Eggestein: "Wollte ihm nacheifern"

Der Weg zum Fußball-Profi

Mit 14 ins Internat, mit 17 das Debüt, mit 20 angekommen in der Bundesliga: Maximilian Eggestein (Foto: nph).
Profis
Freitag, 21.07.2017 // 16:03 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Ein neues Zimmer, eine neue Schulklasse, ein neuer Freundeskreis. Maximilian Eggestein erinnert sich noch genau an seine Anfänge bei Werder – und an die Schwierigkeiten. Mit 14 kam er als talentierter jugendlicher Kicker zu Werder ins Internat. „Das war ein komplett neuer Lebensabschnitt“, blickt Eggestein zurück, dem zwei Jahre später auch Bruder Johannes an die Weser folgte. Maximilian Eggestein hat ihn bewältigt, den langen, steinigen und teilweise auch entbehrungsreichen Weg zum Fußballprofi. In einem Gespräch für eine Studie der Uni Kiel hat sich der 20-Jährige zurück an die Anfänge beim TSV Schloß Ricklingen, Heimweh und das Trainerduo, das ihm am meisten bedeutete, erinnert.

Fußball, darin unterscheidet sich der ältere der Eggestein-Brüder kaum von all den anderen Bundesliga-Profis, war schon seit frühster Kindheit der Lebensmittelpunkt. Vater Karl bezeichnet er als den größten Förderer seiner Karriere. Einst war der unter Volker Finke mit dem TSV Havelse in der 2. Bundesliga aktiv. „Er hat uns den Ball hingeworfen und los ging’s. Er hat mich damals am meisten inspiriert, weil er selbst Fußball spielte. Ich glaube, ich wollte ihm nacheifern“, so Eggestein, der mit vier Jahren zum ersten Mal im Verein spielte. Genauer gesagt beim TSV Schloß Ricklingen, einem Stadtteilklub von Garbsen, unweit seiner Geburtsstadt Hannover. 

WERDER.TV: Gegen Paderborn feierte Maximilian Eggestein 2014 sein Bundesliga-Debüt.

Früh wurde das Talent von ,Maxi' entdeckt. „Mit sieben oder acht Jahren“, ganz genau weiß er das nicht mehr, wechselte er zu Havelse, dem Ex-Klub des Vaters, dessen 1. Herren damals in der Oberliga und nicht in der Kreisliga wie Schloß Ricklingen spielte, und dessen Jugendabteilung sich einen guten Ruf erarbeitet hatte. Allerdings begab sich der ehrgeizige Kicker auf Abwege. „Eine Saison lang, ich glaube es war das zweite oder dritte Jahr, habe ich nur Torwart gespielt.“ Eine Erinnerung, bei der der 20-Jährige schmunzeln muss. Auch als Innenverteidiger und Stürmer lief der Rechtsfuß auf. „Zu Beginn hat ja ohnehin jeder überall gespielt“, lacht Eggestein, „aber als es mehr um die Leistung ging, bin ich schnell im zentralen Mittelfeld gelandet. Das ist meine Position.“

2011 zog Eggestein ins Werder-Internat. „Man muss sich mit 14 erst einmal daran gewöhnen, nicht mehr zuhause zu wohnen. Man wechselt den Freundeskreis, kommt auf eine neue Schule, lernt komplett neue Leute kennen. Ich hatte ganz zu Beginn auch mal Heimweh. Und, man wohnt mit 20 anderen Jungs zusammen – da kommt man auch auf schlechte Ideen“, blickt er schmunzelnd zurück. Früh dazu gezwungen, erwachsen zu sein, galt es auf vieles zu verzichten, was in dem Alter angesagt war. Kochkurse statt Partys, Sonder-Krafttraining in der Talentgruppe statt freie Nachmittage, Nachhilfe nach dem Training statt Freibadbesuche. „Man muss verzichten können und bereit sein, Opfer zu bringen. Ich habe mir immer gesagt: ‚Wenn du das auf dich nimmst, dann willst du irgendwann auch etwas daraus für dich ziehen können‘.“ 

Mit Florian Kohfeldt verbindet Maximilian Eggestein ein langer gemeinsamer Weg (Foto: nordphoto).

Das kann er jetzt. 24 Bundesliga-Einsätze stehen in seiner Statistik zu Buche. Vor knapp drei Wochen hat er seinen Vertrag bei Werder verlängert, der Sprung in die Bundesliga ist gelungen - trotz Heimweh in schweren Stunden im Internatszimmer. Geholfen haben ihm auf diesem Weg neben der Familie, Freunden und den grün-weißen Sportpädagogen im Nachwuchsleistungszentrum vor allem Viktor Skripnik und Florian Kohfeldt. „Flo hat mir viel im taktischen und fußballerischen Bereich geholfen, Viktor mit all seiner Erfahrung."

Über 80 Mal spielte Eggestein unter Skripnik und Kohfeldt. In Werders U 17, für die U 23 in der Regionalliga, bei den Profis und vergangene Hinrunde unter Kohfeldt als Kapitän in der 3. Liga. „Ich hatte viele gute Trainer. Auch unter Alexander Nouri oder unter Mirko Votava in der U 19 habe ich sehr viel gelernt, aber die beiden waren die Coaches, die mich am längsten auf meinem Weg in den Profi-Bereich begleitet haben.“ Unter ihnen feierte Eggestein sein Bundesliga-Debüt im November 2014. Das Ziel eines Weges zum Profi-Fußballer, der vor fast 17 Jahren begann.