Erzwungen, erleichtert

Stimmen zum Sieg auf Schalke

Pure Freude: Ludwig Augustinsson und Milos Veljkovic bejubeln den Last-Minute-Sieg (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 03.02.2018 // 19:46 Uhr

Aus Gelsenkirchen berichten Yannik Cischinsky und Niklas Behrend

Johansson mit dem Heber auf Eggestein, der die Kugel am herausstürzenden Fährmann vorbeilegt und dabei vom Schalker Schlussmann gelegt wird. Rot? Elfmeter? Nein! Werder setzt nach. Junuzovic gibt die Situation nicht verloren und drückt das Leder aus kurzer Distanz mit einer entschlossenen Grätsche in den Schlusssekunden über die Linie. 2:1! Totale Eskalation auf dem Feld und im Werder-Fanblock. Die Grün-Weiße feiern in der Schlussphase die ersten drei Punkte des Jahres. Diese Augenblicke werden allen in Erinnerung bleiben, während die 90 Minuten davor oft zäh und schwergängig waren. Bei Spielern und Trainerteam mischte sich deshalb in der anschließenden Mixed-Zone auch eine große Portion Realismus unter die Siegesfreude.

WERDER.DE fasste die Stimmen der Werderaner nach dem Spiel zusammen.

Zum Spielverlauf:

Zlatko Junuzovic stellte mit seinem Siegtreffer den Spielverlauf auf den Kopf (Foto: nordphoto).

Maximilian Eggestein: „Wir haben uns heute schwerer getan als in den vergangenen Partien. Ich finde zwar, dass wir in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz hatten, aber so richtig zwingend war das nicht. Das lag ohne Frage aber auch an der guten Defensive der Schalker. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten wir Glück, dass Schalke die Räume, die wir ihnen gegeben haben, nicht genutzt hat. Rein von der Leistung her hätte Schalke es wohl sogar ein bisschen eher als wir verdient gehabt, aber heute hatten wir mal das Glück auf unserer Seite. Das war zuletzt ja nicht der Fall."

Theodor Gebre Selassie: „Es war heute nicht einfach. Ich denke, mit dem Ball hatten wir einige Passagen, die ganz in Ordnung waren, aber insgesamt war das nicht unser bester Auftritt. Nach dem Ausgleich und dem Platzverweis habe ich total daran geglaubt, dass hier noch mehr gehen kann. Umso schöner, dass es so gekommen ist.“

Max Kruse: „Nach dem Seitenwechsel und nach dem Ausgleich hatten wir etwas wilde Phasen. Da haben wir zu viele Chancen zugelassen, aber über das Spiel gesehen haben wir kompakt agiert. Die gelb-rote Karte war sicherlich ein Knackpunkt, vor allem verbunden mit dem Ausgleich. Im Endeffekt ist es mir egal, wie wir hier gewonnen haben. Wichtig ist: Wir haben gewonnen.“

Florian Kohfeldt: „Rein bezogen auf die spielerische Leistung kann ich heute nicht zu hundert Prozent zufrieden sein, die Jungs sind das auch nicht. Trotzdem finde ich, dass wir im ersten Durchgang besser waren, als es vielleicht von außen aussah. Wir hatten Schalke im Griff, wir hatten die Ballkontrolle. Das Problem war, dass Schalke es sehr konzentriert verteidigt hat und uns so die Tiefe gefehlt hat. Die ersten 20 Minuten in der zweiten Halbzeit waren nicht gut. Wir wollten höher verteidigen, aber haben den Zugriff nicht richtig bekommen und Glück, dass Schalke das Spiel in dieser Phase nicht entscheidet. Trotzdem habe ich noch an eine Wende geglaubt, weil Schalke Räume hergegeben hat. Nach dem Ausgleich war ich fast zwiegespalten, denn natürlich wollen wir immer gewinnen, aber eigentlich aus einer gewissen Ordnung heraus. Das war dann schon in Phasen wild, aber da mach ich den Jungs gar keinen Vorwurf. Du wirst dann als Spieler auch von der Dynamik getragen und es ist am Ende für uns sehr gut ausgegangen.“

Zum Sieg:

Über weite Strecken war es eine kampfbetonte Partie von Jerome Gondorf und Co. (Foto: nph).

