Bellarabi reißt Werder aus allen Träumen von Berlin

SVW verliert Pokal-Viertelfinale 2:4 n.V. in Leverkusen

Nach Werders frühem Doppelschlag brachte Julian Brandt die Leverkusener zurück ins Spiel (Foto: Nordphoto).
Profis
Dienstag, 06.02.2018 // 23:24 Uhr

von Maximilian Hendel

Es hat nicht sollen sein! Trotz einer aufopferungsvollen Leistung bis an die Schmerzgrenze musste Werder Bremen im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen die Segel streichen. Mit 2:4 (2:1, 2:2) nach Verlängerung ereilte die Grün-Weißen das Aus gegen den aktuellen Bundesliga-Zweiten. Vor 25.653 Zuschauern in der BayArena hatte ein Doppelschlag von Max Kruse (4., FE) und Aron Johannsson (7.) den SVW früh in eine hervorragende Position gebracht. Doch der gebürtige Bremer Julian Brandt sorgte anschließend mit seinen zwei Toren für die spätere Verlängerung (31., 55.). Dort war es dann der eingewechselte Karim Bellarabi, der diesem mitreißenden und hoch attraktiven KO-Spiel die entscheidende Richtung gab (111.), ehe Kai Havertz (118.) das Ergebnis noch erhöhte.

Aufstellung und Formation: Vor allem auf den Offensivpositionen mischte Cheftrainer Florian Kohfeldt kaum drei Tage nach dem Auswärtscoup auf Schalke seine erste Elf munter durch. Wie angekündigt kehrte Kapitän Zlatko Junuzovic in die Anfangsformation zurück. Florian Kainz durfte über die Flügel für frischen Wind sorgen. Zudem stand Angreifer Aron Johannsson zum ersten Mal seit September 2016 wieder von Beginn an in einem Pflichtspiel für die Grün-Weißen auf dem Platz. Jérôme Gondorf, Ishak Belfodil und Neuzugang Milot Rashica blieben dafür zunächst auf der Bank. Defensiv hingegen blieb alles beim Alten. Schlussmann Jiri Pavlenka wusste die Viererkette um Theodor Gebre Selassie, Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson (v.r.n.l.) vor sich. Im zentraldefensiven Mittelfeld sicherte Maximilian Eggestein die beiden Achter Thomas Delaney und Junuzovic ab.

Furioser Bremer Beginn, aber Brandt verkürzt

Aron Johannsson hebt den Ball gefühlvoll über Bernd Leno hinweg ins Tor (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

3. Min.: ELFMETER für den SVW! Bayer-Innenverteidiger Tah will den Ball aus dem eigenen Strafraum schlagen, trifft jedoch nur den energisch nachsetzenden Kruse und bringt Werders Angreifer so zu Fall. Schiri Fritz zeigt auf den Punkt.

4. Min.: TOOOOOOOOOOOR, 1:0 für den SVW, Max Kruse. Total souverän verlädt Kruse Leverkusens Schlussmann Bernd Leno und trifft von seiner Perspektive aus flach rechts ins Tor.

5. Min.: PAVLENKA! Die Kontrahenten sind heiß, Leverkusen schlägt beinah im Gegenzug zurück. Brandt hebt über rechts von der Grundlinie aus auf Höhe des zweiten Pfostens, von wo Bailey einen tückischen Kopfballaufsetzer gegen Jiri Pavlenkas Laufrichtung ins lange Eck platzieren will, doch Werders Keeper greift sensationell über und verhindert den Ausgleich.

7. Min.: TOOOOOOOOOOR, 2:0 für den SVW, Aron Johannsson. Die Bremer erobern den Ball in der Hälfte der Gastgeber, nachdem sich Havertz und Volland gegenseitig im Weg stehen; Kruse setzt den über halbrechts durchstartenden Johannsson perfekt in Szene, der den Ball daraufhin mit ganz feinem Füßchen über Leno hinweg ins Netz hebt.

