Bauer: "Ich musste eine Wahl treffen"

Vier-Vier-Zwei mit Robert Bauer

Von Boxtraining bis Kunstrasenplatz: Robert Bauer beim 4-4-2-Interview (Foto: WERDER.DE).
Interview
Dienstag, 11.04.2017 // 17:22 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

1994 kamen die Eltern von Robert Bauer aus Kasachstan nach Deutschland. Ein Jahr später erblickte der heutige Werder-Profi das Licht der Welt. "Meine Eltern hatten so gut wie nichts, wir kannten niemanden. Sie haben ihr Leben uns Kindern gewidmet. Ich bin stolz darauf, was meine Eltern aufgebaut haben", blickt Bauer auf die eigene Familiengeschichte zurück. Seine Kindheit in Pforzheim hat den 22-Jährigen geprägt. Noch heute kehrt er gerne in die Heimat zurück. Bei der Familie genießt er am liebsten kasachische und russische Spezialitäten, die seine Mutter kocht. "Da werde ich schwach", verrät Bauer.

WERDER.DE stellt den Rechtsverteidiger im "Vier-Vier-Zwei"-Interview vor. Im Check-Up mit vier sportlichen, vier persönlichen und zwei außergewöhnlichen Fragen, erzählt Bauer, was sein Vater im Keller aus alten Klamotten und Sand formte, gibt sein wichtigstes Ritual vor einem Bundesligaspiel preis und verrät, welche Tattoo-Pläne schon in der Schublade liegen.

Vier sportliche Fragen:

Ein gläubiger Mensch: Robert Bauer betet vor jedem Spiel (Foto: nordphoto).

# Wenn ich an meine Fußballer-Zeit als Kind zurückdenke, kommt mir als erstes in den Kopf…

„… der ewig alte Kunstrasenplatz meines Vereins FSV Buckenberg (lacht). Der war noch mit Sand bestückt, eigentlich war es eher ein Betonplatz. Aufgeschürfte Knie kommen mir da als erstes in den Sinn.“

# Der begnadetste Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe…

„Ich wusste, dass diese Frage kommt und ich musste echt überlegen, wen ich nennen soll. Das ist eine ganz schwierige Frage. Betrachtet man die Erfolge und Rekorde, ist es ganz klar Claudio Pizarro, aber vom Talent her sind Max Kruse und Serge Gnabry ganz vorne mit dabei. Beide haben ein unheimliches Talent. Bei der Nationalmannschaft waren es Max Meyer und Leon Goretzka, ebenfalls zwei äußerst talentierte Spieler.“

# Mein Ritual vor jedem Spiel…

„Ich habe keine bestimmten Rituale. Wie viele andere höre ich gerne vor dem Spiel Musik und kurz bevor wir als Mannschaft zum Kreis zusammenkommen, bete ich noch kurz. Es ist immer das gleiche Gebet.“

# Bis zum Ingolstadt-Spiel…

„… bin ich wieder fit (lacht). Wir haben schon wieder Stabilisationsübungen gemacht und am heutigen Dienstag konnte ich schon wieder auf den Platz. Ich bin also auf dem Weg zurück. Wann genau ich wieder einsteigen kann, müssen wir leider noch abwarten.“

Vier persönliche Fragen:

Für Robert Bauer ist Serge Gnabry einer der talentiertesten Fußballer (Foto: nordphoto).