Maximilian Eggestein: „Ja, vielleicht war es ein dreckiger Sieg. Wir hatten heute sicher nicht so viele Chancen, wie in den letzten Wochen, aber ganz ehrlich: Das ist mir gerade ziemlich egal. Das ist Abstiegskampf, da zählen nur Punkte und ich bin unendlich froh, dass wir die heute gesammelt haben."

Theodor Gebre Selassie: "Es ist total geil, so zu gewinnen. Das sind für uns ganz wichtige Punkte. Deswegen war der Jubel und die Erleichterung bei dem 2:1 natürlich riesig.“

Max Kruse: „Man hat in den letzten Wochen gesehen, dass uns so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Das war auch heute wieder der Fall. Trotz Rückstand haben wir nicht aufgegeben. Nach Ausgleich hätte das Spiel erneut kippen können. Wenn der Ball nicht an den Innenpfosten klatscht, sondern reingeht, stehen wir mit leeren Händen da. Aber auch davon haben wir uns nicht verunsichern lassen.“

Florian Kohfeldt: "Vielleicht haben wir uns das über die letzten Wochen verdient und heute erzwungen. Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir haben hier heute gegen den Tabellendritten gespielt, das darf man nicht vergessen. Die Jungs haben heute wieder eine großartige Mentalität gezeigt. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg.“

Zum Debüt von Milot Rashica:

Neuzugang Milot Rashica stand gegen S04 in der Startelf und feierte damit sein Debüt (Foto: nph).

Maximilian Eggestein: "Selbstverständlich hat man gesehen, dass ihm manchmal noch die Bindung gefehlt hat, aber wir haben zweimal zusammen trainiert. Das ist doh sowas von normal. Trotzdem konnte man sehen, was für eine Qualität er mitbringt. Aus diesem Grund freue ich mich sehr auf die nächsten Wochen mit ihm.“

Milot Rashica: „Das war natürlich ein sehr spezielles Spiel für mich. Ich freue mich riesig über mein Bundesligadebüt, aber mehr freue ich mich über den Sieg. Das Spiel war besonders, anders als das bisher Gewohnte. Das Tempo war höher, die Atmosphäre eine ganz andere. Unsere Fans haben uns wirklich toll unterstützt – selbst auswärts. Das war beeindruckend. Natürlich muss ich mich noch etwas anpassen, mich an bestimmte Abläufe gewöhnen, aber ich habe alles gegeben.“

Max Kruse: „Milot ist seit drei Tagen bei uns. Es ist doch klar, dass er nach zwei Einheiten nicht hundertprozentig alles verinnerlicht hat. Ich denke man hat heute in Ansätzen gesehen, dass er uns helfen wird.“

Florian Kohfeldt: „Er hat heute in drei, vier Situationen direkt gezeigt, was für ein guter Kicker er ist. Er hat gefightet und unser Spiel belebt, deswegen bin ich absolut zufrieden mit seiner Leistung. Dass ich Milot relativ früh in der zweiten Halbzeit rausnehme, war von Anfang an so geplant.“

Zur Tabellensituation:

Maximilian Eggestein: „Ich finde, dass es für die Psyche durchaus wichtig ist, über dem Strich zu stehen. Wir wissen aber auch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben und weiterhin mittendrin im Abstiegskampf sind.“

Theodor Gebre Selassie: „Wir befinden uns weiterhin in einer gefährlichen Zone. Die Tabelle ist deswegen heute für mich nicht so interessant, das muss ich ehrlich sagen. Für uns gilt es, jetzt weiter zu kämpfen.“

Max Kruse: „Unser Auftaktprogramm in diesem Jahr war bekanntlich kein leichtes. Für die aktuelle Situation war der Sieg wichtig, aber wir wissen ganz genau, dass noch viele schwere Spiele vor uns liegen, die gewonnen werden müssen.“

Florian Kohfeldt: „Kar ist es schöner, über dem Strich als darunter zu stehen, aber das ist ja nur aufgrund der Tordifferenz so. Die Punkte, die wir jetzt haben, werden in keinem Fall reichen, von daher spielt der Tabellenplatz keine allzu große Rolle. Wir müssen wachsam bleiben und noch einige Punkte holen.“