Wie eh und je

1.523 Pflichtspielminuten absolvierte Clemens Fritz in dieser Saison bis dato für den SV Werder (Foto: nordphoto).
Profis
Freitag, 29.01.2016 // 12:10 Uhr

von Yannik Cischinsky

Sie waren die „Tor-Opas von Schalke", die „Werder-Oldies" oder wahlweise ein Duo „im sechsten Frühling". Selten wurde so viel berichtet über Clemens Fritz, Claudio Pizarro und ihr Alter, wie nach dem 3:1-Sieg über Schalke. Der „alte Recke Fritz" mit seinen 35 Lenzen und Pizarro, der doch schon im letzten Jahrtausend für Grün-Weiß in der Bundesliga getroffen hat, hätten noch einmal ihr Können aufblitzen lassen. So der Tenor.

Doch diese Einschätzung greift mitnichten zu kurz. Kapitän Fritz, der am Sonntag sein 300. Bundesliga-Spiel absolvierte, ist der Werder-Spieler mit den fünftmeisten Einsatzminuten in dieser Saison. 18 Spiele in Liga und Pokal bestritt er, lediglich gegen Augsburg (Muskelverletzung) sowie aufgrund von Sperren in der Pokal-Erstrundenpartie gegen die Würzburger Kickers und im Nordderby war er zum Zuschauen verdammt. Ein Leistungsträger seit eh und je, zuletzt an fünf der letzten sechs Werder-Tore in der Liga direkt beteiligt und damit in Hochform.

Pizarro: "Platz fünf kann ich noch schaffen"

Kein Zurücklehnen: Eine Pause gönnen sich Fritz und Pizarro nur zwischen zwei Einheiten (Foto: nordphoto).

Für Thomas Eichin ist die momentane Fokussierung auf Fritz‘ Alter deshalb nicht vielmehr als lauwarmer Kaffee. „Clemens bringt von Spiel zu Spiel gute Leistungen. Ich kann die Diskussionen über das Alter nicht mehr hören. Er und Claudio sind top-fit und haben sehr professionell gearbeitet. Sein Alter spielt für mich überhaupt keine Rolle", so der Geschäftsführer Sport über den Kapitän, der im Wintertrainingslager sein Karriereende zum Sommer angekündigt hat. Diese Entscheidung gilt es zu respektieren, sei der sportliche Verlust auch noch so groß. „Clemens´ Entscheidung steht fest, da brauchen wir nicht immer wieder nachfragen", findet Eichin.

Auch bei Claudio Pizarro, dem ältesten Torschützen der aktuellen Spielzeit, spielt das Geburtsdatum keine Rolle bei der Bewertung seiner Leistungen. „Ich musste schon ein wenig schmunzeln als ich von den ‚Oldies‘ gelesen habe", sagt der Peruaner selbst und lacht. „Es ist nicht entscheidend wer die Tore bei uns schießt. Die ganze Mannschaft hat gut gearbeitet und sich diesen Sieg verdient. Wenn wir mit unserer Erfahrung dazu beitragen können, ist das umso besser", fügt er hinzu.

Auf Schalke traf er zum 179. Mal in der Bundesliga, gleichbedeutend mit Platz sechs in der ewigen Torjägertabelle. „Ich fühle mich fit und bis zu Platz fünf sind es nicht mehr so viele Tore. Das kann ich noch schaffen", verrät Pizarro seine Motivation. „Auf dem Platz zu stehen ist das, was mir Spaß macht. Ich möchte so lange spielen bis der Körper sagt: ‚Es geht nicht mehr‘." Und vielleicht kann Pizarro dann ja sogar noch einen weiteren Rekord angehen, den von Mirko Votava und Manfred Burgsmüller. Die beiden Werderaner sind mit 40 und 39 Jahren die beiden ältesten Torschützen der gesamten Liga-Historie.