11. Min.: Tolles Zusammenspiel zwischen den beiden Torschützen Kruse und Johannsson an der Strafraumgrenze, doch Bender hindert den US-Amerikaner im letzten Moment entscheidend am freien Abschluss aus Nahdistanz.

21. Min.: Eine Standardsituation bringt den Gastgebern ihren zweiten Abschluss. Bailey schlägt einen Freistoß von halbrechts lang in den Strafraum, wo Tah am Höchsten steigt – sein folgender Kopfball aus acht Metern tautzt zwar ungemütlich auf, aber Pavlenka ist bereits unten, um sich davon nicht überraschen zu lassen.

31. Min.: TOR, 1:2-Anschlusstreffer für Bayer 04, Julian Brandt. Veljkovic lässt sich von Volland etwas zu weit nach links herauslocken, wodurch Kohr dank Vollands gedankenschneller Weiterleitung freie Bahn durch die Zentrale bekommt, im richtigen Moment nach links legt und Brandt nur noch einschieben muss.

37. Min.: Um Zentimeter gleitet Johannsson unter Bedrängnis seines Gegenspielers am langen Pfosten an der hervorragenden Eingabe von Augustinsson von links vorbei.

39. Min.: Was für ein Ding! Kainz probiert es volles Risiko mit einem Direktschuss aus über 30 Metern, den Bernd Leno nur aufgrund einer wirklich spektakulären Parade aus dem rechten Dreiangel fischt.

45. + 2 Min.: Halbzeitpfiff von Schiri Fritz. Werder geht mit einer verdienten Führung in die Pause.

Wiederum Brandt sorgt für die Verlängerung

Julian Brandts unhaltbarer Drehschuss sorgte für den Ausgleich (Foto: Nordphoto).

46. Min.: Die Partie läuft wieder, allerdings ohne Aron Johannsson, der verletzungsbedingt in der Kabine bleiben muss und von Milot Rashica positionsgetreu auf dem rechten Flügel ersetzt wird.

55. Min.: TOR, 2:2-Ausgleich von Bayer 04, Julian Brandt. Alles wieder offen. Leverkusen kombiniert sich über Kohr und Lars Bender in eine zentrale Position vor dem Sechszehner, wo sich Brandt Gegenspieler Veljkovic entzieht, der genauso wenig eingreifen kann wie Jiri Pavlenka, denn Brandts herrlicher Drehschuss aus 18 Metern zieht genau rechts oben unter den Querbalken.

68. Min.: Die Gastgeber kontrollieren derzeit das Geschehen und lassen auch in der eigenen Defensive nichts anbrennen. Werder tut sich schwer, in die Gefahrenzone oder potentielle Torabschlusspositionen zu gelangen.

74. Min.: Ein weiter Leverkusener Einwurf springt durch den Bremer Strafraum, Brandt verlängert dann per Kopf an den Fünfmeterraum, wo Kohr mit dem langen Bein versucht, Pavlenka zu überwinden, doch der Bremer Keeper wehrt ab.

79. Min.: Puuuuuuh, die Leverkusener dürfen sich bei Jonathan Tah bedanken, der sich mit vollem Körpereinsatz in Thomas Delaneys Abschluss aus elf Metern wirft und so Werders möglichen Führungstreffer verhindert. Rashica hatte über die rechte Außenbahn super vorgelegt.

82. Min.: Geht doch! Werder bleibt dran, Kruse zwingt Leno aus 16 Metern zur Parade.

90. + 2 Min.: Nichts ist mehr passiert. Nach Fritz’ Abpfiff der regulären Spielzeit geht es  nun in die Verlängerung.

Bellarabi ist zur Stelle, Havertz setzt den Schlusspunkt

Max Kruse und Co. gaben alles, aber Charles Aranguiz' Leverkusener behielten die Oberhand (Foto: Nordphoto).

