Schalke will den Anschluss an die Europapokalränge

Anschwitzen - Die Königsblauen vor dem Gastspiel beim SVW

Kapitän Benedikt Höwedes wird Schalke 04 auch im Weser-Stadion wieder aufs Feld führen (Foto: Nordphoto).
Profis
Dienstag, 04.04.2017 // 10:05 Uhr

von Maximilian Hendel

Wie wichtig es vor allem für die königsblaue Seele ist, gerade in dieser alles andere als komplikationslosen Saison nun zumindest schon einmal ein Minimalziel eingelöst zu haben, bekam die Mannschaft von Schalke 04 nach Abpfiff am vergangenen Wochenende zu spüren. Unter großem Applaus des eigenen Publikums legten die Spieler des gegenwärtigen Tabellen-Neunten ihre Ehrenrunde in der heimischen Arena zurück. Zuvor hatten sie auch das zweite Revierderby der aktuellen Spielzeit gegen den ewigen Rivalen Borussia Dortmund nicht verloren. Dem 0:0 in der Hinrunde schloss sich vor knapp zweieinhalb Tagen ein überaus intensives, leidenschaftliches 1:1-Remis nach zwischenzeitlichem Rückstand an.

„Auf die zweite Hälfte können wir stolz sein. Wir haben eine gute Moral gezeigt, gefightet, sind zurückgekommen und waren zum Schluss einer hektischen Partie dem Sieg näher“, honorierte Cheftrainer Markus Weinzierl zufrieden. Mit einem entsprechend positiv gestimmten Gefühl und frischem Selbstvertrauen reist der aktuelle Europa-League-Viertelfinalist also zur Auswärtspartie des 27. Spieltages bei Werder Bremen, die am heutigen Dienstagabend, 04.04.2017, um 20 Uhr im Weser-Stadion angepfiffen wird.

Nouri über S04: Unheimliche Qualität im Kader

Nabil Bentaleb, der beim 3:1-Hinspielsieg der Schalker das zwischenzeitliche 2:0 erzielte, fehlt diesmal gelbgesperrt (Foto: Nordphoto).

Ebenso erfreulich aus Schalker Sicht ist, dass der Rückstand auf einen Europapokalplatz durch die gleichzeitige Kölner Niederlage beim HSV bloß noch drei Zähler beträgt. „Wir sind gut drauf und wollen weiter Punkte gutmachen“, versicherte Kapitän Benedikt Höwedes daher voller Tatendrang. Allerdings werden die Gäste beinah die gesamte Saison über schon von unablässigen Verletzungssorgen geplagt. Das aufreibende Derby hat noch zusätzliche Spuren hinterlassen. Neben den Langzeitausfällen Naldo, Abdul Rahman Baba, Atsuto Uchida oder Breel Embolo hat Rechtsverteidiger Coke in seinem ersten Bundesligaeinsatz überhaupt nach überstandenem Kreuzbandriss gegen den BVB einen Schlag abbekommen. Hinter seinem Einsatz stehe „definitiv noch ein Fragezeichen“, informierte Weinzierl gestern. Ebenso schmerzlich wäre, wenn Leistungsträger Sead Kolasinac wie schon am Wochenende erneut auf sein Mitwirken verzichten müsste. Seit Wochen schon schlägt sich der Linksverteidiger immer wieder mit hartnäckigen Adduktorenproblemen herum.

Ganz sicher nicht im Aufgebot der Knappen steht ihr zentraler Mittelfeldantreiber Nabil Bentaleb. Der zunächst von Tottenham Hotspur ausgeliehene und Ende Februar endgültig fest verpflichtete Algerier handelte sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt wegen Meckerns seine bereits zehnte Gelbe Karte ein, als er mit Schiri Felix Zwayer noch in der Nachspielzeit ein Foul von BVB-Verteidiger Sokratis an S04-Mitspieler Leon Goretzka ausdiskutieren wollte. Markus Weinzierl müsse sich also „wohl noch stärker als Improvisationskünstler erweisen“, befand kicker online im Hinblick auf die Schalker Startformation in Bremen. Vor unlösbare Aufgaben werden die sportlichen Verantwortlichen angesichts der Personalprobleme jedoch keineswegs gestellt. Zu tief sind sie über die verschiedenen Mannschaftsbereiche hinweg besetzt. Weitere hochkarätige Akteure lauern nur darauf, sich wieder in den Vordergrund zu spielen. „Schalke hat einen großartigen Kader, der über unheimlich viel Qualität“ verfüge, betonte Werders Cheftrainer Alexander Nouri.

Wie reagiert Weinzierl auf die Ausfälle von Bentaleb & Co.?

Winterneuzugang Guido Burgstaller hat sich auf Schalke umgehend in die Stammformation gespielt (Foto: Nordphoto).

Sein Amtskollege Weinzierl pflichtete ihm bei: „Es gibt Alternativen und da werden wir uns hoffentlich für die Beste entscheiden.“ Beispielsweise nannte er Johannes Geis und Max Meyer als mögliche Bentaleb-Vertreter im Mittelfeld, erwähnte aber ebenso explizit, „dass wir auch mit zwei Stürmern spielen können.“ Die Grün-Weißen wissen um diese Variabilität und Unvorhersehbarkeit ihres heutigen Kontrahenten. „Sie sind flexibel in ihrer Grundordnung, haben diese Saison auch schon mehrere erfolgreich gespielt und dabei eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive gefunden“, bestätigte Alexander Nouri. In der Defensive vertraut Weinzierl derzeit einer Viererkette, die zuletzt von den Innenverteidigern Höwedes und Matija Nastasic angeführt wurde. Genauso wäre aber auch Holger Badstuber eine Option an der Seite von Kapitän Höwedes. Spannend bleibt die Besetzung der beiden Außenverteidigerpositionen, gerade wenn – wie angesprochen – weder Coke noch Kolasinac auflaufen können.

Wäre dies der Fall, dürfte der erst 20-jährige Derby-Torschütze Thilo Kehrer (Weinzierl: „Ein guter Junge, der für die Mentalität der Mannschaft steht“) wiederum hinten links beginnen. Gegenüber stünde Routinier Sascha Riether als sicherheitsbedachtere Variante bereit, wohingegen die potentielle Option mit Offensivspezialist und Hinspieldoppeltorschütze Alessandro Schöpf womöglich ein nicht ganz undenkbares Überraschungsmoment hergeben würde. Umso eindeutiger ist derweil bereits die Frage zu beantworten, wer den bevorzugten Anspielpunkt im gegnerischen Strafraum hergibt. Guido Burgstaller, Winterneuzugang vom 1. FC Nürnberg, hat sich binnen kürzester Zeit im Oberhaus akklimatisiert. Bereits sechs Scorerpunkte (vier Tore/zwei Assists) kann der vorherige Zweitligatorjäger in seinen bisherigen zehn Bundesligaeinsätzen vorweisen. „Es kommen viele Flanken und oft lange Bälle, die er unheimlich gut fest macht“, beobachtete Alexander Nouri. Burgstallers neuer Nationalmannschaftskollege Florian Grillitsch sekundierte diesbezüglich: „Er wuselt gerne und weiß, wo das Tor steht. Da heißt es, Acht zu geben und das zu unterbinden.“