Schmidt: "Ich wurde vorgewarnt"

Interview mit Jung-Profi Niklas Schmidt

Am Arbeitsplatz: "Neu-Profi" Niklas Schmidt absolviert bei Werder auch eine Ausbildung (Foto: WERDER.DE).
Interview
Samstag, 09.07.2016 // 13:01 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Frank Baumann verlieh ihm das Prädikat "Toptalent", in den deutschen Junioren-Nationalteams gehört er seit Jahren zum Stammpersonal und mit 17 Toren zählte er vergangenes Jahr zu den treffsichersten Akteuren der gesamten U 19-Bundesliga: Niklas Schmidt. In der kommenden Saison soll der hochbegabte Mittelfeldakteur den Sprung in den Herrenbereich schaffen. Im besten Fall gelingt dem 18-Jährigen, der sogar noch ein weiteres Jahr in der A-Jugend spielen dürfe, ein Durchmarsch in die Bundesliga. 

WERDER.DE und WERDER.TV haben Schmidt anlässlich der Vertragsverlängerung an seinem Arbeitsplatz im Leistungszentrum besucht. Denn: Als wäre die Karriere als Fußballer nicht schon Herausforderung genug, absolviert Schmidt bei Werder auch noch eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Im Interview spricht Schmidt über den frühen Auszug von Zuhause, Lehren aus dem Trainingslager in Belek vergangenen Winter und den Umgang mit den Kollegen bei Werder.

Freut sich auf die Herausforderung Herrenfußball: der 18-jährige Niklas Schmidt (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Vor vier Jahren bist du zu Werder gekommen, jetzt hast du deinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben. Wie groß war der Traum, der damit in Erfüllung gegangen ist?

Niklas Schmidt: „Der Traum war auf jeden Fall riesengroß. Den Vertrag zu unterzeichnen war pure Freude. Von klein auf habe ich davon geträumt, irgendwann diesen Schritt zu gehen. Ich freue mich aber auch für meine Familie und meine Freunde, die mich bei diesem nicht immer ganz einfachen Weg in den letzten Jahren unterstützt haben.“

WERDER.DE: Wie viele andere im Werder-Internat bist du sehr früh zuhause ausgezogen. Wie schwer war das für dich?

Niklas Schmidt: „Zu Beginn war es nicht einfach, sich komplett selbst zu organisieren: lernen, trainieren, leben – all das muss man in einem jungen Alter alleine hinbekommen. Aber es hilft, wenn man im Internat echte Kumpels gefunden hat, die einem helfen. Sie erleben die gleiche Situation wie du und so rauft man sich zusammen.“

WERDER.DE: Über die U 23 und den Profi-Kader geht dein Weg weiter, möglicherweise irgendwann bis in die Bundesliga. Wie sieht der Plan aus, den du dir mit Sicherheit schon ausgemalt hast?

Niklas Schmidt: „Ich möchte peu à peu der Profi-Mannschaft näher kommen. Die Vorbereitung habe ich bislang bei der U 23 absolviert. Das Team hat mich gut aufgenommen und ich konnte meine ersten Erfahrungen im Herrenbereich sammeln. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, aber wir haben zwei, drei erfahrenere Spieler im Team, die ganz klar den Weg vorgeben werden, die uns führen. Ich denke, wir haben genug Qualität für den Klassenerhalt. Jung und hungrig muss ja nicht unbedingt schlecht sein…“

Jung gegen Alt: Der 18-Jährige im Zweikampf gegen Clemens Fritz (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Empfindest du den Sprung vom Jugend- in den Herrenbereich als sehr groß?

Niklas Schmidt: „Auf jeden Fall. Aber ich wusste, was mich erwartet. Ich wurde ja von meinem U 19-Coach Mirko Votava oft genug vorgewarnt (lacht).“

WERDER.DE: Vergangenen Winter konntest du im U 23-Trainingslager in Belek schon mal reinschnuppern. Inwiefern war das hilfreich für dich?

Niklas Schmidt: „In erster Linie um die Mitspieler kennenzulernen. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich in Belek noch nicht so weit war. Das habe ich gemerkt. Aber dank dieser Erkenntnisse habe ich die Rückrunde genutzt und hoffe, jetzt besser in den Herrenbereich reinzukommen.“

WERDER.DE: Neben deinem Werdegang im Leistungszentrum hast du vor zwei Jahren bei Werder eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann begonnen. Wie lassen sich Trainingsalltag und Arbeit vereinbaren?

Niklas Schmidt: „Klar ist es häufig hektisch und oft auch anstrengend, aber es gefällt mir gut, neben dem Training noch zu arbeiten und immer mal etwas Neues zu sehen. Mir und meiner Familie war es sehr wichtig, dass ich noch etwas in der Hinterhand habe, falls es nicht klappt, ich mich schwer verletze oder für die Zeit nach der aktiven Karriere. Wenn ich da mit leeren Händen dastünde, wäre das fatal.“

Arbeitet seit vier Jahren an seiner Zukunft bei Werder: Niklas Schmidt (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Wie muss man sich deine Ausbildung vorstellen?

Niklas Schmidt: „Ich habe an den unterschiedlichsten Stationen im Unternehmen ganz verschiedene Dinge gelernt. Am Empfang der Geschäftsstelle musste ich lernen, auf Leute zuzugehen. Das war nicht gerade meine Stärke, ist aber möglicherweise eine geworde. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es mir so riesengroßen Spaß macht mit Menschen mit Handicap zusammenzuarbeiten. Das konnte ich beim CSR-Management ausprobieren. Jetzt freue ich mich, einen Einblick in die Rehakoordination zu bekommen und dann im Medienbereich zu erleben, was hinter der Kamera so alles passiert.“

WERDER.DE: Was bedeutet Werder für dich?

Niklas Schmidt: „Werder ist wie eine große Familie für mich. Dadurch, dass ich hier arbeite, trainiere und lange auch gelebt habe, verbringt man natürlich sehr viel Zeit im Stadion und drum herum. Unter den Kollegen habe ich viele neue Freunde gefunden. Ich schätze es sehr, dass sie mich als Kollegen sehen und nicht als Nachwuchsspieler oder vielleicht bald Profi. Für mich ist es wirklich unglaublich zu sehen, wie alle bei den Spielen der Profis aber auch der U 23 oder der Frauen mitfiebern. Das ist schon besonders.“