Wenn ein Endspiel alle Pläne durchkreuzt...

Blickte bei WERDER.TV auf seine Karriere zurück: Clemens Fritz (Foto: WERDER.DE).
Profis
Sonntag, 14.05.2017 // 16:19 Uhr

Von Yannik Cischinsky und Markus Biereichel

Schon beim Anblick gerät Clemens Fritz nochmal kurz ins Schwitzen. Unruhig rutscht er auf seinem Stuhl herum. Dabei hat der 36-Jährige schon so viel erlebt in seiner langjährigen Karriere als Fußball-Profi. Wenn Fritz aber an den Saisonendspurt 2009 zurückdenkt, wird er nochmal nervös. Und das nicht aufgrund des Pokalfinales, der legendären vier Duelle mit dem HSV innerhalb von 19 Tagen oder des Finales im UEFA-Cup.

Vielmehr brachte ihn ein privater Termin damals ziemlich in die Bredouille. Ein Jahr zuvor hatte er die Clemens-Fritz-Stiftung gegründet. „Ich wollte ein Charity-Event veranstalten. Die Veranstaltung habe ich über ein Jahr lang geplant, nur hatte ich nicht auf dem Schirm, dass wir bis ins UEFA-Cup-Finale einziehen könnten. Das Event sollte dann am Sonntag vor dem Finale stattfinden“, blickt der Werder-Kapitän mit einem Schmunzeln bei WERDER.TV zurück. Beim Durchstöbern des „Werder-Familienalbums“ weckte ein gemeinsames Foto mit Marco Engelhardt und Rene Adler diese Erinnerungen. Die beiden Weggefährten halfen Fritz damals beim Aufbau der Stiftung und bei der Durchführung des Events.

Clemens Fritz bekam 2009 Hilfe von Kumpel René Adler (Archivfoto: nordphoto).

Nur drohte Einzug ins Endspiel von Istanbul alle Pläne zu durchkreuzen. "Je näher das Finale rückte und umso weiter wir im Wettbewerb kamen, desto mehr habe ich geschwitzt. Ich bin dann irgendwann vor dem Halbfinale zu Thomas Schaaf reingegangen und habe gesagt: 'Trainer, ich habe das Gefühl, dass wir ins Finale einziehen, aber ich habe an dem Sonntag eine Veranstaltung'", berichtet Fritz. Die Antwort des Werder-Coaches allerdings war unmissverständlich – und sie trug nicht gerade zur Entspannung bei Schirmherr Fritz bei: "Er sagte: 'Das geht auf keinen Fall Clemens! Wir fliegen am Montag nach Istanbul. Da kannst du doch nicht noch bis nach Erfurt fahren.'"

Der sportliche Ausgang ist bekannt. Werder besiegte den Hamburger SV auch im UEFA-CUP-Halbfinale und musste tatsächlich an den Bosporus reisen. Fritz: „Nach dem Halbfinale bin ich wieder zu Thomas Schaaf reingegangen. Er sagte: 'Da müssen wir Klaus Allofs dazuholen.' Wir haben dann eine gute Lösung gefunden.“ Fritz durfte, abgesegnet von Cheftrainer Schaaf und Geschäftsführer Allofs, kurz nach Erfurt fahren, die meiste Arbeit übernahmen allerdings René Adler und Marco Engelhardt. „Sie haben mich sehr unterstützt. So konnten sie Gelder für notleidende Kinder sammeln.“

Etwas von seinem Glück mit denen zu teilen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist ein Gedanke, der Fritz bis heute intensiv beschäftigt. Die Stiftung ist immer noch aktiv. „Ich habe damals allerdings gemerkt, dass man das nicht jedes Jahr machen kann weil es einfach sehr aufwendig und zeitintensiv ist. Und man im Fußball nicht planen kann“, so Fritz, der heute über sein Termin-Malheur von damals auch Schmunzeln kann.

Weitere, bis dato unerzählte, Anekdoten sowie die spannendsten Kapitel seiner Bilderbuchkarriere mit persönlicher Fußnote versehen gibt es in der dreiteiligen WERDER.TV-Dokumentation "Das Werder-Familienalbum mit Clemens Fritz".