Schlüsselmoment gefunden, Schlüssel umgedreht

Stimmen zum Heimsieg gegen Stuttgart

Eine Mischung aus Freude und Erleichterung herrschte nach dem Spiel bei der Mannschaft (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 02.12.2017 // 18:19 Uhr

Von Yannik Cischinsky und Niklas Behrend

Ein lautes Raunen hallte durch das Weser-Stadion als der vierte Offizielle Florian Heft sein schwarzes Täfelchen in die Höhe reckte. In roten LED-Buchstaben stand dort eine Vier geschrieben. 240 Sekunden Nachspielzeit. „Ich habe gehört, gegen das Altern solle man sich viel bewegen, das habe ich getan“, antwortete Cheftrainer Florian Kohfeldt im Anschluss an die Partie auf die Frage, ob ihm in den Zusatzminuten das ein oder andere graue Haar gewachsen sei. Neben dem grün-weißen Coach hielt es auch die Bremer Anhänger nicht mehr auf den Plätzen. „Ich habe von der Seitenlinie aus versucht, den Jungs noch den letzten Prozentpunkt heraus zu kitzeln, allerdings glaube ich, dass sie mich nicht mehr wirklich wahrgenommen haben", so Kohfeldt, der in den vier Minuten seine Coaching Zone voll ausgeschöpft hat, mit einem Schmunzeln. Nach einigen Eckbällen, Flanken in den Bremer Strafraum und der letzten großen Chance für den VfB durch Badstuber war es dann endlich geschafft, der zweite Heimsieg unter Dach und Fach. Dementsprechend groß war die Erleichterung und Freude bei den Werderanern im Anschluss an die Partie.

WERDER.DE fasst die glücklichen, aber auch selbstkritischen Stimmen des Abends zusammen.

Zum Spielverlauf:

Florian Kohfeldt durfte nach 90 nervenaufreibenden Minuten den 2. Saisonsieg bejubeln (Foto: nordphoto).

Maxi Eggestein: „Die Erleichterung ist sehr groß. Ich denke, das war ein Kampfspiel. Stuttgart hat sehr aggressiv gespielt, dennoch fand ich, dass sie nicht so viele eindeutige Chancen hatten. Die Führung hat uns erstmal sehr gut getan und hat uns Sicherheit gegeben. So konnten wir in der zweiten Halbzeit zunächst auch mit viel Selbstbewusstsein unsere Angriffe fahren. Am Ende hat Stuttgart dann nochmal richtig Druck gemacht und wir mussten bis zum Ende konzentriert verteidigen.“

Fin Bartels: „Ich bin einfach froh, dass wir das Spiel mit ganz viel Kampf und Leidenschaft positiv für uns über die Bühne gebracht hat. Wir haben von Anfang an gegen starke Stuttgarter dagegen gehalten und sind mit Selbstbewusstsein aufgetreten. Der VfB hat gut verteidigt, da Lücken zu finden war nicht einfach. Beim Tor waren Max und ich einfach hellwach und haben die Situation genutzt. Max macht das eiskalt. In den Schlussminuten mussten wir nochmal richtig zittern, das war für die Nerven brutal.“

Ludwig Augustinsson: „Wir sind nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie wir heute aufgetreten sind. Wir wollen natürlich guten Fußball spielen, aber heute zählen nur drei Punkte. Wir haben den dreckigen Sieg gerne genommen.“

Milos Veljkovic: „Eine 1:0-Führung ist immer gefährlich, deshalb war bis zum Schluss ein spannendes und intensives Spiel. Stuttgart hat von der ersten Minute an aggressiv gegen den Ball verteidigt, sehr kampfbetont aufgetreten und uns vor allem in der zweiten Halbzeit vor Probleme gestellt. Aber wir haben uns durchgekämpft, sind konzentriert geblieben und haben einen ganz wichtigen, vielleicht auch dreckigen, Heimsieg eingefahren.“

Philipp Bargfrede: „Das war heute definitiv ein Arbeitssieg. Es bringt nichts, gut zu spielen und dann keine Punkte zu holen wie gegen Leipzig. In unserer Situation ist es mir lieber, wenn wir siegen ohne richtig gut zu spielen. Heute haben wir bessere Lösungen auf dem Platz gefunden und es war mehr Überzeugung im Spiel.“

Frank Baumann: „Läuferisches Engagement und Kampf sind nur die Basis, wichtig ist das Spiel mit Ball. Heute hat das nicht so gut geklappt, da Stuttgart uns wenige Räume gelassen. Der VfB hat das gut gemacht, da mussten wir uns durchkämpfen.“

Florian Kohfeldt: „Ich bin zufrieden und erleichtert über den Sieg, der in meinen Augen trotz Stuttgarter Chancen nicht unverdient war. Wir hatten Probleme im offensiven Positionsspiel, teilweise auch bei der defensiven Zuordnung und haben unsere Konter nicht ausgespielt, aber das alles haben wir mit Leidenschaft kompensiert. Es gehört es dazu, die volle Bereitschaft zu zeigen, auch wenn nicht alles kerzengerade läuft. Stuttgart hat quasi über den gesamten Platz mannorientiert verteidigt, aber wir konnten das eine oder andere Mal den Raum über ein Eins-gegen-Eins öffnen. Außerdem haben wir die Tiefe, die der VfB sucht, gut verteidigt. Wir haben die Schlüsselmoment gefunden und den Schlüssel umgedreht. Genau darüber haben wir vorher gesprochen.“

Zum Videobeweis:

Schiedsrichter Bastian Dankert nahm den Treffer von Fin Bartels nach Rücksprache mit dem Videoassistenten zurück. (Foto: nordphoto)