91. Min.: Die Verlängerung ist angepfiffen. Ishak Belfodil ist nun anstelle von Florian Kainz im Spiel.

97. Min.: Alles bleibt auf Messers Schneide! Die Kontrahenten tasten sich in der Anfangsphase dieser Verlängerung noch sichtbar ab und stehen beiderseits kompakt. Torchancen kamen so bislang noch nicht zustande.

102. Min.: PFOSTEN! Ganz viel Glück für die Grün-Weißen jetzt, weil Leon Bailey einen direkten Freistoß aus 20 Metern halbrechter Position an den rechten Pfosten zirkelt.

105. + 3 Min.: Halbzeitpfiff der Verlängerung. Ungewöhnlich spät, was vor allem daran liegt, dass sich insbesondere Kohr und Bailey soeben bei einer Rudelbildung zu unnötigen Aktionen hinreißen ließen und Schiri Fritz erst auflösen musste.

111. Min.: TOR, 3:2 für Bayer 04, Karim Bellarabi. Oh nein, ein Freistoß bringt Werder den bitteren Rückstand. Bailey hebt den Ball gefühlvoll in den Strafraum, Alario gewinnt das Kopfballduell und am langen Pfosten steht der soeben erst eingewechselte Bellarabi genau richtig und drückt den Ball aus spitzem Winkel ins kurze Eck.

115. Min.: Jetzt öffnen sich natürlich Konterräume für Bayer, Bellarabi ist allein auf weiter Flur, aber Pavlenka reagiert Klasse und verhindert die vorzeitige Entscheidung.

116. Min.: Belfodil ringt Tah im intensiven Strafraumzweikampf nieder, kommt zum Abschluss, aber gerät dabei in Rücklage und schießt den Ball weit drüber.

118. Min.: TOR, 4:2 für Bayer 04, Kai Havertz. Der Deckel ist endgültig drauf, nachdem Havertz eine schnörkellose Dreieckskombination mit Henrichs und Bellarabi aus Nahdistanz vollendet.

120. + 1 Min.: Abpfiff. Werder scheidet unglücklich im Pokal-Viertelfinale aus.


Fazit:
Es gab kein Zögern, kein Abtasten, sondern zum Wohl aller Zuschauer gingen die Kontrahenten diese Partie mit voller Pulle und ausgeprägtem Offensivgeist an. Allein die Anfangsviertelstunde bot fast schon im Minutentakt Strafraumszenen. Natürlich spielte der frühe Doppelschlag den Grün-Weißen mustergültig in die Karten, aber vor allem auch ihr immer wieder frühes Zuschieben mitsamt einer konsequent energischen Zweikampfführung passte den eigentlich so spielstarken Gastgebern überhaupt nicht. Deren gewohnte Kombinationssicherheit trat nur selten zu Tage. Trotzdem nutzten sie eine der seltenen Lücken in der Bremer Defensivzentrale umgehend zum Anschlusstreffer. Das hinderte Werder allerdings überhaupt nicht daran, nach einem kurzen Hänger in Folge des Gegentores wiederholt flüssige Gegenangriffe mitsamt gefährlichen Torabschlüssen zu setzen. Nur konnten die Gäste nach Wiederanpfiff ihre bis dato äußerst hohe Tempofrequenz nicht mehr in dem Maß aufrechterhalten wie zuvor. Bayer 04 machte es sich deutlich häufiger in der gegnerischen Spielhälfte bequem und belohnte sich darüber hinaus durch Brandts Kunstschuss. Kohfeldts Elf hingegen fiel es gleichsam merklich schwerer, die Leverkusener Defensive in Verlegenheit zu bringen. Erst in der Schlussphase der regulären Spielzeit konnten sie wieder für offensive Entlastung sorgen. Wie viel Kraft diese aufreibende Partie kostete, war dann allerspätestens in der anschließenden Verlängerung zu sehen. Beide Teams belauerten sich in der Hoffnung, den womöglich einen entscheidenden Fehler des Gegners auszunutzen. Der unterlief unglücklicherweise den Bremern durch eine Unachtsamkeit im Strafraum in Folge der gewinnbringenden Leverkusener Standardsituation.