Werder "überrollt" Anderlecht: Klasnic-Gala beim 5:1-Sieg

Perfekte Schusshaltung: Ivan Klasnic trifft zum 1:0
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Es war ein denkwürdiger Champions-League-Abend im Bremer Weser-Stadion. Mit 5:1 demontierte der deutsche Meister Werder Bremen im vierten Gruppenspiel den RSC Anderlecht und steht nach dem Sieg gegen den belgischen Rekordmeister mit einem Bein im Achtelfinale. Mann des Abends war Werders Stürmer Ivan Klasnic, der insgesamt drei Mal traf. Die übrigen Treffer für eine glänzend aufgelegte Bremer-Elf erzielten Miro Klose sowie der Däne Daniel Jensen.

Trainer Thomas Schaaf nahm gegenüber dem HSV-Spiel nur eine Änderung vor. Der in der Bundesliga gesperrte Ludovic Magnin rückte für Ümit Davala in die Startformation. Der Schweizer nahm seine Position im linken Mittelfeld ein, Christian Schulz rückte zurück in die Viererabwehrkette.

Bremen mit Blitz-Start

Werder legte vor ausverkauftem Haus los wie die Feuerwehr. Bereits nach 77 Sekunden hatte die Mehrzahl der Zuschauer zum ersten Mal Grund zum Jubeln. Ein Freistoß von Johan Micoud wurde zunächst von Anderlechts Defensive aus der Gefahrenzone geköpft, aber die Grün-Weißen erkämpften sich halbrechts vor dem Strafraum in Person von Daniel Jensen erneut den Ball. Der Däne legte die Kugel kurz ab auf Ivan Klasnic. Werders Angreifer "fackelte" nicht lange und zog aus 20 Metern mit links ins rechte untere Eck ab. Anderlechts Torwart Peersman tauchte zwar noch ab, konnte den Treffer aber nicht mehr verhindern. Was für ein Paukenschlag des deutschen Meisters!

Die Bremer spielten auch nach dem Führungstreffer weiter Forechecking und ließen die Gäste nicht zur Entfaltung kommen. Fast jeder Zweikampf ging an die von Coach Schaaf glänzend eingestellten Werder-Profis, die leidenschaftlich um jeden Zentimeter kämpften, aber auch spielerisch voll zu überzeugen wußten. Ausgangspunkt des zweiten Treffers war erneut Ivan Klasnic, der zunächst mit einer verunglückten Flanke RSC-Goalie Peersman zu einer Glanztat zwang. Den anschließenden Micoud-Eckball wuchtete der kroatische Nationalstürmer dann per Kopf aus sechs Metern ins Netz (17.).

Anderlecht-Tor schockt Werder nicht

Nach der 2:0-Führung schalteten die Grün-Weißen einen Gang zurück und ließen dem Gegner mehr Raum. Prompt tauchte Anderlecht erstmals gefährlich vor dem Tor von Andi Reinke auf. Mittelfeldregisseur Baseggio verfehlte mit einem abgefälschten Schuss nach einem Konter über Aruna und Ehret das Gehäuse allerdings um gut einen Meter (28.). Auch der anschließende Kopfball von Aruna, nach Ecke Baseggio, verfehlte sein Ziel nur knapp. Wenig später hatten die Belgier dann aber mehr Erfolg: Iachtchouk nickte einen Freistoß von Baseggio aus acht Metern unhaltbar für Andi Reinke ins Netz (30.). Werder brauchte nur drei Minuten, um nach dem überraschenden Anschlusstreffer den alten Abstand wiederherzustellen. Klasnic passte den Ball per Hackentrick auf Micoud, der von links in den Strafraum eindrang und flach auf Klose spielte. Bremens zweiter Stürmer nahm den Ball auf und vollendete mit etwas Glück zum 3:1 (33.).

Auch nach dem Wechsel bot sich den Zuschauern das gleiche Bild. Die Norddeutschen übten sofort wieder Druck auf den RSC Anderlecht aus und kauften dem Gegner mit vorbildlichem Pressing früh den Schneid ab. Der belgische Meister war über die gesamte Spielzeit das schwächere Team und hatte Werders Sturmlauf nur wenig entgegenzusetzen. Einziges Manko der Hausherren: Sie ließen in der zweiten Hälfte am und im gegnerischen Strafraum die letzte Konsequenz vermissen. In der 79. Minute war es Ivan Klasnic vorbehalten, mit dem Tor zum 4:1, seine Gala-Leistung an diesem Abend zu krönen. Vorausgegangen war eine schöne Kombination über Daniel Jensen und Johan Micoud. Im Stile eines Klassetorjägers und mit viel Übersicht erzielte Klasnic, nach Micoud-Hereingabe, seinen dritten Treffer. Kurz vor dem Schlusspfiff durfte sich dann auch noch Daniel Jensen über seinen ersten Treffer im Werder-Dress freuen, als er ein Zuspiel des eingewechselten Valdez aus 16 Metern per Flachschuss ins Tor jagte (90.).

Es war der Schlusspunkt in einer Partie, an die sich alle grün-weißen Anhänger noch lange erinnern werden.

Klaus Bellstedt

Werder Bremen: Reinke - Stalteri, Baumann, Ismaël, Schulz (66. Davala) - D. Jensen, F. Ernst, Magnin, Micoud - Klose (71. Valdez), Klasnic (83. Charisteas).

RSC Anderlecht: Peersman - Traore, De Boeck, Deschacht - Hasi (67. Zetterberg) - Zewlakow, Baseggio, Wilhelmsson, Ehret (64. van den Borre) - Iachtchouk, Aruna.

Tore: 1:0 Klasnic (2.), 2:0 Klasnic (17.), 2:1 Iachtchouk (30.), 3:1 Klose (33.), 4:1 Klasnic (79.), 5:1 D. Jensen (90.).

Gelbe Karten: Schulz (Werder), Baseggio, Hasi (RSC Anderlecht).

Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz).

Weser-Stadion: 37.359 Zuschauer (ausverkauft).

Torschüsse: 18 : 6
Ecken: 9 : 6
Ballkontakte: 57% : 43%
Fouls: 22 : 21
Abseits: 2 : 1 (alles aus Werder-Sicht).