Erfahrung verpflichtet

Bringt seine Routine und Erfahrung bei Werder auch ohne Einsätze ein: Gerhard Tremmel (Foto: WERDER.DE).
Profis
Mittwoch, 27.04.2016 // 16:28 Uhr

Von Yannik Cischinsky und Dominik Kupilas

Seit 18 Jahren ist Gerhard Tremmel Profi-Fußballer. Bei sieben Vereinen stand der Keeper bisher unter Vertrag. Und nicht selten ging es für den heute 37-Jährigen dabei gegen den Abstieg. „Ich habe das in Deutschland schon einige Male mitgemacht“, sagt Tremmel. „Ich weiß, was es bedeutet, diesen Druck zu haben.“ Auch an der Weser, wo der Routinier seit Januar seine Fußballschuhe schnürt, geht es um den Klassenerhalt. Tremmel, ausgeliehen von Swansea City, kommt dabei eine spezielle Rolle zu.

Die Angst nehmen, die Köpfe aufrichten

Intensive Wochen mit vielen Gesprächen liegen hinter Gerhard Tremmel (Foto: WERDER.DE).

Aktiv kann der 1,90 Meter große Hüne als Ersatzkeeper zwar wenig zum Verbleib in Liga eins beitragen, abseits der 90 Minuten übernimmt er jedoch eine wichtige Funktion. „Ich fühle mich auch aufgrund meines Alters und meiner Erfahrung verpflichtet, den jüngeren Spielern unter die Arme zu greifen. Aber es sind nicht nur die jüngeren Spieler, die unter dem Druck leiden. Ich versuche da einfach mein Bestes“, erklärt Tremmel. Aufbauen nach Niederlagen, Negativerlebnisse durch Gespräche verarbeiten oder das Pushen vor wichtigen Spielen – auch als Reservist kann Tremmel auf diese Weise Einfluss nehmen.

Vor allem unmittelbar nach Niederlagen nage das Resultat an einem, berichtet der Schlussmann. Tremmel kennt das aus der eigenen Erfahrung. Zehnmal landete er mit seinen Ex-Vereinen in der zweiten Tabellenhälfte, oft war es ein kräfteraubender Kampf um den Klassenerhalt. „Da hängen die Köpfe und es arbeitet in den Spielern. Für viele geht es um ihre Zukunft.“ Wenn man die Sorge vor dem Abstieg oder gar Angst vor dem nächsten Spiel allerdings dauerhaft in seinem Kopf mittrage, dann sei das „natürlich nicht förderlich. Man muss auf den Platz gehen und befreit aufspielen können. Das geht nur, wenn man nicht mit Angst antritt. Dass ist das, was ich versucht habe den Kollegen zu nehmen in den letzten Wochen“, so Tremmel.

Tremmel: "Schmerzhaft für Spieler, Fans, Verein und die Stadt."

Erfahren: Mit Cottbus, Hannover und Unterhaching kämpfte er gegen den Abstieg (Foto: nordphoto).

Dreimal hat er in seiner Karriere einen Abstieg erleben müssen. 2001 ging es mit Unterhaching als Sechzehnter zunächst runter in die zweite Liga, ein Jahr später musste die SpVgg sogar den Gang in die Regionalliga antreten. 2009 stieg Tremmel mit Energie Cottbus aus dem Fußball Oberhaus ab. „Absteigen ist fürchterlich, einfach ein Scheißgefühl. Und es hängt nicht nur das persönliche Schicksal dran, sondern auch viele weitere Arbeitsplätze. Das ist die Konsequenz des Ganzen. Das ist unangenehm, schmerzhaft für Spieler, Fans, Verein und die Stadt.“

Allesamt hat er in den Monaten an der Weser kennen und schätzen gelernt. Deshalb soll mit Werder auf keinen Fall der vierte Abstieg seiner Laufbahn hinzukommen. Drei Spieltage bleibt dafür Zeit. „Ich hatte mir erhofft, dass es leichter wird. Vor allem, als ich gesehen habe, welche Qualität in der Mannschaft steckt“, gibt Tremmel zu. Doch auch hier kann der Schlussmann sich aus seinem eigenen Erfahrungsschatz bedienen. Mit Hannover stand Tremmel 2004 wenige Spieltage vor Schluss noch auf dem 16. Platz, damals ein direkter Abstiegsrang. Am Ende reichte es für den Verbleib in der Bundesliga.