# Der schlimmste Schmerz meines Lebens…

„Emotional oder physisch? Emotional war es auf jeden Fall der Tot meiner Oma, das ist aber schon einige Jahre her. Körperlich am präsentesten ist mir noch der Schmerz aus dem Freiburg-Spiel, vor allem die Erstbehandlung in der Kabine als der Doktor am Knöchel herumgedrückt hat. Ich bin fast gestorben. Zum Glück hatte ich noch keine schwerwiegenderen Verletzungen, bei einer Bänderverletzung denkt man ja nicht, ich kippe gleich um. Der Schmerz beim Tattoo war deutlich leichter auszuhalten, da man sich ihn ja in gewisser Weise selbst aussucht und weiß, wofür er ist.“

# Auf meinen anderen Arm tätowiere ich mir…

„… ein Tattoo, das meine Freunde und ich uns schon ausgesucht haben. Es gibt noch weitere Pläne, ich weiß aber noch nicht, ob ich mir den ganzen Arm vollstechen lasse. Es ist tatsächlich ein bisschen wie eine Sucht. Man sieht so viele andere Tattoos und wird inspiriert. Man ist süchtig nach dem Ergebnis, den Schmerz nimmt man in Kauf. Für mich zählt auch nicht das Argument, wie ich wohl aussehe, wenn ich mal alt bin. Das wurde ich schon so häufig gefragt. In meinen Augen sieht die Haut im Alter mit all den Falten ohnehin nicht schön aus und mittlerweile haben so viele Menschen Tattoos, da wird es normal sein wenn ich alt bin.“

# Typisch kasachisch an mir ist…

„… die Vorliebe für das traditionelle Essen. Ich bin mit vielen russischen oder kasachischen Gerichten aufgewachsen und freue mich jedes Mal, wenn ich bei der Familie bin und meine Eltern, meine Tanten oder meine Großeltern etwas Heimisches kochen. Pelmeni kennen die meisten vielleicht noch, aber ich liebe auch Piroschki, Krepli, Warenki und Borschtsch. Meine Mutter ist wirklich eine begnadete Köchin.“

# Wenn ich eine Sache im Leben noch mal neu machen könnte…

„Da muss ich echt überlegen. Bis jetzt lief alles gut. Ich habe mein Abitur bestanden, meinen Führerschein im ersten Versuch bekommen. Schulisch lief echt alles reibungslos und auch sportlich läuft es sehr gut in meinen Augen. Ich bereue auch nicht, dass ich Leipzig abgesagt habe, selbst wen man bedenkt, dass sich Lukas Klostermann kurz nach meiner Absage an RB verletzt hat und meine Einsatzchancen dadurch vermutlich gestiegen wären. Ich spiele hier bei Werder, ich habe eine gute Entwicklung genommen und verstehe mich super mit den Mannschaftskollegen. Ich sehe, welches Potential im Team steckt. Das gepaart mit dem Verein an sich, die Tradition, diese Fans, das Weser-Stadion – das würde ich auf keinen Fall gegen Leipzig eintauschen wollen.“

Zwei außergewöhnliche Fragen:

# Wenn ich heute nochmal in den Boxring steigen müsste…

„… würde ich gewinnen (lacht). Ich würde mich echt freuen, wenn ich mal wieder boxen könnte. Von klein auf habe ich immer geboxt. Mein Vater hat damals aus alten Klamotten und Sand einen Boxsack gebastelt, der bei uns im Keller hing. Ich weiß noch, wie er mich angespornt hat. Er hat mich nicht dazu gedrängt, ich wollte unbedingt. Er hat mich erzogen niemals aufzugeben, darüber bin ich sehr froh. Das hat mich sehr geprägt. Als ich sieben oder acht Jahre alt war bin ich in einen Verein eingetreten und habe jahrelang parallel zum Fußball geboxt. Irgendwann musste ich mich allerdings entscheiden. Beim KSC war dreimal die Woche Training, ich kam aufs Gymnasium und dann noch das Boxtraining, das ging nicht mehr. Ich musste eine Wahl treffen und habe auf mein Herz gehört.“

# Eigentlich wollte ich mir nicht nochmal eine Katze zulegen, aber…

„… alleine zuhause war es schließlich doch ziemlich langweilig. Deshalb habe ich mich entschlossen, doch noch einmal eine Katze zu holen. Also wohne ich jetzt mit Tyson zusammen.“