Maximilian Eggestein: „Ich weiß jetzt nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn wir am Ende deswegen nicht gewonnen hätten. Aber die Entscheidung war richtig und deswegen ist es einfach gerecht. Die Entscheidung könnte aber vielleicht beim nächsten Mal etwas schneller kommen. Viel wichtiger ist es aber natürlich, dass die Entscheidung stimmt. Von daher würde ich sagen: alles in Ordnung.“

Fin Bartels: „Das war eine kuriose Situation. Wir jubeln schon, freuen uns über das 2:0 und dann zählt das Tor doch nicht. Trotzdem vertraue ich darauf, dass es die richtige Entscheidung war, gleichwohl uns der Treffer in der Phase natürlich sehr viel mehr Ruhe und Sicherheit gegeben hätte. Außerdem können andersrum genauso betroffen sein und da würde ich auch erwarten, dass eingegriffen wird.“

Milos Veljkovic: „Das ist kein schönes Gefühl nach einem Tor plötzlich da zu stehen und das über sich ergehen lassen zu müssen. Aber ich bin überzeugt, dass der Schiedsrichter schon richtig entscheidet, wenn er das Videobild vor sich hat. Positiv war in meinen Augen, dass wir konzentriert weitergespielt haben.“

Philipp Bargfrede: „Nachdem der Videobeweis kam, wussten wir, dass wir uns jetzt wieder voll auf das Spiel konzentrieren müssen und das haben wir auch getan. Das war wichtig und gut.“

Florian Kohfeldt: „Wenn es sich um eine klare Fehlentscheidung handelt bin ich nach wie vor der Überzeugung, dass der Videobeweis richtig ist. Etwas skurril fand ich, dass es nach dem Tor sehr lange gedauert hat. Nach zwei Minuten standen schon wieder alle auf ihren Positionen und dann wird der Treffer doch nicht gegeben. Das trübt in meinen Augen das 'Fußballerlebnis Stadionbesuch'. Außerdem sind wir schon wieder weit in unsere Hälfte zurückgerückt. Vielleicht sollte der Schiedsrichter uns dann auch die Zeit geben, beim Freistoß zustellen zu können. Aber ich habe ad hoc auch keinen Lösungsvorschlag, deshalb möchte ich das nicht zu stark kritisieren.“

Frank Baumann: „Ich habe die Szene weder aus dem Spiel heraus gesehen, noch bisher im TV, deshalb kann ich das schwer beurteilen. Da es um Abseits und ein Tor ging, finde ich es okay, dass sich ausgetauscht wird.“

 

Zur Situation vor den schweren Auswärtsspielen:

Augustinsson und Co. erkämpften sich den zweiten Heimsieg in Folge (Foto: nordphoto).

Fin Bartels: „Der Sieg heute war überlebenswichtig, um den Anschluss an die anderen zu halten. Momentan scheint es so, als würde auch das Glück wieder ein bisschen zurückkommen, das uns am Anfang der Saison gefehlt hat, als sicher auch nicht alles schlecht war. Jetzt treffen wir als nächstes auf Dortmund, die trotz ihrer aktuellen Probleme immer noch eine brutal gute Truppe haben. Aber wir treten mit Selbstbewusstsein an und dann mal sehen, was passiert.“

Milos Veljkovic: „Wir gehen jedes Spiel gleich an, egal gegen wen wir spielen. Das hat uns der Trainer in den Kopf gesetzt. Ob das der BVB, Stuttgart oder der FC Bayern ist. In Dortmund wollen wir von Beginn an präsent sein und ein gutes Resultat erzielen.“

Florian Kohfeldt: "Ich freue mich mega auf Dortmund. Das ist einer der besten Plätze in Deutschland, vielleicht sogar weltweit, um Fußball zu spielen. Das wird, genau wie das Duell mit Leverkusen, eine schwere Aufgabe, aber ich bin überzeugt, dass wir mit der heutigen Leidenschaft auch dort etwas bewegen können.“

Frank Baumann: „Dortmund hat momentan vielleicht nicht die beste Phase, das impliziert aber auch, dass jederzeit der Befreiungsschlag kommen kann. Wir fahren jetzt mutig zu zwei absoluten Top-Gegnern. Wir haben leider zu viel liegen gelassen, deshalb müssen wir auch gegen Dortmund oder Leverkusen mal etwas Zählbares mitnehmen.“

Zum sicheren Rückhalt Jiri Pavlenka:

Fin Bartels: „Jiri ist ein überragender Torwart. Aufgrund der Sprachbarriere redet er noch nicht so viel, das wird aber auch immer besser. Das allerwichtigste an ihm ist: Er ist einfach da, wenn wir ihn brauchen."

Ludwig Augustinsson: „Er spielt eine sehr gute Saison und hat uns auch heute wieder in der einen oder anderen Situation gerettet, vor allem am Schluss.“

Milos Veljkovic: „Jiri wird von Spiel zu Spiel besser. Wir können uns absolut auf ihn verlassen. Er ist ein sehr ruhiger Zeitgenosse, aber kann auch sehr aggressiv und laut sein.“

Florian Kohfeldt: „Das war wieder ein super Spiel von ihm. Es ist toll, einen solchen Torwart im Team zu haben. Er hält eben den einen oder anderen Schlüsselball, wie vor unserem Führungstor. Dafür belohnen wir ihn heute mit einem kleinen Stück Schokolade (lacht).“

Maxi Eggestein: „Die Szene im ersten Durchgang war ein Missverständnis zwischen mir und ihm. Glücklicherweise ist das gut gegangen. In dem Moment der Grätsche wusste ich schon, dass ich vom Platz fliegen werde, wenn ich den Gegenspieler treffe und habe dann auch ganz kurz gezögert. Im Endeffekt musste ich es aber dort ins Risiko gehen und bin sehr erleichtert, dass das geklappt hat.“