Der Bremer im Finnen

Petri Pasanen im Interview

Abschied nach sieben Jahren Werder: Petri Pasanen im Sommer 2011 (Foto: nordphoto).
Profis
Dienstag, 25.10.2016 // 16:14 Uhr

Das Interview führte Markus Biereichel

Mit seinem Erbe sind die Werder-Profis fast täglich konfrontiert, dabei läuft Petri Pasanen schon seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr im Trikot der Grün-Weißen auf. Das Vermächtnis des Finnen verbirgt sich vielmehr tief im Kabinentrakt. Dort, wo für Gnabry, Grillitsch und Co. die Regeneration an oberster Stelle steht. Es ist die finnische Sauna, zu der Pasanen beim Umbau der Ostkurve seine Expertise beisteuerte. „Ich habe damals gebeten, mich das machen zu lassen und einige Kontakte hergestellt. In gewisser Weise ist das meine Hinterlassenschaft bei Werder“, erklärt der 36-Jährige.

Am Wochenende besuchte der Defensivspezialist, der 223 Pflichtspiele für Werder absolvierte, das Weser-Stadion. Bei einer Stadionführung mit einer finnischen Jugendmannschaft gab Pasanen den Übersetzer und konnte sich gleichzeitig ein Bild davon machen, was sich bei Werder seit seinem Weggang geändert hat.

WERDER.DE traf sich im WUSEUM mit Pasanen zum Interview und sprach über das Leben als finnischer „Fußball-Rentner“, den Transfer von Niklas Moisander, Zukunftspläne und Erinnerungen an Bremen.

Pasanen organisierte eine Stadionführung für das Team seines Sohnes (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Petri, wie kommt es, dass du deiner alten Heimat einen Besuch abstattest?

Petri Pasanen: „Mein Sohn spielt Fußball, was für eine Überraschung, und als sein Teamleiter mich letztes Jahr gefragt hat, ob ich bei einer Auslandsreise helfen kann, habe ich natürlich sofort meine alten Kontakte reaktiviert. Bremen bietet viele Vorteile: Man kann von uns aus schnell hinfliegen, gut übernachten und Bremen ist günstig. Außerdem sind Freundschaftsspiele sehr einfach zu organisieren. Deswegen waren wir übers Wochenende hier. Schade, dass Werder nicht zuhause sondern in Leipzig gespielt hat.“

WERDER.DE: Konntest du den Besuch nutzen, um einige alte Teamkollegen zu treffen?

Petri Pasanen: „Ja, am Freitag habe ich mich mit Kiki Vander, meinem ehemaligen Zimmerkollegen, zum Essen getroffen. Niklas Moisander kenne ich natürlich aus der Nationalmannschaft. Leider hat es dieses Mal nicht mit einem Treffen geklappt.“ 

WERDER.DE: Was hast du gedacht, als Frank Baumann Moisander aus dem Hut gezaubert hat?

Petri Pasanen: „Wieso? Frank ruft mich doch immer an und fragt: Petri, wen sollen wir holen? (lacht) Nein, Quatsch! Er hat mich nicht angerufen, ich habe es auch erst aus den Medien erfahren. Ich habe Niklas gratuliert und ihm gesagt, dass wenn er jetzt auch noch seine Karriere in Lahti ausklingen lässt, wir auf einen identischen Lebenslauf zurückblicken können.“

Im Wald, am Grill, an der Angel

223 Pflichtspiele bestritt Pasanen für den SVW, 31 davon in der Champions League (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wie beurteilst du die aktuelle sportliche Situation bei Werder?

Petri Pasanen: „Die gute Zeit bei Werder hat sehr lange gehalten. Ich denke, es ist normal, dass es auch wieder bergab geht. Die Entwicklung der Bundesliga ist durchaus interessant. Es wird immer schwerer im deutschen Fußball, denn die Reichen werden immer reicher, Mannschaften wie Leipzig oder Hoffenheim kommen dazu. Das wichtigste ist, dass Werder in der Bundesliga bleibt. Die guten Zeiten werden schon wiederkommen, da bin ich mir sicher.“

WERDER.DE: Wie intensiv verfolgst du Werder noch?

Petri Pasanen: „Ich schaue mir die Resultate im Internet an und lese, was passiert ist. Von meinen Ex-Vereinen habe ich Werder sicherlich am ehesten auf dem Zettel. Ich weiß, was passiert. Aber sagen wir es so: Der Fußball dominiert nicht mehr meinen Samstag.“

WERDER.DE: Was machst du, wenn du nicht gerade mit der Mannschaft deines Sohnes Bremen besuchst?

Petri Pasanen: „Ich arbeite fürs finnische Fernsehen. Ich bin ein Analytiker während der Champions League und wenn die Nationalmannschaft spielt. Sonst bin ich mit meinen kleinen Kindern zuhause, gehe in den Wald, wir grillen viel und ich gehe angeln.“

WERDER.DE: Was man als Finne so macht…

Petri Pasanen: „Ich habe 15 Jahre im Ausland gelebt. Das war eine hektische Zeit. Als ich letztes Jahr aufgehört habe, wollte ich ein paar ruhigere Jahre einschieben. Mal sehen, was noch kommt.“

Bremen? Noch keine Pläne, aber ein Wunsch

WERDER.DE: Claudio Pizarro ist zwei Jahre älter, Clemens Fritz wie du 36 Jahre alt. Bereust du es manchmal, aufgehört zu haben wenn du die beiden siehst?

Petri Pasanen: „Ich bin immer noch sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Hut ab für die Leistung der beiden. Die haben noch immer Lust, noch Kraft und große Motivation. Das ist schon der Wahnsinn. Sie haben meinen größten Respekt.“

WERDER.DE: Viele deiner Ex-Teamkollegen sind zu Werder zurückgekehrt. Frank Baumann ist Geschäftsführer, Christian Vander Torwart-Trainer und auch Clemens Fritz wird nach seiner Karriere ein Trainee bei Werder absolvieren. Wie sieht’s bei dir aus?

Petri Pasanen: „Als Spieler werde ich auf jeden Fall nicht zurückkommen (lacht). Nein im Ernst, ich habe noch keine Pläne gemacht, aber man sollte nie etwas ausschließen. Ich würde gerne in Bremen leben, das kann ich sagen.“

WERDER.DE: Weil du den Freimarkt so sehr vermisst…

Petri Pasanen: (lacht) „Nein, den Freimarkt vermisse ich ehrlich gesagt nicht so sehr. Ich war gestern da, aber bin schon um 22 Uhr nach Hause gegangen. Am meisten vermisse ich die vielen guten Leute, die ich kennengelernt habe. In sieben Jahren, die ich hier gelebt habe, bin ich mehr und mehr Bremer geworden. Ich glaube, das geht nie mehr weg.“

 

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