Ausdruck mentaler Stärke

Bleibt selbstkritisch und fordert von sich durchgängig starke Leistungen: Felix Wiedwald (Foto: nordphoto).
Profis
Mittwoch, 15.03.2017 // 12:47 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Vor allem wenn es drauf ankommt, ist Felix Wiedwald zur Stelle. Unter Druck hält der Werder-Keeper überdurchschnittlich, zeigt immer wieder starke Paraden. In diesen Phasen ist er für seine Teamkollegen ein besonders großer Rückhalt. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon in der vergangenen Spielzeit konnten die Werder-Fans beobachten, dass Wiedwald gegen Ende der Saison immer stärker wurde. Und auch in den letzten Partien, in einer erneut sehr anspruchsvollen, nervenaufreibenden Phase für Keeper und Verein, behielt der Schlussmann im wahrsten Sinne des Wortes die Nerven. 

Daraus zu schließen, dass diese Eigenschaft einer ausgeprägten mentalen Stärke bedarf, ist leicht. Wie groß die psychische Belastbarkeit Wiedwalds ist und wie gut sich der 27-Jährige selbst einzuschätzen weiß, lässt folgende Aussage von ihm vermuten. „Vielleicht könnte man sagen, es ist eine Stärke von mir in Drucksituationen gut zu halten, vielleicht ist es aber auch eine Schwäche“, sagt Wiedwald im Gespräch mit WERDER.DE. Konkret meint er damit: „Ich muss kontinuierlicher meine Leistung bringen, auch wenn der Druck nicht so hoch ist. Natürlich habe ich in der vergangenen Saison gemerkt, was in mir steckt und dies auch in den letzten Partien wieder gezeigt. Das muss ich aber in meinen Augen über den ganze Saisonverlauf abrufen.“

Hielt in Leverkusen seinen ersten Elfmeter - und zum zweiten Mal "die Null" (Foto: nordphoto).

Auch in seiner stärksten Phase bleibt Wiedwald reflektiert und selbstkritisch. Er fordert von sich gute Leistungen, hat hohe Ansprüche an sich selbst - trotz des Lobes von Fans, von Mitspielern und aus den Medien. Genießen kann er den Zuspruch dennoch. „Es ist schön gefeiert zu werden, es tut auch mal gut, im Mittelpunkt zu stehen. Ich bin vom Kopf her gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgegangen.“

Auch, weil er mit einem Mentalcoach zusammenarbeitet. Mit ihm arbeitet er Probleme auf, bespricht, was getan werden muss, um besser aus bestimmten Situationen herauszukommen. Konkrete Situationen wie der Elfmeter in Leverkusen werden nicht thematisiert, weder vorher noch hinterher. In diesen Momenten muss sich Wiedwald einfach auf seinen Torhüterinstinkt verlassen. Und das klappt immer besser. „Ich habe mich vorher entschieden, wo ich hinspringe“, berichtet Wiedwald. Der Ball kam quasi zu ihm. Es war sein erster gehaltener Elfmeter in der Bundesliga.

Für Werders Nummer eins mit der 42 auf dem Trikot zählt aber eher eine andere Ziffer: die Null. Zweimal blieb der Schlussmann in den letzten vier Begegnungen ohne Gegentreffer. „Letzte Saison habe ich die komplette Spielzeit dafür gebraucht, zweimal ohne Gegentor zu bleiben. Das habe ich jetzt schon hinter mir. Ich hoffe, es kommen noch einige dazu“, sagt Wiedwald mit einem Schmunzeln. Dass er darauf nicht nur hofft, sondern weiter hart dafür arbeiten wird, das haben die vergangenen Wochen gezeigt. 

Ein ausführliches Interview mit Felix Wiedwald gibt es im obenstehenden Video oder hier auf WERDER.TV!