Ein skandinavisch-amerikanisches Schlitzohr

Der US-Nationalspieler Aron Johannsson geht künftig für den SV Werder auf Torejagd (Foto: nph).
Profis
Donnerstag, 06.08.2015 // 15:45 Uhr

Endlich raus, endlich rauf auf den Platz! Das dürfte sich Werders Neuzugang Aron Johannsson am Donnerstagnachmittag gedacht haben, als er mit den Teamkollegen zum ersten Training im grün-weißen Dress aufbrach. „Ich kann es kaum erwarten, zu spielen und die schönen Momente zu erleben", sagte der 24-Jährige gegenüber WERDER.DE.

Doch auf seinen ersten Einsatz im Werder-Trikot wird Johannsson noch einige Tage warten müssen. Für den Pflichtspielauftakt gegen die Würzburger Kickers im DFB-Pokal ist er noch kein Thema. „Wir hoffen darauf, dass er sich schnell akklimatisiert, aber er wird zunächst zwei Tage trainieren und bekommt am Wochenende frei. Ab Montag steigt er dann voll ins Training ein", gab Viktor Skripnik Aufschluss über die gemeinsame Entscheidung von Trainerteam und Spieler.

"Herzog hat nur Gutes über Werder erzählt"

Schließlich liegen aufreibende Wochen hinter dem Stürmer. Einer langen Saison mit Alkmaar, in der er AZ mit neun Tore in 21 Einsätzen auf Platz drei der Eredivisie schoß, folgte die Reise zum „Gold Cup" mit der amerikanischen Nationalmannschaft. Nur fünf Tage nach Ende des Turniers war Johannsson bereits wieder in der Qualifikation zur Europa League gefordert. „Aron hatte in letzter Zeit viel Stress und hat sich das freie Wochenende verdient", erklärte Skripnik. „Natürlich wäre es besser, wenn ich eine gesamte Vorbereitung gehabt hätte, aber die Situation ist eine andere. Ich gebe mein Bestes, um der Mannschaft und dem Verein so schnell wie möglich zu helfen", zeigte sich der Offensivmann pragmatisch.

Jetzt gilt die Prämisse, sich schnell einzuleben und kennenzulernen. Geboren im amerikanischen Mobile, fühlt sich der Sohn isländischer Eltern auf der skandinavischen Insel heimisch. „In Island leben meine Freunde und meine Familie, dort bin ich aufgewachsen", so Johannsson. Noch in der U 21 kam er für den Inselstaat zum Einsatz, ehe er sich dem Fußballverband der Vereinigten Staaten anschloss. Bis dato hat Johannsson zwölf Partien für das Team von Nationalcoach Jürgen Klinsmann und Ex-Werderaner Andreas Herzog absolviert. „Natürlich habe ich mit Andreas Herzog über Werder gesprochen. Er hat nur Gutes über den Verein und die Bundesliga erzählt", berichtete die neue Nummer 9 der Grün-Weißen. Herzogs Worte würden ihm „sehr viel bedeuten", fügte Johannsson an, schließlich wäre der Österreicher „eine Legende mit dem wohl besten linken Fuß", den er je gesehen habe.

Ein schneller, mitspielender Stürmer

Und es gab noch einen weiteren Tippgeber, wie er WERDER.TV im Interview verriet. „Mein bester Freund aus Dänemark ist riesengroßer Werder-Fan. Ich habe ihn einiges gefragt und er war sehr aufgeregt. Aber ich wusste auch so genug über den Verein und seine Geschichte", schmunzelte der Nationalspieler, für den vor allem eins für den Wechsel sprach. „Ich wollte unbedingt den nächsten Schritt machen und in einer starken Liga für einen starken Klub spielen. Das kann ich bei Werder."

Doch trotz internationaler Erfahrung, mit dem deutschen Fußball-Oberhaus wartet jetzt eine gänzlich neue Herausforderung auf Johannsson. „Er ist ein junger Mann und es ist eine neue Liga für ihn. Natürlich hoffen wir, dass er schnell funktioniert, aber das erwarten wir nicht. Er hat einen Vier-Jahres-Vertrag und braucht Zeit", sagte Skripnik. Und auch Geschäftsführer Thomas Eichin ergänzte: „Er braucht eine Eingewöhnungsphase."

Beim Training am Donnerstagnachmittag konnte der Neu-Bremer erstmals das Grün am Osterdeich testen - und dem Trainerteam unter Beweis zeigen, was seine Qualitäten sind. „Aron ist ein schneller, mitspielender Stürmer, der über großes Entwicklungspotential verfügt und eine tolle Physis besitzt. Dynamik ist in der Bundesliga nie verkehrt. Er wirkt vielleicht etwas schüchtern, aber wenn man ihn auf dem Spielfeld sieht, merkt man schnell, dass er ein echtes Schlitzohr ist", zählte Rouven Schröder, Direktor Sport, die Stärken des Skandinaviers auf. Um diese Stück für Stück zur Entfaltung zu bringen, hat Johannsson die kommenden Tage Zeit. Zeit, sich an seine neue Heimat zu gewöhnen. 

Von Yannik Cischinsky