"Da kommen auch mal Kraftausdrücke ... "

Prödl-Interview Teil II

Jubelten früher gemeinsam für Werder und leben inzwischen beide in London: Sebastian Prödl und Per Mertesacker (Archivfoto: nordphoto).
Profis
Freitag, 23.12.2016 // 10:04 Uhr

Von Dominik Kupilas und Felix Ilemann

Seit eineinhalb Jahren steht Sebastian Prödl inzwischen beim FC Watford unter Vertrag. Er genießt sein neues Leben in der englischen Hauptstadt und saugt die Premier League auf wie ein Schwamm. Den SV Werder hat er trotzdem nie ganz hinter sich gelassen. „Es tut immer gut, Gesichter von Werder zu sehen und über Werder zu sprechen“, sagt der Innenverteidiger, als WERDER.DE ihn in dessen neuer Heimat in London-Hampstead besucht.

Im zweiten Teil des Interviews unterhielten sich die Werder-Redakteure Dominik Kupilas und Felix Ilemann mit dem 29-Jährigen über den Werder-Fanclub London, den berühmten Boxing Day und das anstehende Weihnachtsfest im Hause Prödl.

WERDER.DE: Nachdem wir viel über London gesprochen haben, gibt es denn auch Dinge, die du an Bremen vermisst?

Sebastian Prödl: „Als ich noch dort war, habe ich den Drang gespürt, mal wieder etwas Neues zu erleben. Und als ich dann weg war, habe ich zu schätzen gelernt, was man in Bremen hat, was man dort tagtäglich bekommt – kurze Wege, nette, offene Leute, das Stadion mitten in der Stadt, die Fans. Das vermisst man dann schon manchmal. Einfach diese Fußball- und Lebenskultur, die man in Bremen pflegt, hat mir ganz gut gepasst und die hat mir gut getan. Deshalb verfolge ich das Geschehen rund um Werder sehr intensiv.“

Ein Bild der drei Freunde aus alten Tagen: Fritz, Mertesacker und Prödl bei einer Werder-Weihnachtsfeier (Archivfoto: nordphoto).

WERDER.DE: Wie muss man sich das vorstellen?

Sebastian Prödl: „Das mache ich viel über die Social Media-Kanäle des Vereins, aber ich versuche auch die Spiele anzuschauen, wenn wir nicht selbst parallel spielen. Und ich habe tatsächlich die meisten Spiele der Hinrunde gesehen, habe dann mitgefiebert, mitgelitten und mitgejubelt.“

WERDER.DE: Also sitzt Sebastian Prödl dann im Werder-Trikot auf der heimischen Couch vor dem Fernseher und fiebert mit?

Sebastian Prödl: „Ganz so ist es nicht, aber ich bin schon sehr nervös, weil ich nicht nur Teil des Vereins war und es auch immer noch bin, sondern auch Fan von Werder bin. Und jeder Fan weiß, wie man mit seinem eigenen Klub mitfiebert. Und so geht es mir auch auf der Couch. Ich bin sehr angespannt und viel nervöser, als ich es war, wenn ich selbst für Werder auf dem Platz gestanden habe.“

WERDER.DE: Und wie gut hast du deine Emotionen während eines Werder-Spiels im Griff?

Sebastian Prödl: „Da musst du mal meine Freundin fragen. Aber da kommen durchaus auch einige Kraftausdrücke aus mir heraus (lacht).“

WERDER.DE: Du bist ja nicht der einzige Ex-Werderaner in London. Gibt es eigentlich einen Werder-Stammtisch mit Mesut Özil und Per Mertesacker?

Sebastian Prödl: „Wir haben bisher jedenfalls noch kein Werder-Spiel gemeinsam geschaut (lacht). Aber jedes Mal wenn wir uns treffen, sprechen wir über Werder. Insbesondere bei Per weiß ich, dass er auch die meisten Spiele verfolgt. Werder ist da schon noch sehr präsent in unseren Themen, die wir besprechen. Wir sind beide Fans.“

Die Feiertage und Silvester werden hier klar untergeordnet
Sebastian Prödl

WERDER.DE: Lass uns teilhaben, was wird da konkret besprochen?

