Genug Achterbahn gefahren

Johannsson über seine bisherige Werder-Zeit

Mächtig ehrgeizig nicht nur auf dem virtuellen Rasen: Aron Johannsson (Foto: WERDER.DE)
Profis
Donnerstag, 08.03.2018 // 17:53 Uhr

Von Niklas Behrend

Borussia Park, Mönchengladbach. Es läuft die 78. Minute im Freitagabendspiel zwischen den heimischen Fohlen und dem SV Werder. Noch führen die Hausherren mit 2:1 – noch. Maximilian Eggestein legt in die Mitte, Jerome Gondorf lässt das Leder abtropfen und aus dem Rückraum rauscht Aron Johannsson heran und wuchtet die Kugel in die Maschen. Ein Schuss, der pure Entschlossenheit ausdrückt. Ein Tor wie ein Statement des US-Angreifers, der seine bisherige Zeit bei Werder im Gespräch mit WERDER.TV bei einer Partie "FIFA 18" als „Achterbahnfahrt“ bezeichnet.

Lächelnd und wie immer positiv wirkend, betritt Johannsson die Katakomben des Weser-Stadions. Für den 19-fachen Nationalspielers der Vereinigten Staaten geht es jedoch nicht in den Kraftraum oder in die Mixed-Zone. Nein, er betritt das "virtuelle Stadion". Und das nicht ohne direkt zum ersten Witz anzusetzen: „Ich spiele zwar nicht so oft FIFA, aber gegen euch von WERDER.TV gewinne ich. Genau wie gegen die Jungs in der Mannschaft, die sind alle so schlecht“, grinst der Angreifer schelmisch über beide Wangen. Eine humorvolle Art, die ihn bei seinen Kollegen äußerst beliebt macht.

Johannsson traf für den SVW zum 2:2-Ausgleich gegen Borussia Mönchengladbach (Foto: nordphoto).

Wenige Sekunden später entscheidet Johannsson sich auf dem virtuellen Rasen für den SV Werder, genau wie vor zweieinhalb Jahren, als der in Alabama geborene Angreifer den Schritt vom AZ Alkmaar aus der niederländischen Eredivisie in die Bundesliga wagte. „Am Anfang lief es ganz gut für mich, ich habe viel gespielt und zwei Tore gemacht“, erinnert sich Johannsson an seinen verheißungsvollen Start an der Weser. Dann der Schock: Hartnäckige Schmerzen in der rechten Hüfte setzten ihn den restlichen Saisonverlauf außer Gefecht. „Das war schon sehr, sehr hart für mich“, so der US-Amerikaner.

Zu Beginn der neuen Saison machte der Angreifer, der im letzten Jahr erstmals Vater geworden ist, erneut auf sich aufmerksam. Johannsson trifft gegen Augsburg am zweiten Spieltag. Eine Woche später brillierte er gegen Gladbach mit einer Vorlage, musste in diesem Match aber auch mit Rot aufgrund einer angeblichen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz. Wieder muss Johannsson zuschauen, nur diesmal ist er nicht verletzt. „Ich war fit und dachte eigentlich, die schlimme Zeit ist vorbei. Aber dann durfte ich nur ganz, ganz wenig spielen.“ Der Angreifer versuchte positiv zu denken und sich im Training aufzudrängen: „Ich habe alles gegeben und immer ein bisschen mehr probiert. Aber so richtig funktioniert hat das nicht."

Durfte schlussendlich jubeln: Aron Johannsson (Foto: WERDER.DE)

Langsam drängte sich eine Frage bei dem 27-Jährigen auf - krieg ich hier noch eine Chance? "Ich habe schon darüber nachgedacht, zu wechseln, aber ich wollte nicht gehen. Ich wollte allen beweisen, was ich draufhabe“, lässt Werders Nummer neun einen Blick in seine Gedankenwelt zu. Die Chance, diesen Beweis zu liefern, gab ihm Cheftrainer Florian Kohfeldt nach seiner Amtsübernahme im November. „Er hat mit mir geredet und gesagt, dass er an mich glaubt und ich meine Möglichkeit bekomme, wenn ich im Training weiter Gas gebe“, so der Angreifer.

Seit der Winterpause steht Johannsson immer im Kader, überzeugte als Joker mit einer Torvorlage gegen Schalke, seinem hohen Anteil am Derbysiegtor und seinem Treffer zuletzt gegen Mönchengladbach. Dazukommen drei Startelfeinsätze wie zum Beispiel im DFB-Pokalviertelfinale gegen Leverkusen, als der in Island aufgewachsene Stürmer via sehenswertem Heber traf. „Klar, ich bin über jede Minute froh, die ich spiele, aber ich möchte immer auf dem Platz stehen und noch viele Tore schießen“, fehlt bei Johannsson von allzugroßer Zufriedenheit jede Spur und fährt fort: „Mein Ziel ist es, hier konstant gute Leistungen zu bringen und eine ganze Saison starke Leistungen zu zeigen.“ Aron Johansson blickt ehrgeizig nach vorne und eines ist sicher: Die grün-weiße Nummer neun ist genug Achterbahn gefahren.

Johannsson und Co. live im Weser-Stadion sehen!