Nerven behalten, wieder Punkt eingefahren

In den Zweikämpfen ging es hoch her: Santagio Garcia und Felix Klaus (Foto: nph).
Profis
Samstag, 19.10.2013 // 17:46 Uhr

Die Spieler wussten nicht wirklich, wie sie dieses 0:0 gegen den SC Freiburg bewerten sollten. Heimsieg verpasst, aber nicht verloren. Wieder kein Dreier, aber seit vier Spielen ungeschlagen. Knirschen im Offensivspiel, aber jetzt schon vier von neun Spielen zu Null gespielt.

„Miele wird das freuen, aber unsere Stürmer hätten das sicher gern anders", sagt Dutt und spricht aus Erfahrung: „Unentschieden erhalten ihre Bedeutung meist erst mit der nächsten Partie. Wird die gewonnen, dann verlängern sie eine positive Serie und werden positiv bewertet, wird verloren, ist das Unentschieden nichts wert."

Bis es am nächsten Samstag soweit ist, interpretiert der Cheftrainer die Partie mit einem positiven Gefühl. „Es gibt einige Dinge, die uns gefallen haben, das Ergebnis gehört sicher nicht dazu. Aber das wird uns in dieser Saison noch begleiten. Wir werden von Haareraufen, einem Schritt zurück, einem Schritt nach vorn, super Halbzeit, schlechte Halbzeit, alles erleben. Und ich sehe, dass unsere Schritte nach vorn trotz allem immer ein kleines Stück größer sind, als unsere Schritte nach hinten." Dazu serviert Dutt seine Argumente: „Die Defensive ist auf einem guten Weg und selbst über die Offensive muss man sagen, dass wir an den ersten beiden Spieltagen mit kaum einer Chance jeweils 1:0 gewonnen haben und in den Partien danach - auch heute - jeweils deutlich mehr Chancen herausgespielt haben. Geht es um die Balance zwischen Offensive und Defensive haben wir heute eines der besseren Partien gemacht. Besser zum Beispiel als beim 3:3 gegen Nürnberg. Positiv ist auch, dass wir bei Schlusspfiff mit fünf Eigengewächse auf dem Platz standen."

Die weiteren Stimmen zum Spiel aus der Mixed Zone:

Zum Spielverlauf:

Robin Dutt: „Man hat wieder gesehen, dass man gegen Freiburg nicht gewinnt, wenn man nicht 90 Minuten an die Kante geht. Das haben Bayern und Frankfurt auch schon gemerkt. Wir haben in der zweiten Halbzeit ein paar Querpässe zu viel gespielt."

Clemens Fritz: „Wir hatten heute eine gute Spielanlage, haben das Feld breit gemacht. Das hatten wir uns so vorgenommen. Mit dem Ergebnis sind wir aber nicht zufrieden. Wir hatten genug gute Möglichkeiten, von denen wir eine hätten nutzen müssen. Aber ab dem gegnerischen Strafraum waren wir nicht zwingend genug. Das Spiel hat einmal mehr gezeigt, dass man Freiburg nicht mal eben im Vorbeigehen besiegt."

Sebastian Mielitz: „Für einen Torhüter ist es immer schön, kein Gegentor zu kassieren, aber ich wäre glücklicher, wenn wir gewonnen hätten - auch, wenn es dann nicht zu null gewesen wäre. Man sieht, dass unsere Abwehrarbeit Früchte trägt, allerdings haben wir in unserem Offensivspiel noch Steigerungsbedarf, obwohl wir uns heute einige Chancen erspielt haben. In den nächsten Partien machen wir dann hoffentlich auch die Tore.

Aaron Hunt: „Ich bin mit dem Spiel nicht zufrieden. An dem Punkt ist zwar positiv, dass wir jetzt vier Spiele ungeschlagen sind, aber die Enttäuschung überwiegt. Wir wollten unbedingt gewinnen und sind entsprechend mit diesen Erwartungen in das Spiel gegangen. Leider war es heute, wie auch schon in den letzten Spielen - die erste Halbzeit haben wir gut gespielt, die zweite nicht. Daran, dass der Unterschied nicht so groß ist, müssen wir arbeiten. Wir haben im zweiten Durchgang das Tempo vermissen lassen und uns deshalb nach vorn schwer getan. Dass wir aber die Freiburger nicht mit vier oder fünf Toren nach Hause schießen war vorher klar, denn sie kamen mit vielen knappen Ergebnissen aus den ersten Spieltagen hier nach Bremen, die schon gezeigt haben, was sie können."