Sebastian Prödl: „Wir tauschen uns dann vor allem über die heutige Situation aus, aber vergleichen natürlich auch mit damals. Aber vor allem unterhalten wir uns über die Menschen, die wir beide aus der gemeinsamen Werder-Zeit kennen – das ist dann mal Frank Baumann, Torsten Frings oder auch die Physios. Und natürlich geht es auch um ehemalige Mitspieler, wie Clemens, die noch heute bei Werder spielen. Wir unterhalten uns über ihre Arbeit, beleuchten alles ganz genau. Es tut immer gut, über Werder zu sprechen.“

WERDER.DE: Wir müssen einmal kurz über Weihnachten sprechen. Es ist für dich die zweite Weihnachtszeit in London. Was überwiegt, wenn du an die anstehenden Tage denkst: Vorfreude oder Anspannung?

Sebastian Prödl: „Das ist ein guter Mix. Es ist schon etwas Besonderes, wenn du über Weihnachten spielen kannst, wo die ganzen anderen Ligen Pause machen und die ganze Welt auf die Premier League schaut. Das hat schon seinen besonderen Reiz. Andererseits ist der persönliche und private Bereich dann nicht so spannend, wenn man weiß, dass die Familie in Österreich und man selbst in London ist und jeden Tag Training hat. Aber so ist hier das Geschäft. Deshalb blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese Tage.“

WERDER.DE: Wie verbringst du denn das Fest zwischen Trainingseinheiten und Boxing Day?

Sebastian Prödl: „Trainingsmäßig geht es die gesamte Zeit durch. Wir werden am 24. vormittags trainieren, da werde ich am Nachmittag wieder zu Hause sein. Dann werde ich einen Christbaum aufstellen und einige Geschenke drunter legen und natürlich auch welche erwarten (lacht). Am 25. werden wir am Nachmittag trainieren, von dort geht es direkt ins Hotel und am 26. steht der Boxing Day an, da spielen wir gegen Crystal Palace. Deshalb ist Weihnachten für mich am 25. schon wieder vorbei.“

WERDER.DE: Du sprichst den berühmten Boxing Day an. Welche Bedeutung hat dieser Spieltag hier?

Sebastian Prödl: „Hier ist alles darauf ausgerichtet. Der Spieltag ist eine riesen Werbung für den englischen Fußball, das wissen die Leute und das merkt man an jeder Ecke. Überall wird der Boxing Day beworben und die Menschen gehen alle in die Stadien. Da sind häufig auch mal ganze Familien in den Stadien, weil da jeder frei hat. Das ist schon etwas Besonderes.“

WERDER.DE: Und auch zwischen den Jahren bleibt vermutlich wenig Zeit zum Durchatmen.

Sebastian Prödl: „Stimmt. Die Tage zwischen den Jahren werden wir ebenfalls trainieren, weil am 1. und 3. Januar schon wieder Spiele anstehen. Da wir an Neujahr schon mittags spielen, werde ich Silvester im Träumeland erleben. Und auch anschließend werde ich wenig Zeit haben, das neue Jahr einzuläuten, da am 3. Januar eine Auswärtsreise ansteht, da spielen wir bei Stoke City. Die Feiertage und Silvester werden hier klar untergeordnet.“

WERDER.DE: Kommt denn deine Familie zu Besuch oder fällt ein gemeinsames Fest aus?

Sebastian Prödl: „Letztes Jahr haben wir uns über Facetime gesehen, weil mein Bruder unserer Familie eine kleine Nichte geschenkt hat, sie ist natürlich der Star und auf sie wird alles ausgerichtet. Und auch dieses Jahr werden meine Eltern, mein Bruder und seine Familie in Österreich feiern. Ich werde wieder versuchen, über Facetime ein Teil davon zu sein. Aber die Familie meiner Freundin kommt uns besuchen, wir werden also auch ein familiäres Weihnachten haben und alles so gut wie möglich gestalten.“

WERDER.DE: Mit einem traditionellen Weihnachtsessen?

Sebastian Prödl: „Genau. Wir werden hier einen guten Mix aufstellen aus österreichischen Traditionen und einigen englischen Speisen. Das wird spannend.“

WERDER.DE: Ist die Weihnachtszeit der größte Unterschied zu vorher?

Sebastian Prödl: „Die Weihnachtszeit ist etwas Besonderes hier und ohne Zweifel ein großer Unterschied zur Bundesliga. Aber generell ist die gesamte Fußballkultur ein riesiger Unterschied. Die Trainingskultur ist anders, die Spieltage sind anders, man sieht sehr viele Unterschiede.“