Sampdoria demonstriert fast grenzenlose Zuversicht

Im Stadio Luigi Ferraris entscheidet sich morgen, ob Werder in diesem Jahr an der Champions League teilnimmt
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Ein bisschen sind sie selbst über die eigene Euphorie verwundert, die trotz der 1:3-Hinspiel-Niederlage in Genua immer noch herrscht. Jeder denkt hier an das Weiterkommen, jeder glaubt, dass Werder noch scheitern wird. Die etwas ungläubigen Nachfragen der italienischen Journalisten nach dem Grund dieses grenzenlosen Selbstvertrauens beantwortete Starstürmer Giampaolo Pazzini so: „Das späte Tor in Bremen hat uns einiges eröffnet. Uns werden morgen über 30.000 Fans nach vorn schreien

Strahlten sehr viel Selbstbewusstsein aus: Sampdorias Trainer Domenico Di Carlo und Stürmer Giampaolo Pazzini

und wir haben schon genug Eigenantrieb. Dazu haben wir 90 Minuten, vielleicht auch 95 Minuten Zeit. Das ist sehr viel. Da kann einiges passieren“, so der neunfache italienische Nationalspieler, der mit der Selbstvertrauen-Präsentation gar nicht mehr aufhören wollte. „Es ist komischerweise so, dass wir aus dem Hinspiel trotz des Ergebnisses sehr viel Stärke mitgenommen haben. Die Qualifikation für die Champions League war für uns eine Wundertüte. Keiner wusste, was international auf uns zukommt, doch in Bremen haben wir gesehen, das wir mithalten können. Wir hatten ein bisschen Pech in den entscheidenden Situationen. Es hätte auch anders laufen können. Wir haben ein starkes Werder gesehen, aber auch ihre Schwächen. Wir haben es morgen in der eigenen Hand, wir haben die Mittel dazu.“

 

Die Worte aus Patzinis Mund haben Trainer Domenico Di Carlo sehr gut gefallen, denn sie spiegeln genau seine Denkweise wider. Gedanken ans Scheitern sind verboten: „Es stimmt, wir haben Werder mit Stärken und Schwächen erlebt und wenn jeder von uns an seine Leistungsgrenze geht, dann können wir das Ding mit unseren Zuschauern drehen. Das Stadion wird ausverkauft sein und mit den Fans im Rücken werden wir früh stören, viel laufen und schnell spielen. Das wird das Rezept sein.“

 

Dabei will der Sampdoria-Coach genau aufpassen, dass seine Mannen nicht überdrehen. „Wir dürfen uns aber auch nicht kopflos nach vorn ins Getümmel werfen. Das würde von Werder gnadenlos bestraft. Jeder muss im Kopf haben, dass wir ein ganzes Spiel Zeit haben. Zeit für zwei Tore oder für ein 3:1, das uns in die Verlängerung bringen würde.“

 

Die Heimstätte der Italiener ist in malerischer Umgebung gelegen

Eine Woche lang hat Di Carlo sein Team auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Ein kleiner Vorteil könnte der wirklich sehr schlechte Rasen im Stadion Luigi Ferraris sein, der so gar nicht in diesen internationalen Rahmen passt. Sehr hohe Halme, unterbrochen von vielen ausgebesserten Stellen, zahlreiche tiefe Löcher und die bespielbare Rasenfläche endet direkt mit der Außenlinie, die praktisch an einer Rasenkante verläuft. Dazu liegt die Spielfläche auf einem betonierten Untergrund (zentral unter dem Spielfeld verläuft ein Tunnel für Journalisten, die zwischen Pressekonferenz-Raum und Medientribüne pendeln). Die Italiener bestritten unter diesen Bedingungen am Samstagabend ein Testspiel. Sie wissen um das Problem. Coach di Carlo: „Ja, es ist schwierig auf diesem Untergrund. Wir finden einen sehrt harten Platz vor, der aber auch sehr rutschig ist. Man weiß gar nicht, welche Stollen man tragen soll. Aber das ist hier seit Jahren so und wir müssen damit klar kommen.“

 

Nach fast 35 Minuten Pressekonferenz gab es die erste Aussage der Italiener, die vielleicht doch einen leichten Selbstzweifel vermuten lässt. Der Trainer sagte: „Wir sollten aber auch darauf achten, dass der Fußball weitergeht, egal wie es gegen Werder ausgeht. Mit der Seria A und der Copa Italia warten dann weiterhin wichtige Aufgaben.“ Es war sein letzter Satz. Danach wurde die Pressekonferenz gleich beendet.

 

aus Genua berichtet Michael Rudolph