"Werder ist hier eine gewaltige Nummer"

Interview mit Lukimya und Ujah

Die Ex-Werderaner Anthony Ujah und Assani Lukimya vor einem Liga-Spiel in Shanghai (Foto: Privat).
Profis
Sonntag, 04.06.2017 // 17:54 Uhr

Von Dominik Kupilas

Ein halbes Jahr lang spielten Assani Lukimya und Anthony Ujah zusammen beim SV Werder. Dann wechselte der erste, Assani Lukimya, zum Liaoning FC in die Chinese Super League. Im vergangenen Sommer gab es das große Wiedersehen, als sich auch Ujah dem Klub aus dem Nordosten der Volksrepublik anschloss. WERDER.DE hat die Sommerpause genutzt, um am Telefon mit den beiden ehemaligen Grün-Weißen über den Schritt nach China, die Entwicklung des Fußballs und den SV Werder zu sprechen.

WERDER.DE: Hallo Luki, hallo Tony – schön euch mal wieder zu sprechen. Wie geht es euch?

Assani Lukimya: „Mir geht es sehr gut. Ich habe mich hier nach anfänglicher Eingewöhnung gut eingefunden. Als ich nach China gewechselt bin, waren viele misstrauisch und haben mich gefragt, ob es der richtige Schritt sei. Aber ich stehe auch rückblickend zu 100 Prozent dazu, diesen Weg genommen zu haben.“

Anthony Ujah: „Der Start im letzten Sommer war etwas schwierig. Hier war die Saison in vollem Gange, ich hatte keine Vorbereitung mit der Mannschaft und war vor dem Wechsel im Urlaub. Aber ich fühle mich hier wohl. Liaoning ist eine schöne Stadt, hier kann man es gut aushalten.“

WERDER.DE: Wenn ihr vergleichen müsstet, wo liegen die Unterschiede zwischen der Chinese Super League und der Bundesliga?

Anthony Ujah: „Das Tempo in der Bundesliga ist schneller und man muss sich mehr auf das Spielgeschehen konzentrieren. Man merkt aber, dass sich die chinesische Liga weiterentwickelt und auf einem guten Weg ist.“

Assani Lukimya: „ Beim Training gibt es aber keine großen Unterschiede. In Deutschland trainiert man vielleicht etwas kürzer, dafür in dieser Zeit aber intensiver.“

Ein unvergessliches Bild: Der Jubellauf von Tony Ujah nach dem Tor gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2015/16 (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: In der Vergangenheit wurde in den chinesischen Fußball wenig Investiert. Doch seit letztem Jahr hat sich das geändert. Merkt man das als Spieler?

Assani Lukimya: In der kurzen Zeit, in der ich hier bin, hat sich viel geändert. Viele Menschen haben sich gefragt, warum ich nach China gewechselt bin. Mein Berater hat mich damals darüber informiert, was die chinesische Liga in Zukunft vor hat. Und es hat sich bewahrheitet: Nach und nach kamen immer mehr Stars hier her. Das zeigt, dass die Super League ein hohes Niveau bieten möchte.“

WERDER.DE: Apropos verändert … Du hast dich hier zu einem zu einem echten Torjäger entwickelt. Was ist dein Geheimnis?

Assani Lukimya: „Was heißt Geheimnis? Es weiß jeder, dass ich in der Jugend schon als Stürmer gespielt habe und diesen Torinstinkt habe ich immer noch in mir. Dazu kommt noch, dass ich jetzt ein Freistoßspezialist geworden bin (lacht). Das liegt daran, dass ich das im Training fleißig geübt habe und hier jetzt auch schießen darf.“

WERDER.DE: Luki, du bist nach China gewechselt und kanntest niemanden. Wie groß war im letzten Sommer die Freude, als Tony plötzlich vor dir stand?

Assani Lukimya: „Die war riesig. Wir sind schon in Bremen sehr gut klar gekommen. Und als ich davon erfahren habe, dass der Verein an ihm interessiert ist, habe ich die Nummer gepusht ohne Ende. Tony ist ein super Spieler, der neben seinen sportlichen Qualitäten auch charakterlich sehr gut zu uns passt.“

WERDER.DE: Hattet ihr im Vorfeld über den Wechsel und die chinesische Liga gesprochen?

Assani Lukimya: „Wir haben in dieser Zeit viel miteinander telefoniert, da es viele Dinge gibt, die in China anders als in Deutschland sind.“

Assani Lukimya ist auch rückblickend froh über den Schritt nach China (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Verfolgt ihr Werder noch?

Anthony Ujah: „Ich habe nur ein Jahr bei Werder gespielt, aber ich habe viele Erinnerungen an diese Zeit. Deswegen versuche ich jedes Spiel zu sehen und verfolge alles ganz genau.“

Assani Lukimya: „Ich verfolge auch noch alles sehr genau. Tony und ich sind dann meistens zusammen, wenn Werder spielt. Wir schauen gemeinsam die Spiele und drücken die Daumen. Der Kontakt ist nie abgebrochen.“

WERDER.DE: Wie habt ihr die abgelaufene Saison der Grün-Weißen erlebt?

Anthony Ujah: „Wir haben versucht, möglichst jedes Spiel zu schauen, wenn es die Zeit zugelassen hat. Die Rückrunde war super. Das letzte Spiel gegen Dortmund haben wir auch komplett geschaut. Es war schade, dass es nicht geklappt hat mit Europa. Aber es war insgesamt eine gute Saison und ich bin davon überzeugt, dass Werder nächste Saison wieder um die Europapokal-Plätze mitspielen kann – sie brauchen dafür eine stabile Saison.“

WERDER.DE: Wie wird Werder Bremen in China wahrgenommen?

Assani Lukimya: „Der Name ist hier eine gewaltige Nummer. Werder ist immer noch ein sehr großer Verein. Neben Dortmund und Bayern ist Werder in China der größte deutsche Klub. Das sieht man auch daran, dass hier immer nur die Topspiele der Bundesliga gezeigt werden und das sind dann Partien der großen Drei, also Bayern, Dortmund und Werder.“

WERDER.DE: Seid ihr noch hin und wieder in Bremen beziehungsweise Deutschland?

Anthony Ujah: „Meine Tochter lebt in Deutschland, deshalb versuche ich möglichst oft dort zu sein. Ich war auch schon zweimal in Bremen, einmal sogar in der Kabine um meine ehemaligen Mitspieler zu treffen."

Assani Lukimya: "Ich bin auch noch öfter in Deutschland, im Winter war ich zuletzt mit meiner Familie in Bremen."

WERDER.DE: Noch eine letzte Frage an Dich, Luki. Du hast kürzlich deinen Vertrag verlängert. Könntest Du dir auch vorstellen, in Zukunft mal wieder in Europa zu spielen?

Assani Lukimya: „Für mich ist das aktuell kein Thema. Wie Du schon sagst, habe ich vor kurzem einen neuen Vertrag bei Liaoning unterschrieben und kann mir auch vorstellen, länger hier zu bleiben.“

 

Vielen Dank für das Gespräch, weiterhin Alles Gute und bis bald in Bremen!