Erleichterung groß, Einschätzung realistisch

Die Stimmen zum Heimsieg

Nach fünf sieglosen Spielen hatten Bargfrede, Kruse und Co. einen Grund zum Jubeln (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 03.12.2016 // 18:51 Uhr

Von Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky

Gleich anhand mehrerer Szenen konnte man die riesengroße Erleichterung der Grün-Weißen an diesem Samstagabend förmlich sehen. An Claudio Pizarros Torjubel beispielsweise, als der Ball zum 2:1-Siegtreffer "gemeinschaftlich" über die Linie gedrückt werden konnte. Oder an Zlatko Junuzovics Jubelsprung unmittelbar nach dem Abpfiff und die geballte Faust des Österreichers zur Freude über drei eminent wichtige Zähler gegen einen direkten Konkurrenten. Oder an Alexander Nouris emotionalen Ausbruch nach dem Bartels-Tor.

Einigkeit herrschte nach dem Schlusspfiff bei allen Beteiligten darüber, wie wichtig dieser Sieg war. Große Freude herrschte dennoch nicht. „Wir haben zu wenige Punkte, um den Sieg zu genießen zu können“, machte Matchwinner Bartels deutlich. Auch Frank Baumann wollte den Dreier „nicht überbewerten“. Vor allem die Schwankungen im eigenen Spiel hielten sich die Sieger reflektiert und selbstkritisch vor Augen. „Natürlich waren gute Phasen dabei, aber auch noch zu viele schlechte. Szenen wie am Ende dürfen uns nicht passieren. Da haben wir den Sieg über die Zeit gezittert. Wir müssen die Führung einfach noch vernünftiger zu Ende spielen“, mahnte Bartels.

WERDER.DE hat sich umgehört und fasst die Stimmen der Protagonisten zusammen.

Zum Spielverlauf

In dieser Situation vergab Fin Bartels die Chance noch, wenig später markierte er den Siegtreffer (Foto: nordphoto).

Alexander Nouri: „Ich freue mich für die Mannschaft, die Fans und alle, die beteiligt waren über diesen Sieg. Wir haben in dieser Saison schon viermal eine 1:0-Halbzeitführung abgeschenkt, heute haben wir mit Leidenschaft, viel Herz und der Unterstützung unserer Fans die drei Punkte erzwungen. In der ersten Halbzeit hätte ich mir ein Tor mehr gewünscht, aber das Aufbäumen nach dem Freistoßtor, das du nicht verteidigen kannst, hat mir gut gefallen. Jeder Spieler hatte heute die Überzeugung, dass wir gewinnen.“

Zlatko Junuzovic: „In der ersten Halbzeit war unsere Leistung in Ordnung, im zweiten Durchgang ging es hin und her. Insgesamt hatten wir das Spiel etwa 65 Minuten im Griff, aber zum Schluss wurde es leider nochmal eng. Dass der Gegner da zu Chancen kommt, müssen wir abstellen. Aber die drei Punkte sind heute mit Abstand das Wichtigste.“

Max Kruse: „Das war heute ein erster Schritt. Der Wille, die Einstellung und die Konzentration haben gestimmt und auch spielerisch war das phasenweise in Ordnung. Natürlich hat man in der Schlussphase die Verunsicherung der Mannschaft gespürt, aber es war sehr wichtig, heute diesen Dreier einzufahren, das ist das, was heute zählt. Und nach zuletzt fünf sieglosen Spielen ist das natürlich eine Befreiung – zumal es gegen einen direkten Konkurrenten ging. Mit dem Ergebnis sind wir heute zufrieden und mit dem Spiel weitestgehend auch.“

Robert Bauer: „Die erste Halbzeit ging klar an uns, da hätten wir die Konterchancen noch besser ausspielen können. Wir haben heute die Tugenden gezeigt, die unten drin wichtig sind. Wir haben über den Kampf ins Spiel gefunden, jeder hat gezeigt, dass wir heute unbedingt gewinnen wollen. Nach dem unglücklichen Gegentor haben wir etwas gebraucht, aber man hat gesehen, dass Leben in der Truppe steckt und wir heute unbedingt wollten.“

Fin Bartels: „Es war klar, dass es kein Fußballfest wird und der FCI alles reinwirft, um hier Punkte mitzunehmen, aber man hat heute gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Wir haben auch alles reingeschmissen. Wir hatten das Glück des Tüchtigen, der Sieg war hart erarbeitet.“

Frank Baumann: „Wir haben gesagt, dass heute nur die drei Punkte zählen und die haben wir geholt. Das Team hat das über weite Strecken ordentlich gemacht. Wir hatten gute Passagen mit Ball, aber auch weniger gute. Deshalb dürfen wir den Sieg nicht überbewerten. Vor uns liegen schwere Spiele bis zum Jahresende und wir dürfen nicht hoffen, dass wir im Frühling irgendwann punkten. Wir dürfen nicht nachlassen und müssen weiter punkten.“

Zu den weiteren Aufgaben:

Max Kruse erzielte seinen ersten Pflichtspieltreffer für den SV Werder (Foto: nordphoto).

