Großer Abschied auf großer Bühne für Torsten Frings

Profis
Samstag, 07.09.2013 // 22:11 Uhr

Schon das Einlaufen der Stars sorgte für eine grandiose Stimmung: Eilts, Bode, Baumann, Micoud, Ailton, Diego, Wiese...und das gesamte Stadion stand Kopf. Gänsehaut pur auch, als Thomas Schaaf den Rasen betrat. Ein ganz großer Moment. Und doch stand nur einer im Mittelpunkt: Torsten Frings. Nach den Ehrungen ging es los, der Bremer Unparteiische Peter Gagelmann eröffnete die Partie und schon war der Ball drin. „Le Chef" Johan Micoud über die linke Seite auf Ivan Klasnic, der nur noch einschieben musste (1.).

Denkwürdiger Abend im Bremer Weser-Stadion: Die Helden vergangener Tage - sie alle waren gekommen, um Werders frühere Nummer 22, den „Lutscher" Torsten Frings standesgemäß zu verabschieden. Das als „last game in green" deklarierte Abschiedsspiel lockte aber nicht nur zahlreiche Stars aus der Vergangenheit und der Gegenwart in die Hansestadt, sondern auch jede Menge Fans: mit 42.500 Zuschauern war Frings´ langjähriges Wohnzimmer restlos ausverkauft. Die große Bühne für den Schlussakt eines großen Fußballers war also geboten - und auch auf dem Platz ging es noch einmal richtig zur Sache. Am Ende stand es 8:7 (4:3) für die „Grünen".

Bremen feiert seine Legenden

Schon in der Anfangsphase war klar: das wird eine riesengroße Fußball-Party. Die Fans beeindruckten mit „Miiicouuud" und „Aaailton"-Sprechchören und die ehemaligen Profis bedankten sich mit Toren: Nach dem Ausgleichstreffer von Oliver Neuville (12.) schnürte „Kugelblitz" Ailton direkt einen Doppelpack (14., 16.) und zeigte, dass er noch immer weiß, wo die Bude steht. Nach 20 Minuten folgte das nächste Highlight aus Bremer Sicht: SVW-Allstar-Trainer Thomas Schaaf, erstmals seit Mai 2013 wieder im Stadion, wechselte auf der Torhüterposition: Reck raus, Wiese rein. Und es war, als wäre Wiese nie weggewesen.

Auf der anderen Seite tat es Allstar-Coach Matthias Sammer seinem Trainerkollegen gleich und schickte Christian Vander für Roman Weidenfeller ins Tor. Drei Gegentreffer in 20 Minuten - lange her, dass der aktuelle Dortmunder Stammkeeper so etwas erleben musste. Auf dem Rasen ging es munter weiter: Michael Ballack sorgte in der 34. Minute für den Anschlusstreffer, ehe Bernd Schneider das 3:3 erzielte (37.). Wenn das mal kein Abseits war...

Frings: Erst Torrausch, dann Trikottausch

Ausgleich nach einer 3:1-Führung? So etwas darf nicht sein, so etwas kann nicht sein - dachte sich dann auch der Protagonist des Abends und erzielte das nächste Tor. Im strammen Schuss des „Lutschers" aus halbrechter Position machte sich die Erfahrung und Coolness von überragenden 402 Bundesliga-Spielen bemerkbar. Ein starkes Tor, mit dem sich Frings aus der Werder-Allstar-Mannschaft verabschiedete. Nach Seitenwechsel und Trikottausch lief er die letzten 45 Minuten im Dress des Torsten&Friends-Teams auf.

Prompt lief es besser bei der Friends-Auswahl: Brazzo Salihamidzic flankte von rechts und der Bremer Abwehrrecke Naldo konnte den Ball nur noch ins eigene Tor lenken (50.). Glücklicherweise nahm Wiese es mit einem Lächeln und gab direkt ein Interview während des laufenden Spiels, was ihm die frenetischen Zurufe der Fans sicherte. Der Ausgleich währte indes nicht lange - Marco Bode traf vier Minuten später zur neuerlichen Führung (54.). Das Spiel drohte kurz zu verflachen, da brachte Schiedsrichter Gagelmann wieder Action hinein: nach Mini-Foul von Christian Wörns an Bode hieß es: Elfmeter. Und sofort erschallten „Wiese-Wiese-Wiese"-Rufe und allen war klar, wer diesen Strafstoß schießen würde. Tim Wiese eilte zum Punkt und schob die Kugel nach zwei Verzögerungen im Anlauf eiskalt in die Maschen (67.).

„Hey Papa, jetzt ist Schluss“

Christoph Dabrowski schraubte den Spielstand kurzzeitig in die Höhe und traf zum 7:4 (70.), ehe es wieder hieß: Tor durch Frings. Diesmal war jedoch nicht Torsten erfolgreich, sondern sein Bruder Michael, der für Frings & Friends das fünfte Tor erzielte (72.). Die Oberhand behielten dennoch die „Grünen": Naldo mit dem 8:5 (78.), auch wenn Michael Schumacher gewohnt schnell zum 6:8 nachlegte (80.). Und dann, in der 82. Minute, ging plötzlich das Flutlicht aus. Torsten Frings ahnte, dass sein Karriereende damit besiegelt war und netzte schnell noch ein letztes Tor zum 7:8-Endstand (82.). Seine Töchter holten ihn mit den Worten „Hey Papa, jetzt ist Schluss" und „Es wird Zeit, dass du runter kommst" vom Feld, ehe Werders wohl bester 22er sich bei den Fans bedankte und seine Ehrenrunde drehte.

Damit ist sie beendet, die (aktive) Bilderbuch-Karriere eines grandiosen Sportsmannes. Frings war Kämpfer, Dauerbrenner, verlängerter Arm des Trainers, Kapitän, Leader. Danke „Lutscher", für die vielen tollen Momente, die deine Fans nie vergessen werden. Danke für eine geile Zeit.

Von Cord Sauer
________________________________________________________________________________
So haben sie gespielt:

Werder-Allstars: Reck (20. Wiese) - Skripnik (34. Baumann), Stalteri (71. Wiedener), Naldo, Owomoyela (74. Davala) - Ernst, Frings (45. Dabrowski), Diego (45. Vranjes), Micoud (45. Borowski) - Ailton (45. Bode), Klasnic (45. Hunt) Trainer: Thomas Schaaf

Torsten & Friends: Weidenfeller (23. Vander) - Winter, Wörns, Neuendorf (53. Ch. Frings), Salihamidzic (50. Schumacher) - Ricken (13. Asamoah, 61. Kraft), van Bommel (61. M. Frings), Matthäus (45. Frings), Ballack (60. Kehl) , Schneider - Neuville (53. Feinbier)  Trainer: Matthias Sammer

Tore: 1:0 Klasnic (1.), 1:1 Neuville (12.), 2:1, 3:1 Ailton (14., 16.), 3:2 Ballack (34.), 3:3 Schneider (37.), 4:3 Frings (40.), 4:4 Naldo (50., ET), 5:4 Bode (54.), 6:4 Wiese (67., FE), 7:4 Dabrowski (70.), 7:5 M. Frings (72.), 8:5 Naldo (78.), 8:6: Schumacher (80.), 8:7 Frings (82.)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 42.500 (ausverkauft)