Alles Gute zum 80., König Otto!

Werder-Legende Otto Rehhagel feiert runden Geburtstag - alles Gute zum 80. (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 09.08.2018 // 09:03 Uhr

Von Martin Lange

Kein Trainer holte mehr Titel mit dem SV Werder Bremen als er. Die Grün-Weißen waren die zentrale Station seiner langen, erfolgreichen Trainerkarriere: Nun feiert Werders Ehrenmitglied Otto Rehhagel seinen 80. Geburtstag.

„Die herausragende sportliche Ära des SV Werder in den 80er und 90er Jahren ist untrennbar mit dem Namen Otto Rehhagel verbunden“, würdigt Werder-Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald die Verdienste des Jubilars. Doch nicht nur das: „In dieser Ära wurden die Grundlagen geschaffen für unsere sportlich und wirtschaftlich erfolgreichen Jahre zu Beginn des neuen Jahrtausends.“ Dabei war der Beginn dieser einzigartigen Zeit das, was man gemeinhin als „Glück im Unglück“ bezeichnet. Die erstmals in die 2. Bundesliga abgestiegenen Grün-Weißen waren im Februar 1981 als Tabellenführer auf dem besten Weg zurück ins Oberhaus, als sich Trainer Kuno Klötzer aufgrund der Folgen eines Autounfalls krankschreiben lassen musste. Seine Vertretung übernahm: der junge Otto Rehhagel, der bereits 1976 in einem kurzen Intermezzo als Trainer die Grün-Weißen vor dem Abstieg bewahrt hatte. Nun schaffte er mit seinem Team den Wiederaufstieg in einer souveränen Art und Weise, wie man sie bei seinem Amtsantritt nicht erwarten durfte. Und aus dem Interimstrainer Rehhagel wurde der Cheftrainer Rehhagel.

668 Mal stand Trainer Otto Rehhagel für den SV Werder an der Seitenlinie (Archivfoto: nordphoto).

Der nicht nur attraktive, sondern auch überaus erfolgreiche Werder-Fußball fand anschließend auch in der ersten Liga seine Fortsetzung: Der Aufsteiger stand im Saisonverlauf mehrfach auf Platz zwei, wurde am Ende Fünfter und qualifizierte sich für den UEFA-Pokal. Trainer Otto Rehhagel begann derweil mit dem damaligen Manager Willi Lemke, das erfolgreiche Werder-Team der Zukunft zu formen, holte Rudi Völler und Frank Neubarth nach Bremen, später unter anderen Bruno Pezzey, Thomas Wolter, Mirko Votava, Rune Bratseth, Karl-Heinz Riedle und viele mehr.

Werders heutiger Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode, der ab 1989 unter Rehhagel in der Bundesliga spielte, erlebte das Erfolgsrezept des Coaches hautnah: „Otto Rehhagel hat es außergewöhnlich gut verstanden, Kompetenzen, Fähigkeiten und Persönlichkeiten so zusammenzustellen, dass daraus ein hervorragend funktionierendes Team entstand.“ Und so spielten die Grün-Weißen unter ihrem Erfolgscoach viele Jahre lang auf Augenhöhe mit Branchenführer Bayern München, „obwohl die Bayern sicher die besseren Einzelspieler hatten“, so Bode. Deutscher Meister 1988 und 1993, DFB-Pokalsieger 1991 und 1994, Supercup-Sieger 1988, 1993 und 1994, dazu der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992 – alle diese Titel stehen in Rehhagels Werder-Vita.

Doch das Erbe, das Rehhagel nach seinem Wechsel zum FC Bayern München im Jahr 1995 an der Weser hinterließ, ist größer als die beeindruckende Titelsammlung. Marco Bode erinnert sich an „das unglaubliche Charisma“ Rehhagels: „Er war manchmal sehr dominant, aber gleichzeitig immer respektvoll im Umgang mit seinen Spielern. Er siezte uns, konnte aber auch autoritär sein. Und das Wichtigste: seine unbändige Leidenschaft für den Fußball. Er war im positiven Sinne fußballverrückt.“

Er prägte die Grün-Weißen wie kaum ein anderer: Otto Rehhagel (Foto: nordphoto).

Von Otto Rehhagel ist überliefert, dass er zu seinen Spielern sagte: „Ich kritisiere eure Leistung, aber als Menschen seid ihr mir heilig.“ Kein Wunder, dass Marco Bode befindet: „Der Begriff der ‚Werder-Familie‘, der heute noch gültig ist, wurde damals geprägt.“ Und auch für Dr. Hubertus Hess-Grunewald bietet die Arbeit Rehhagels vieles, an dem sich der SV Werder auch heute noch orientiert: „Seine Philosophie, dass man hart arbeiten und sich stets ‚anständig‘ verhalten muss, ist auch in der Gegenwart Grundlage für unsere Haltung und unsere Werte.“

Keine Frage: Otto Rehhagel hinterließ an vielen Orten unverwischbare Spuren. Sei es beim 1. FC Kaiserslautern, mit dem er als Aufsteiger 1998 Deutscher Meister wurde – ein Fußballmärchen, das seinesgleichen sucht. Oder in Griechenland, dessen Nationalteam er 2004 sensationell zum Europameistertitel führte. Doch nirgends feierte er über einen so langen Zeitraum Erfolge wie beim SV Werder. „Wenn Otto Rehhagel in Bremen ist, begrüßen wir ihn mit den Worten ‚Willkommen zu Hause‘“, verrät Hess-Grunewald. „Dann huscht jedes Mal unverkennbar ein Lächeln über sein Gesicht.“

Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir nicht ein guter Rehhagel-Ratschlag in den Sinn kommt.
Marco Bode

Es kommt nicht von ungefähr, dass an allen Orten seines Wirkens mit Hochachtung über Otto Rehhagel gesprochen wird. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir nicht ein guter Rehhagel-Ratschlag in den Sinn kommt“, sagt Marco Bode, dem ein Zitat seines Ex-Trainers für immer besonders im Gedächtnis bleiben wird: „Marco, Sie spielen bei mir nur, weil meine Frau Sie mag und Sie Abitur haben“, sagte Rehhagel einst zu ihm. Ein kleiner Scherz, na klar! Der aber für Bode auch einen ernsten Hintergrund hat: „Otto Rehhagel hat bei der Verpflichtung von Spielern nicht nur auf die fußballerischen Fähigkeiten geschaut, sondern auch darauf, dass die Spieler starke Persönlichkeiten sind.“ Das, so Bode, sei der Grund dafür, dass heute so viele Ex-Spieler Rehhagels verantwortungsvolle Positionen im Fußball bekleiden. Deshalb steht fest: Otto Rehhagel hat Vereine, Mannschaften und Spieler geprägt – ganz besonders beim SV Werder.

„Otto Rehhagel ist bei Werder Bremen stets ein gern gesehener Gast“, unterstreicht Dr. Hubertus Hess-Grunewald. „Es ist auch heute noch jedes Mal faszinierend, sich mit ihm über Fußball auszutauschen, aber auch über gesellschaftliche Themen, bei denen er absolut auf der Höhe der Zeit ist.“ Und Marco Bode bringt die Geburtstagswünsche wohl aller Werderaner auf den Punkt, wenn er sagt: „Ich hoffe, dass Otto Rehhagel noch lange so vital und gesund bleibt und noch viele schöne Jahre mit seiner Ehefrau Beate genießen kann. Und dass er ab und zu in Bremen ist, wir einen netten Abend zusammen verbringen und über die alten Zeiten sprechen.“ Alles Gute zum 80., König Otto!