Max Kruse: „Heute Abend können wir uns über den Sieg freuen, aber dann müssen wir weiter intensiv arbeiten und punkten, punkten, punkten.“

Alexander Nouri: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber dieser Sieg hilft uns in erster Linie, um den eingeschlagenen Weg beharrlich weitergehen zu können. Wir haben heute den Kampf angenommen und darüber hinaus phasenweise guten Fußball gespielt. In Berlin werden wir ebenfalls an unsere Grenzen gehen müssen und mutig auftreten.“

Zlatko Junuzovic: „Der Erfolg gibt uns etwas Selbstvertrauen und Sicherheit für die nächsten Aufgaben. Aber wir müssen weiter fokussiert bleiben und weiter hart arbeiten. Wir stecken immer noch unten drin. Heute ist natürlich die Erleichterung da, aber wir müssen weiter punkten.“

Robert Bauer: „Der Sieg tut uns allen gut, das war unglaublich wichtig. Aber es gibt am Ende dafür nur drei Punkte und wir müssen noch viele holen, um die Klasse zu halten. Ich hoffe, dass es jetzt bergauf geht.“

Fin Bartels: „Mit Blick auf die Tabelle war der Sieg schon enorm wichtig. Wir haben ein wenig Luft zum Atmen, aber nicht lange. Lediglich fußballerisch geht mit diesem Sieg im Rücken vielleicht die eine oder andere Situation etwas leichter. Es ist der Wahnsinn, was in Berlin abgeht. Davor kann man nur den Hut ziehen. Aber wir müssen aus dem heutigen Sieg Selbstvertrauen ziehen und mit breiter Brust auftreten."

Zum ersten Werder-Tor von Max Kruse

Max Kruse: „Ich freue mich über das Tor, weil wir gewonnen haben und ich meinen Beitrag dazu leisten konnte. Ich kenne Fin schon etwas länger und weiß, dass er den Ball gerne direkt reinbringt. Deshalb bin ich durchgelaufen und habe auf die Flanke spekuliert. Die kam dann perfekt und ich musste nur noch den Fuß hinhalten.“

Fin Bartels: „Ich kenne Max ja schon aus unserer gemeinsamen Zeit bei St. Pauli und weiß, dass er in diesen Situationen oft starke Laufwege hat. Also hab ich kurz den Kopf gehoben und ihn einfach mal reingebracht und der passte gut.“

Zur Verletzung von Izet Hajrovic

Izet Hajrovic musste verletzungsbedingt kurz nach seiner Einwechselung wieder raus (Foto: nordphoto).

Alexander Nouri: „Die Verletzung von Izet wirft natürlich einen großen Schatten auf den Sieg. Wir haben die drei Punkte teuer bezahlt. Izet ist ein Teamplayer, ein Junge mit viel Herz, der in der Kabine hohes Ansehen genießt. Auch deshalb sind wir alle betrübt. Die genaue Diagnose steht noch aus, aber es sieht nach einer schlimmeren Knieverletzung aus."

Max Kruse: „Ich habe ihn noch nicht gesprochen, aber das sah sehr unglücklich aus. Ich hoffe, es ist nicht allzu schlimm.“

Fin Bartels: „Izet hat sich nach einer schweren Phase in seiner Karriere wieder zurückgekämpft und in dieser Saison Anteil an vielen guten Momenten gehabt. Er ist ein toller Fußballer und ich wünsche ihm, dass er nicht allzu lange ausfällt.“

Frank Baumann: „Es sieht nach einer Knieverletzung aus, für genauere Angaben müssen wir die Diagnose abwarten. Es macht keinen Sinn, ihn heute Abend ins Krankenhaus zu schicken. Die Untersuchungen werden zu Wochenbeginn stattfinden.“

Zur Parade von Drobny kurz vor Schluss

Robert Bauer: „Den hat er wirklich unglaublich gehalten, das weiß er selbst. Mit der Parade hat er uns gerettet, deshalb sind wir nach dem Spiel auch zu ihm gegangen und haben uns bedankt.“