic verlängerte eine von Jens Scharping getretene Ecke ins eigene Tor (11.). Direkt nach Wiederanpfiff waren wieder die Bremer am Zug. Aus zentraler Position spielte Frank Baumann auf den am Lübecker Strafraum stehenden Fabian Ernst, der aus zwölf Metern den Ball über das gegnerische Gehäuse jagte (12.).

Ailton mit Lattenschuß in der 89. Spielminute

Es entwickelte sich von nun an ein offener Schlagabtausch mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Nach siebzehn Minuten wurde es wieder gefährlich vor dem Bremer Strafraum. Jens Scharping passte zu Timo Achenbach, dessen Flachschuss von der Strafraumgrenze von Werder-Keeper Andreas Reinke um den Pfosten gelenkt wurde. Ein leichtes Chancenplus verzeichneten jedoch die Bremer. Einen Schuss von Ailton kratzte die Lübecker Hintermannschaft nach einer Lisztes-Ecke von der Linie (28.), Lisztes Schuss aus rechter Position wurde zur Ecke geklärt (32.) und nach einem missglückten Schussversuch von Ivan Klasnic segelte Ailton an dem Ball vorbei (35.).

Der Beginn der zweiten Hälfte gehörte den Bremern. Während Mladen Krstajic‘ Freistoß aus 25 Metern noch sichere Beute für VfB-Torwart Maik Wilde war 49.), musste sich der Lübecker Schlussmann kurze Zeit später geschlagen geben. Frank Baumann passte auf die rechte Außenbahn zu Mladen Krstajic und die darauffolgende Flanke köpfte Johan Micoud zum 1:1 ein (54.). Doch trotz des Ausgleichs war auch weiterhin von einem Klassenunterschied zwischen beiden Teams nichts zu spüren. Erst verfehlte ein Freistoß von Ferydoon Zandi nur knapp das Bremer Tor (65.), wenig später startete der eingewechselte Farai Mbidzo ein tolles Solo von der Mittellinie aus, passte auf den völlig freistehenden Timo Achenbach, der aus zehn Metern ebenfalls am Ziel vorbei schoss (70.).

Chancen jetzt fast im Minutentakt: Erst blieben Ivan Klasnic (76.) und Ailton (81.) bei ihren Schussversuchen erfolglos, auf Lübecker Seite verfehlte Scharping aus 20 Metern knapp den Bremer Kasten (85.). Letzte Chance für Ailton. Aber der Brasilianer traf nur die Latte (89.). Verlängerung!

Nelson Valdez erlöste 30.000 Werder-Herzen

Die Verlängerung begann wie die erste Halbzeit. Mit einem Tor für Lübeck. Nach einer Unaufmerksamkeit in der Bremer Hintermannschaft gingen die Gäste durch Zandi wiederum in Führung (94.). Cheftrainer Thomas Schaaf setzte nun alles auf eine Karte und brachte mit Nelson Valdez und Angelos Charisteas Stürmer Nummer drei und vier. Und die Einwechselungen machten sich bezahlt. Der 20-jährige Valdez sorgte für viel Wirbel und hatte bereits nach wenigen Minuten den Bremer Ausgleich auf dem Fuß. Doch VfB-Spieler Zandi rettete den Ball vor der Linie (108.).

Werder gab sich nicht geschlagen. Tim Borowski passte auf Ailton. Werders "Kugelblitz" drehte sich am Strafraum und schlenzte den Ball unhaltbar für Keeper Wilde ins Tor (111.). Die Bremer blieben nun dran. Nach einem abgewehrten Freistoß von Johan Micoud kam Christian Schulz aus dem Hinterhalt frei zum Schuss. Doch auch dieses Mal fehlten nur Zentimeter (113.). Und dann kam der geniale Pass von Ivan Klasnic mit dem Außenrist, den Nelson Valdez zum Siegtreffer nutzte und die 30.000 Bremer Fans in ein Meer von grün-weißem Jubel sinken ließ (114.). Es war geschafft. Bremen steht im Pokalfinale in Berlin. Doch ein Riesenrespekt vor der Leistung des VfB Lübeck, die für einen der spannendsten Pokalabende im Bremer Weser-Stadion gesorgt hat.

Norman Ibenthal