Cedrick Makiadi: „Wir haben die Null hinten gehalten und waren vorne nicht clever genug. Aber ich fand wir haben schon etwas mehr variiert im Spiel nach vorn und nicht nur lange Bälle gespielt. Dass wir dennoch weiterhin lange Bälle spielen, liegt auch am Gegner. Wenn der tief hinten drin steht, dann kannst du mit einem Ball das Risiko eines richtig gefährlichen Ballverlusts mit einem blöden Gegentor minimieren und dennoch Raum schaffen. Aber wie gesagt, wir hatten auch gute Kombinationen dabei."

Über die klaren Chancen des SV Werder:

Thomas Eichin: „Wir hatten die glasklareren Chancen und normalerweise gewinnst du dann als Heimmannschaft dreckig 1:0. Wenn wir weiter hinten so stabil stehen, dann bin ich auch sicher, dass wir in den kommenden Wochen, das Offensivspiel selbstbewusster angehen können."

Sebastian Mielitz: „Es ist wichtig, dass Nils überhaupt in diese Situationen kommt. Er macht die Läufe in die Tiefe, ist immer gefährlich. Das ist sehr wichtig für die Mannschaft. Im Abschluss fehlte ihm heute das Quäntchen Glück und Oliver Baumann hat auch sehr stark gehalten."

über die Neue Ruhe in schwierigen Situationen:

Thomas Eichin: „Wir sind im Soll. Ich fand es gut, dass wir heute nicht im Hurrastil nach vorn gelaufen sind und noch die Gegentore gefangen haben. Wir haben diesmal nicht den Faden verloren. Wir haben es geschafft, irgendwann zu erkennen, dass wir das Risiko kontrollieren und den Punkt mitnehmen müssen. Wir sind in der Lage, so ein Spiel nicht zu verlieren. So können wir unser Selbstvertrauen behalten. Ich bin nicht unzufrieden. Es kommen auch wieder Zeiten, in denen wir solche Spiele gewinnen."

Robin Dutt: „Ich hatte schon Sorge, dass die Partie in der zweiten Halbzeit kippt, aber in den letzten 15 Minuten konnten wir wieder Druck aufbauen."

Clemens Fritz: „Es ist aber positiv anzumerken, dass wir heute auch in der Schlussphase ruhig geblieben sind. Einige Fans im Stadion hätten gerne lange Bälle gesehen, aber das ist nicht immer das richtige Mittel, weil die oft schnell wieder zurückkommen."


Zur Mini-Serie von vier Spielen ohne Niederlage:

Clemens Fritz: „Ich hätte lieber dreimal gewonnen und einmal verloren."

Cedrick Makiadi: „Man könnte sagen, wir kommen nicht vom Fleck. Aber wir stehen sehr stabil. Wir holen Punkt für Punkt und setzen uns im Mittelfeld fest."


Über die Auswechslungen:

Robin Dutt: „Ich habe erst spät gewechselt, weil ich das Gefühl hatte, dass die Mannschaft harmoniert. Außerdem haben wir in sehr regelmäßigen Zyklen unsere Chancen herausgespielt. Es gab keinen Anlass zu glauben, dass wir keinen Treffer mehr erzielen. Wen sollte man herausnehmen, diese Frage habe ich mir auch gestellt. Mit Petersen war ich sehr zufrieden. Vor Elia ziehe ich den Hut nach der heutigen Leistung. Aaron Hunt war an allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Über Junos Leistung brauchen wir nicht zu diskutieren, bei den Kilometern, die er wieder abgerissen hat. Und Kroos und Makiadi waren die Stabilisatoren im Spiel.

Thomas Eichin: „Junuzoic hatte eine richtig große Platzwunde. Es ging dann darum, nicht zu lange in Unterzahl zu spielen. Wir wollten nicht zwei, drei Minuten mit einem Mann weniger spielen."

 

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Fresen